1. Lokales
  2. Düren
  3. Merzenich

Samie Yousefi hat in Merzenich seine Änderungsschneiderei eröffnet

Geflüchteter eröffnet Laden : Gekommen, um zu schneidern

Ein Geflüchteter ist am Ziel seiner Träume: Der gebürtige Afghane Samie Yousefi hat in Merzenich seine eigene Änderungsschneiderei eröffnet. Seine Familie hat ihn dabei stets unterstützt. Der Weg zur Selbstständigkeit war allerdings für den 38-Jährigen kein einfacher.

Im Raum an der Dürener Straße 4 spannt sich von der einen zur anderen Seite ein rotes Band mit Schleife; neben den Arbeitsplätzen mit Nähmaschinen befindet sich ein mit Kaffee und Kuchen gedeckter Tisch. Inmitten von bunten Fadenrollen, einer Ankleidepuppe und Stoffstapeln steht Samie Yousefi.

Der 38-Jährige wirkt angesichts des festlich hergerichteten Raums und der Gäste, die er erwartet, nervös – auf eine positive Art und Weise. Denn an diesem Tag erfüllt sich sein Traum: Der gebürtige Afghane eröffnet seine eigene Änderungsschneiderei. Zur feierlichen Ladeneröffnung sind der Bürgermeister und Politiker der Gemeinde Merzenich eingeladen, die Yousefi, seine Frau Marzia und seine Töchter Aynas (13) sowie Setayesh (11) beglückwünschen. „Ich wohne in Golzheim und musste für Änderungen immer nach Kerpen oder Düren fahren – gut, dass es jetzt hier eine Schneiderei gibt“, sagt Klaus Bremke (CDU).

Nach der offiziellen Einweihung fällt von Yousefi deutlich spürbar eine Last ab, und er kann erzählen, wie er dazu kam, letztlich den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Er und seine Familie flohen bereits kurz nach Yousefis Geburt wegen der Sowjetischen Intervention in Afghanistan, die 1979 begann und unter anderem den Anfang des Krieges in dem Land markiert, aus der Heimat in den Iran. „Da habe ich Schneider gelernt und 32 Jahre gelebt“, sagt Yousefi, der dort allerdings keinen Aufenthaltstitel erhielt. Als das auffiel, hatte Yousefi inzwischen schon eine Familie gegründet. Dann sei er zunächst in die Türkei geschickt worden. „Und 2015 sind wir nach Merzenich gekommen“, erläutert der 38-Jährige ruhig, ohne viel Aufhebens um die eigene Geschichte zu machen.

Immer Selbstständigkeit gewünscht

In Merzenich angekommen, habe er Deutschkurse besucht und in einem Änderungsatelier in Düren sowie in einem Brautmodengeschäft in Kerpen als Schneider gearbeitet. Die Selbstständigkeit sei schon lange sein Wunsch gewesen, da es aus seiner Sicht besser ist, sein eigener Chef zu sein: „Hier in Deutschland muss man Ziele identifizieren, und das war immer mein Ziel“, berichtet Yousefi. Seine Frau Marzia habe ihm beim Aufbau der Änderungsschneiderei geholfen und nehme zurzeit an Deutschkursen teil. Beide Töchter besuchen das Gymnasium in Düren und haben – genau wie der Vater – große Pläne für die Zukunft: Die elfjährige Setayesh möchte einmal Ärztin werden. „Und ich will Krankenschwester werden“, ergänzt ihre 13-jährige Schwester Aynas, die gleichzeitig die Inspirationsquelle für Samie Yousefis Laden namens „Aynas Änderungsschneiderei“, der montags bis samstags ab 9 Uhr geöffnet ist, war. Yousefi: „Aynas bedeutet ‚netter Mond‘ auf Persisch.“

Der Weg bis zur Eröffnung sei allerdings kein leichter gewesen, berichtet Heinz Winnikes. Der Ehrenamtler der Flüchtlingshilfe-Initiative der Gemeinde namens „Merzenich hilft“ steht seit Beginn des Projekts Änderungsschneiderei vor eineinhalb Jahren an der Seite der Familie und half beispielsweise bei Behördengängen sowie bei der Gewerbeanmeldung. „Die größte Schwierigkeit war das Finanzielle“, sagt der Merzenicher. Die Gemeinde hat ein Darlehen in Höhe von 3000 Euro bewilligt und auch bei der Suche nach einem passenden Raum geholfen. Die treibende Kraft hinter alledem sei jedoch Yousefi gewesen: „Durch den Willen, den er gezeigt hat, hat er viele Probleme aus dem Weg geräumt“, betont Winnikes.

„Wir mögen es, in Merzenich zu wohnen, weil es hier ruhig ist und wir viele Bekannte haben – alle sind nett“, sagt Yousefi, der sich in der Gemeinde gut aufgenommen fühlt. Was jetzt noch zum vollendeten Glück fehle, sei ein Telefonanschluss: „Das machen wir sofort morgen“, sagt Winnikes, und sofort stürzen er und Yousefi sich in die Terminfindung.