1. Lokales
  2. Düren
  3. Merzenich

Im Merzenicher Bürgerhaus wurden zwei historische Jubiläen gefeiert

Gedenkveranstaltung : Merzenicher feiern historische Jubiläen

Ins Bürgerhaus hat die Merzenicher CDU zu einer Gedenkveranstaltung bezüglich 30 Jahre Mauerfall und 70 Jahre Grundgesetz eingeladen. Zeitzeugen und Experten schilderten vor rund 40 Gästen die Geschehnisse in der damaligen DDR und schlugen dabei die Brücke zu den Inhalten des Grundgesetzes.

Zu Beginn wurden die Nachrichten von ARD und ZDF gezeigt, in denen von einem „Ansturm auf die Grenzübergänge“ die Rede war und die Bilder von Menschen, die ihr Glück über die neu gewonnene Freiheit kaum fassen konnten, zeigten.

Was das Leben in der DDR ausmachte und inwiefern das Vorgehen des SED-Regimes mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik vereinbar war, beschrieben drei Redner.

Der Vortrag von Dr. Helmut Irmen, Rechtsanwalt und Rechtshistoriker, beschäftigte sich mit Artikel 2 der Verfassung, der das Recht auf körperliche Unversehrtheit garantiert. Sein Fazit: In der DDR gab es dieses Recht nicht. Dies zeigte er anhand mehrerer Beispiele, die das gewaltsame und menschenverachtende Vorgehen der SED und des Ministeriums für Staatssicherheit verdeutlichen. So zum Beispiel der Fall von Jörg Hartmann und Lothar Schleusener, die im Jahr 1966 als Kinder bei einem Fluchtversuch in Berlin von Grenzbeamten erschossen wurden.

Auch Dieter Kelmes beschrieb die DDR als „Unrechtsstaat“. Er berichtete von seiner Zeit beim Westdeutschen Grenzschutz, bei dem er vier Jahre tätig war. Besonders erschreckend waren für ihn damals die Zustände Ende der 60er-Jahre an der deutsch-deutschen Grenze: „Die Grenzsoldaten der DDR wurden ausdrücklich dazu angewiesen, von der Schusswaffe Gebrauch zu machen.“ Zudem habe die Vertreibung von mehr als 10.000 Menschen und die gezielte Verbreitung von Lügen sowie Falschinformationen nicht von einem demokratischen Staatswesen gezeugt, dass dem Grundgesetz der BRD gerecht geworden wäre.

„Mischt euch ein“

Dietmar Lux flüchtete mit seinen Eltern und seinem Bruder aus der DDR zu einer Zeit, in der eine Ausreise noch nicht ganz so brenzlig war: „1956 waren Reisen in den Westen noch erlaubt“, erzählte er. „Trotzdem mussten wir aufpassen; wir durften nicht auffallen, uns nicht verabschieden und auch kein Gepäck mitnehmen.“ Für unzureichend hält Lux die Aufarbeitung der SED-Verbrechen. Sein Appell an die Jugend: „Mischt euch ein und engagiert euch in demokratischen Parteien.“

Zum Schluss ergriff Bürgermeister Georg Gelhausen (CDU) das Wort und lud dazu ein, sich ein Exemplar des ausgelegten Grundgesetzbuches mitzunehmen. „Unsere Verfassung entstammt einer Zeit, in der Deutschland in Trümmern lag. Und doch wurde sie mit einer solchen Weitsicht verfasst, dass sie bis heute Gültigkeit besitzt.“ Im Angesicht aktueller politischer Tendenzen solle man sich wieder stärker auf die Grundgedanken der Verfassung besinnen. Dankbar sein könne man zudem für das besonnene Handeln Helmut Kohls und Michail Gorbatschows Ende der 80er-Jahre, welches damals den Weg für eine friedliche Wiedervereinigung frei gemacht habe.