900 Menschen bei Baumpflanzaktion im Hambi

Protestaktion : Rund 900 Menschen bei Baumpflanzaktion im Hambacher Forst

Bäume pflanzen und ein Zeichen setzen – unter dem Motto „Wald statt Kohle“ versammelten sich am Sonntag rund 900 Menschen am Rand des Hambacher Forstes. Im Rahmen der „Waldspaziergänge“ hatte Naturführer Michael Zobel eine Pflanzaktion initiiert.

Treffpunkt war am Sonntagmittag die Kiesgrube Collas zwischen Morschenich und Buir. Viele junge Menschen, aber auch Familien mit Kindern sowie Ältere hatten sich, ausgerüstet mit Spaten, Gießkannen, Wasserkanistern und Fahnen, Richtung Wald aufgemacht. Auf den Nummernschildern der Autos entlang der Landstraße war nicht nur DN und AC zu lesen, sondern auch viele andere Ortskennzeichen von weiter entfernt. Auch Teilnehmer aus dem Ausland hatten den Weg zur Kiesgrube gefunden.

Im Mittelpunkt der Aktion stand Michael Zobel, Naturführer und Waldpädagoge, der sich seit mehr als fünf Jahren mit seinen „Waldspaziergängen“ für den Erhalt des Hambacher Forstes einsetzt. Gegen 12.15 Uhr setzte sich die Kolonne in Bewegung, zunächst ging es einige hundert Meter bis zum so genannten „Jesus Point“. Auch einige vermummte Baumhausbewohner gesellten sich dazu.

„Wir werden mit unserer Aktion heute ein Zeichen setzen und zeigen, was der Wald braucht“, bekräftigte Michael Zobel in einer Ansprache und stellte Forderungen an die Politik: „Wir möchten erreichen, dass die oberen Bagger nahe der Waldgrenze sofort gestoppt werden, und fordern eine Aufforstung und Bewässerung des Waldes, der seit 12.000 Jahren unberührt existiert.“ Zobel kritisierte vor allem auch durch RWE durchgesetze Umsiedlungen, die die Auflösung von Dörfern und Dorfgemeinschaften bedeuten würden. Beispielhaft nannte er den Abriss des Immerather Doms in Erkelenz. „Diese massive Zerstörung ist vergleichbar mit dem zweiten Weltkrieg oder den aktuellen Zuständen in Syrien.“

Unter den Angereisten waren auch Lothar Kornblum und Elke Uhl aus Köln. Foto: Markus Niederhöfer

Gepflanzt wurden sowohl selbst mitgebrachte Setzlinge als auch junge Bäume, die von Baumschulen und Gärtnereien zur Verfügung gestellt worden waren. Am Begrenzungswall, der das Firmengelände von RWE vom Hambacher Forst abtrennt, positionierten sich die Aktivisten symbolisch auf dem Hügel und bepflanzten und bewässerten den umliegenden Waldboden.

Der vereinbarte Rodungsstopp, der das Abholzen bis Herbst 2020 verhindert, geht den Umweltschützern nicht weit genug. Die Tatsache, dass die Kohlebagger derzeit nur noch 50 Meter von der Baumgrenze entfernt stehen, schade dem Wald enorm. „Jeder Meter, den RWE näher kommt, ist ein Meter zu viel“, sagte ein Redner aus Aachen. Das Baggern entziehe dem Boden massiv Wasser und schade so dem Ökosystem des angeschlagenen Waldes.

Bei der Aktion ging es nicht nur um den Wald an sich, sondern auch um die Symbolwirkung für den Klimaschutz, die der Hambacher Forst seit Beginn der Proteste hat. Auch Lothar Kornblum und Elke Uhl aus Köln beteiligten sich an der Pflanzaktion. „Angesichts des Klimawandels sind wir unseren Kindern und Enkeln etwas schuldig. Sowohl in der Politik, als auch in unser aller Köpfe muss sich dringend was ändern“, sagte Kornblum. „RWE weiß seit vielen Jahren, dass der Kohleausstieg kommt und macht weiter wie bisher“, sagte Elke Uhl. Dabei wünsche man sich eine gute Zukunft für alle, auch für die Mitarbeiter von RWE. „Es ist klar, dass viele Menschen Angst um ihre Stelle haben. Im Sektor der erneuerbaren Energien würden aber viele neue Arbeitsplätze entstehen.“

Bis auf einige verbale Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und Polizisten blieb es bei der Veranstaltung friedlich. Foto: Markus Niederhöfer

Mit den Baumhausbewohnern, die den Wald trotz der Räumung vor rund einem Jahr besiedeln, zeigte man sich am Sonntag solidarisch. Die Vorwürfe von gewaltsamen Ausschreitungen vonseiten der Waldbesetzer wurden zurückgewiesen. „Es gibt keinerlei Beweise für körperliche Angriffe vonseiten der Aktivisten“, sagte Peter Beckers aus Mönchengladbach. Eine Teilnehmerin aus Köln behauptete, die Gewalt ginge von den Beamten aus.

Gewalt gab es am Sonntag nicht, auch wenn viele Aktivisten angesichts der Polizeipräsenz empört reagierten. Mehrere Mannschaftswagen standen aufgereiht hinter dem Begrenzungswall um sicher zu stellen, dass niemand RWE-Gelände betrat. „Die Polizei wird für die Interessen eines Konzerns missbraucht“, lautete der allgemeine Tenor. Bis auf wenige verbale Auseinandersetzungen mit den Beamten verlief die gesamte Aktion friedlich.

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