Merzenich: Merzenich: Verwaltung wird „familienfreundlicher Arbeitgeber“

Merzenich: Merzenich: Verwaltung wird „familienfreundlicher Arbeitgeber“

Mario Zeyen ist 29 Jahre alt und zum zweiten Mal Vater geworden. Also ist er zu seinem Chef gegangen, weil er einen Monat Elternzeit nehmen wollte. Zeyen ist Mobilitätsbeauftragter der Gemeinde Merzenich, und sein Chef ist in dem Fall Bürgermeister Georg Gelhausen (CDU). Zeyen: „Deswegen zum Bürgermeister zu gehen, war für mich überhaupt kein Problem.

Man hat eher ein ungutes Gefühl, weil das vielleicht Mehrarbeit für die Kollegen bedeutet.“ Auch Judith Dewies vom Einwohnermeldeamt hat schon pausiert, sich um den Nachwuchs gekümmert und ist froh, dass sie Familie und Beruf jetzt unter einen Hut bringen kann: „Es ist schon passiert, dass eins meiner Kinder krank war und ich es mit zur Arbeit nehmen konnte.“

Für Bürgermeister Georg Gelhausen eine Selbstverständlichkeit. „Familienfreundlichkeit ist bei der Arbeitgeberwahl ein entscheidendes Argument“, erklärt er und setzt darauf, dass man als Kommune möglichst auf Augenhöhe mit anderen Unternehmen agieren solle: „Die Suche nach Fachkräften trifft auch den öffentlichen Dienst.“ Eine Erfahrung, die Gelhausen gerade neu gemacht hat.

Auf eine im Bürgerbüro ausgeschriebene Stelle gab es zwar 70 Bewerbungen, die geforderte Verwaltungserfahrung konnten aber nur vier Bewerber vorweisen. Grund genug für Gelhausen, sich bei der Bertelsmann-Stiftung um das Qualitätssiegel „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ zu bewerben. Vier Monate hat dieser begleitete Zertifizierungsprozess gedauert.

Zunächst wurden die 122 Mitarbeiter von Verwaltung, Bauhof und Kindergärten zu ihren Wünschen befragt, und es gab einen Workshop, auf dem die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert wurden.

Höhere Identifikation

Die Gemeinde Merzenich ist erst der zweite Arbeitgeber im Kreis Düren, der sich diesem Prozess stellt. Gelhausen: „Natürlich hat man in einer kleinen Verwaltung nur wenig Spielraum, aber wir wollen Rahmenbedingungen anbieten, die auch zu einer höheren Identifikation mit dem Arbeitgeber führen.“ Davon, ist sich Gelhausen sicher, würden auch die Bürger profitieren, wenn sie auf motivierte Mitarbeiter treffen.

Dabei ist der Begriff der Familienfreundlichkeit durchaus weit gefasst und reicht von flexibleren Arbeitszeiten über die Möglichkeit zur Heimarbeit bis hin zu Fortbildungen, Mitarbeitergesprächen und Themenfeldern der Gesundheitsvorsorge. Bei letzterer hat man zum Beispiel schon Gespräche mit dem Kreissportbund geführt, um im kommenden Jahr entsprechende Angebote für die Mitarbeiter auflegen zu können. „Die Voraussetzung für viele dieser Maßnahmen ist immer ein funktionierendes Team“, sagt Gelhausen, der den Teamgeist weiter fördern möchte.

Zum Beispiel, um mögliche Bedenken, man würde den Kollegen Mehrarbeit bescheren, wenn man in Elternzeit geht, direkt entgegenzuwirken. Das Beispiel von Judith Dewies, die ihr Kind auch schon mal mit zur Arbeit bringt, zeigt, dass die Teams anscheinend schon funktionieren.

Mit im Boot bei der Zertifizierung war auch das Aachener Kompetenzzentrum „Frau und Beruf“ und die Wirtschaftsförderung des Kreises Düren, die für Mittwoch, 11. Oktober, in Merzenich die Übergabe des Qualitätssiegels organisiert. Zu Gast ist dann mit Professorin Jutta Rump eine Expertin zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

(bugi)
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