Merzenich: Merzenich: Ortskern soll zum Aushängeschild werden

Merzenich: Merzenich: Ortskern soll zum Aushängeschild werden

Tristesse ist eine Spezialität des Dezembers. Feiner Nieselregen lässt alles Grau in Grau erstrahlen. Am Merzenicher Poolplatz könnte die Sonne aber noch so viele Strahlen gen Erde schicken — an der Tristesse würde sich nichts ändern, denn schön ist anders.

Eine Häuserzeile musste bergbaubedingt abgerissen werden, Papier- und Altglascontainer reihen sich aneinander, auf Grün hat man fast ganz verzichtet, stattdessen wird der Platz als Abstellfläche für Autos genutzt. In einer ehemaligen Imbissstube hängt noch ein Plakat für die Fußballweltmeisterschaft 1982, um die Ecke gibt es eine verlassene Polsterei.

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Kein Wunder also, dass die Umgestaltung des Poolplatzes im Rahmen des Dorf-Innen-Entwicklungskonzeptes (DIEK) der Gemeinde Merzenich für Bürgermeister Georg Gelhausen (CDU) die oberste Priorität hat. Knapp anderthalb Jahre haben externe Planer, Verwaltung und Politik beraten, zudem gab es Versammlungen, in denen die Bürger ihre Anregungen einbringen konnten. Jetzt hat der Gemeinderat das Entwicklungskonzept einstimmig beschlossen.

Anders als beispielsweise in den Masterplänen benachbarter Kommunen, in denen oftmals förderfähige Einzelmaßnahmen zusammengefasst werden, hat man sich in Merzenich für eine ganzheitliche Betrachtung entschieden. Dabei geht es um mehr Aufenthaltsqualität im Ortskern, um Themen wie Versorgung und Infrastruktur, Verkehr und Mobilität, aber auch um die Stärkung der Dorfgemeinschaft. 32 Einzelprojekte finden sich im Konzept wieder.

„An einigen Maßnahmen können wir schon einen Haken setzen. So zum Beispiel beim Willkommenspaket für die Neubürger oder bei der Merzenich-App, die zum neuen Jahr in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Düren eingeführt wird“, sagt Bürgermeister Gelhausen. Bei anderen Projekten gibt es erste vorbereitende Gespräche — zum Beispiel mit der Kirche zur neuen Nutzung des Alten Pfarrhauses.

Ehrgeiziger werden die grundlegenden Ansätze. So hat man sich zum Beispiel bei der von den Bürgern dringend gewünschten Ansiedlung eines Drogeriemarktes entschieden, den nicht in der Peripherie anzusiedeln. „Wir wollen sehr bewusst den Ortskern stärken, auch wenn das ein schwieriges Unterfangen ist“, betont Gelhausen. Nicht umsonst taucht das Thema „Zusammenlegung von Geschäftsflächen im Ortskern“ in der Projektliste auf.

Klar ist schon jetzt, dass die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen ein langfristiger Prozess ist: „Wir wollen die Maßnahmen sukzessive angehen“, erklärt Gelhausen, der dennoch klare Prioritäten setzt. Für die Neugestaltung des Poolplatzes und die Entwicklung des Lindenplatzes favorisiert er Architektenwettbewerbe. „Wir wollen den Charakter der Plätze erhalten, müssen aber eine Vision entwickeln, wie die Plätze zur Visitenkarte für unsere Kommune werden können und gleichzeitig noch verkehrstechnische Probleme lösen“, verdeutlicht Gelhausen.

Städtebaumittel

Anfang des Jahres will er deshalb das Dorf-Innen-Entwicklungskonzept mit seinen 32 Maßnahmen der Kölner Bezirksregierung erläutern, um Städtebaumittel zur Förderung des ländlichen Raums einzuwerben. Bei einem weiteren Projekt ist die Kommune schon vorgeprescht: Zur Reaktivierung des ehemaligen Saales Vaaßen gibt es eine Studienarbeit, die im Januar vorgestellt werden soll. Auch hier könnte dann — einen positiven Bescheid der Bezirksregierung vorausgesetzt — eine kurz- bis mittelfristige Umsetzung erfolgen.

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