Jede Note ist von Bedeutung: Meisterkurs von Heribert Koch gibt Abschlusskonzert

Jede Note ist von Bedeutung : Meisterkurs von Heribert Koch gibt Abschlusskonzert

Beim Abschlusskonzert des Meisterkurses von Heribert Koch zeigte der Nachwuchs einmal mehr seine Klasse.

Wer einmal einen Blick hinter die Kulissen einer internationalen Klavier-Meisterklasse werfen möchte, dem seien die Facebookseiten des Pianisten und Dozenten Heribert Koch ans Herz gelegt. Fotos von hochkonzentriert spielenden und hinhörenden jungen Profi-Musikern aus aller Welt sind dort zu sehen und ein Dozent, der nicht nur Feinheiten des Klavierspiels, sondern auch barocke Tanzschritte vorführt, um das Empfinden der Teilnehmer für die klassische Musik, die sie interpretieren, noch weiter zu verstärken.

Herausgekommen ist ein ganz besonderer musikalischer Hochgenuss, der am Sonntag im Haus der Evangelischen Gemeinde im Rahmen des Abschlusskonzertes des Meisterkurses zu hören war. Exzellente junge Pianistinnen und Pianisten präsentierten Höhepunkte ihres Repertoires.

Zuvor hatten hatten die zehn Musiker aus Albanien, Deutschland, Griechenland, Irland, Kasachstan, den Niederlanden, Nord-Mazedonien und Serbien im Rahmen von Heribert Kochs Meisterkurs eine Woche lang an Feinheiten, Details und Nuancen gefeilt und während öffentlicher Proben Einblicke in ihre Arbeit gegeben. Dass sich das Engagement der Teilnehmer und des Dozenten Heribert Koch mehr als gelohnt hat, davon konnten sich rund 300 Zuhörer überzeugen.

Auf dem Programm standen barocke Suiten und Sonaten von Johann Sebastian Bach und Domenico Scarlatti, Werke der Romantik von Ludwig van Beethoven, Carl Maria von Weber, Frédéric Chopin, Franz Liszt und Claude Debussy sowie Zeitgenössisches des türkischen Komponisten Fazıl Say und von einem der Kursteilnehmer, dem niederländischen Pianisten und Komponisten David Voncken.

Durch die einfühlsame Moderation von Heribert Koch erfuhren die Konzertgäste, dass die Stärke von Vonckens Komposition „Courante“ darin liegt, dass sie, gegossen in die Form der Grundtänze einer barocken Solo-Suite, eine Reise durch die Musikgeschichte anbiete – komponiert von einem jungen Menschen, der die Entwicklung der Musik von der Romantik über den Expressionismus bis hin zur Atonalen Musik kenne und von diesem Standpunkt aus zurückfände zur Leichtigkeit und Klarheit des Barock.

„Mir ist es wichtig, dass die Musik so gespielt wird, als sei man selbst der Komponist“ sagte Heribert Koch beim Konzertabend. Damit meinte er, dass er vermitteln wolle, dass jede einzelne Note von Bedeutung sei und besondere Beachtung finden sollte. In hohem Maße gälte das natürlich für solche Noten, welche eine Wendung in der Musik einleiteten. Genau diesen Ton zu treffen sei ein wichtiges Element künstlerischer Qualität und Selbstständigkeit.

Eine Ahnung von jener Selbständigkeit, die über das virtuose Spiel hinausgeht, bekamen die Gäste des Abschlusskonzertes. David Vonckens Interpetationen von Bach und von seiner eigenen Komposition waren geprägt von Klarheit und kristallklarem Spiel. Erik Breer, der als einziger Deutscher an dem Meisterkurs teilnahm, überzeugte mit dem absoluten Willen, Tempo und Dramatik der Musik in vollem Umfang auszuleben. Und Arda Mustafaoglu, der schon das Eröffnungskonzert gespielt hatte, zeigte sich als Meister des gefühlvollen, Geschichten erzählenden Spiels.

Alle Teilnehmer des Workshops können trotz ihres jungen Alters (die jüngste Teilnehmerin, Klaudia Gijni aus Albanien, ist zwölf Jahre alt) auf internationale Erfolge zurückblicken. Dass nicht alle der ursprünglich zehn Teilnehmer zum Abschlusskonzert bleiben konnten, ist genau diesem Umstand geschuldet. Für drei von ihnen ging es sofort weiter zu den nächsten internationalen Auftritten so dass sie für den Konzertabend in Düren nicht bleiben konnten.

Die Leistung der sieben jungen Meisterpianisten, die in Düren auftraten, wurde von den Konzertbesuchern mit lang anhaltendem Applaus belohnt.

(ah)
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