Brandenberg: „Mein erstes Auto“: Mit 14 schon den „alten Bock“ gefahren

Brandenberg: „Mein erstes Auto“: Mit 14 schon den „alten Bock“ gefahren

Als die 14-jährige Doris Rüttgers zum Tischtennistraining immer von Brandenberg nach Kleinhau musste, und die Frage nach dem Wie aufkam, war klar: Mit Opas Auto — und sie am Steuer. Hinten drin ihre Freundinnen. Also ging‘s immer auf Wegen am Wald entlang, etwas abseits vom Straßenverkehr.

Diese Geschichte aus den frühen 70er Jahren fällt Doris Rüttgers, 58, heute immer als erstes ein, wenn sie zu ihrem ersten Auto gefragt wird. Es ist ein Volvo 142, Baujahr 1971, im selben Jahr gekauft, 82 PS, mit TÜV, jeden Samstag wird er geputzt und bei schönem Wetter ausgefahren.

„Mein Opa hat nie etwas dagegen gesagt, als ich auf dem Hof, durchs Dorf oder zum Training gefahren bin, obwohl das Auto gerade mal zwei Jahre alt war“, erzählt sie. „Ich bin quasi mit dem Wagen groß geworden. Wenn der Opa wüsste, dass ich heute noch damit fahren würde, er würde sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen.“ Am 24. August ist der Tacho auf 200.000 Kilometer umgesprungen.

Doris Rüttgers' Opa ist 1989 gestorben, vererbt hat er ihr den Wagen schon viel früher, als er selbst nicht mehr fahren konnte. Wann genau, weiß Rüttgers nicht mehr — sie ist ja eh immer damit gefahren, wenn sie ihn brauchte. „Damals gab's ja nur Dorfsheriffs, die haben immer ein Auge zugedrückt, früher war das lockerer“, fügt Gerd Rüttgers, 62, schmunzelnd an. Interessant ist, dass er das Fahrzeug eher kennengelernt hat als seine heutige Ehefrau.

Der gebürtige Vossenacker hat bei Volvo Schmitz gelernt und an dem 142er schon mehrmals Hand angelegt, bis er Doris 1975 traf. Rüttgers sagt heute, er hätte den 142er niemals restauriert, wenn er bei einem anderen Hersteller die Lehre gemacht hätte — oder hätte seine Frau einen BMW geerbt, hätte er in den kein Herzblut stecken können.

Eigentlich hätte der Wagen schon um die Jahrtausendwende in die Schrottpresse gesollt, wenn da nicht dieser eine Winterabend in einer Kneipe gewesen wäre: Jemand, der einen Volvo 140 GL fuhr, fragte die beiden verdutzt, warum sie ihren Wagen denn noch fahren würden. Das Schmuckstücke solle doch restauriert und gepflegt werden. „Also haben wir den Wagen 1999 abgemeldet. Bis dahin war es unser Alltagsauto. Von 2003 bis 2005 haben wir es restauriert“, sagt Doris Rüttgers.

Zwei Mal Glück gehabt

In den beiden Jahren haben die Eheleute zwei Mal Glück gehabt, dass ihr Volvo nicht ungewollt doch in die Schrottpresse musste. „Einmal ist er von der Bühne in die Grube gekippt, da war die ganze Seite hinüber“, erzählt Gerd Rüttgers, „und dann hat Doris‘ Vetter beim Schweißen gemerkt, dass die Rückbank brennt.“ Gut, dass ein CO2-Löscher greifbar war — der Wagen war mit 60 Litern Benzin vollgetankt, und in der Garage standen drei Flaschen Propangas.

Rückbank und Himmel wurden wie alle anderen Teile (bis auf den Auspuff) aus Schweden neu bestellt. Es sei aber schwierig gewesen, die Originaltüren des 71er Baujahres zu besorgen. Wie es der Zufall aber will, fuhr Gerd Rüttgers' Meister in Köln, wo er nach der Ausbildung arbeitete, ebenfalls Volvo. Türen hatte er abzugeben. Nur: Sie waren 73er Baujahr, die Griffe waren zum Ziehen, der Volvo 142 Baujahr 71 hatte aber Knöpfe. „Die wollte ich unbedingt haben, deswegen haben wir die Türen umbauen lassen“, sagt Doris Rüttgers — alles sollte so sein wie damals.

An Gerd Rüttgers' 50. Geburtstag im April 2005 war dann die erste Fahrt mit H-Kennzeichen zum Oldtimer-Treff nach Stolberg. „Es hat gefroren, und es wurde gestreut. Eine Katastrophe war das. Das Auto war poliert, und wir wollten es ja präsentieren“, erinnert sich Gerd Rüttgers. Wie viel die Restauration gekostet hat, will seine Frau nicht wissen. Sie will nicht, dass ihr Mann die Quittungen zusammenrechnet. Beide sagen: „Wir brauchten die Ersatzteile ja alle, also wurden sie auch gekauft.“ Etwa 7000 Euro sei ihr Volvo 142 heute wert.

Bis auf kleine Runden bei gutem Wetter mit ihrem „alten Bock“ fahren die Rüttgers nicht mehr weit. Zum Oldtimertreff nach München im September zum Beispiel geht es mit dem Alltagswagen. Doris würde dem 142er die Strecke zwar zutrauen, der Wagen habe nie Probleme gemacht. Jedoch will Gerd nicht: Hamburg wäre in Ordnung, aber München sei zu weit — und der Volvo „hat ja kein Klima“.