Düren: „Mein erstes Auto“: Die Hochzeitsreise mit dem Fiat Neckar wird zum Abenteuer

Düren : „Mein erstes Auto“: Die Hochzeitsreise mit dem Fiat Neckar wird zum Abenteuer

Nicht mal mehr ein schönes Eis am Strand konnten sich Lilo und Detlef Freiberger leisten, als die beiden auf ihrer Hochzeitsreise in Italien angekommen sind. Sie haben auf der dreitägigen Anreise nicht auf zu großem Fuß gelebt, nein: Das Auto hat so viele Probleme gemacht, dass die Kosten für die Reparaturen das Budget aufgebraucht haben.

Es war ein gebrauchter Fiat Neckar Spezial 1100 für etwa 1000 Mark, das erste Auto von Lilo Freiberger und somit auch der erste gemeinsame Wagen von ihr und ihrem Mann Detlef. Im August 1970, vier Monaten nach der kirchlichen Trauung, fuhren sie zusammen gen Süden.

Vermasselte die Hochzeitreise ein wenig: der Fiat Neckar Spezial 1100 von Detlef und Lilo Freiberger. Die Heimreise aus Italien trat der Wagen auf dem Autozug an. Foto: Freiberger

Detlef Freiberger am Steuer, seine Frau auf dem Beifahrersitz — sie hat „am Ende nur noch gezittert“, erzählt Lilo Freiberger heute. Denn bereits in Baden-Baden meldete sich das Auto erstmals und deutete quasi schon an, dass die Hochzeitsreise nicht ganz reibungslos verlaufen wird: Der Auspuff machte Probleme, wurde aber nur provisorisch geflickt. „Wir haben dann gesagt, dass wir den Auspuff erst in Italien vernünftig reparieren lassen, weil es dort für Fiat ja die Originalteile gibt“, erinnert sich Detlef Freiberger, der sich ohne Sorgen auf die lange Strecke gemacht hat, weil das Auto zu Hause in Düren nie Probleme gemacht hat. Weite Touren kannte das Auto nicht.

Hatten ein teures erstes Auto: Detlef und Lilo Freiberger. Foto: Rose

Auf dem Grimselpass in den Berner Alpen war dann der Motor an der Reihe: Dieser zog Benzingase anstatt Benzin — die Freibergers mussten gegen ihren Willen mitten auf einer Steigung halten, es ging nicht mehr weiter. „Wir standen mitten auf der Straße, und dann kam uns ein Reisebus entgegen“, erzählt Lilo Freiberger. „Die Reisegäste sind dann ausgestiegen und haben das Auto in die nächste Autotasche getragen, damit der Bus überhaupt an uns vorbeifahren konnte.“

Heißgelaufener Motor

Die Freibergers riefen also den Pannendienst, der sich den heißgelaufenen Motor anschaute und eine simple Lösung parat hatte: „Der Mann hat einfach Schnee vom Straßenrand zum Abkühlen auf den Motor gelegt — und dafür auch noch 50 Franken genommen“, erzählt das Ehepaar. „Das war der teuerste Schnee, das werden wir nie vergessen.“

Damit nicht genug: Der Fiat verlor dermaßen viel Öl, dass Detlef Freiberger gar nicht mehr genau sagen kann, wie viel er nachgekauft hat — was natürlich auch sehr auf die Reisekasse schlug. In Italien angekommen, kümmerten sie sich direkt um die Rückreise. Logischerweise vertrauten sie ihrem Neckar nicht, so dass das Ehepaar einen teuren Autozug nach Düsseldorf („Von da sind wir ganz, ganz langsam zurückgefahren“) buchen musste. Und da der nur an bestimmten Tagen fuhr, mussten sie ihre Reise verkürzen. „Nach Reparaturen, Tickets und Unterkunft hatten wir kein Geld mehr und mussten uns was von unseren Eltern schicken lassen. Danach war der Urlaub doch noch ganz schön“, erzählt Lilo Freiberger.

Nach der Heimkehr trennte sich das Ehepaar dann von ihrem ersten gemeinsam Auto: Sie ließen es verschrotten. Die Rückenlehne „vertitschte“ Detlef Freiberger vorab, der Händler bezahlte ihm 50 Mark für den Wagen — inklusive Extrazahlung fürs Bringen. „Wir hätten dem Wagen die Reise nicht zutrauen sollen, er war ein echt teurer Freund“, meint Lilo Freiberger heute. Immerhin hatten sie nach dem Verkauf die Kosten für den Schnee wieder raus.

(cro)