Mehr als 100 Menschen beim Begegnungsfest in Düren-Gürzenich

Begegenungsfest in Düren-Gürzenich : Diese Feier kennt keine Barrieren

Baseball-Kappe, Kopftuch oder Turban, Afrika, Asien oder Voreifel und – kulturelle Vielfalt ist an diesem Nachmittag Programm. Gürzenicher Bürger haben am Samstag Flüchtlinge aus der Zentralunterkunft zu Kaffee und Kuchen eingeladen. An jedem Tisch werden mindestens drei Sprachen gesprochen.

Oft nicht die, die benötigt wird. Kein Problem für die mehr als 100 Menschen, denn mit Händen und Füßen, etwas Englisch oder Französisch und viel Lächeln klappt es mit der Kommunikation schon.

Spätestens mit dem Auftritt der griechischen Volkstanzgruppe aus Kreuzau ist eine universale Sprache gefunden, es wird mitgetanzt. Seit 2015/16 besteht das Begegnungscafé in Gürzenich. „Wir wollten Begegnung ermöglichen“, sagt Brigitte Salentin, Gemeindereferentin der GdG St. Elisabeth Gürzenich. Die Idee entstand vor den Eindrücken der stetig wachsenden Flüchtlingszahlen. Und der wachsenden Zahl der Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren wollten. Drei bis vier Mal im Jahr organisieren seitdem Brigitte Salentin und weitere Mitstreiterinnen das Begegnungscafé, an dem sich auch der Kinder- und Jugendtreff Gürzenich beteiligt.

„Es gibt die Zentralunterkunft und es gibt Gürzenich. Aber eigentlich gibt es kaum Berührungspunkte im Leben der Menschen“, findet Manuel Schumacher. Er leitet den Kinder- und Jugendtreff, in dessen Saal das Café eine Heimat gefunden hat. Er freut sich, dass viele Jugendliche aus der Gemeinde regelmäßig teilnehmen, das Interesse sei groß.

Wer zu Besuch kommt, wissen die Helfer erst dann, wenn der erste Bus der Malteser die Gäste bringt. Mal sind es viele Familien, mal mehr Männer, manchmal eine bunt gemischte Gruppe. Begrüßt wird in Deutsch, Englisch, Französisch und Arabisch – je nachdem, welche Sprache ehrenamtliche Helfer oder anwesende Dolmetscher beherrschen. An jedem Termin findet ein kulturelles Rahmenprogramm mit Musik und Tanz statt. „Einmal hat auch eine Karnevalsgesellschaft Karneval erklärt“, sagt Brigitte Salentin. Einen Nachmittag lang nehmen die Gäste eine Pause von ihrem Alltag. Eine Besucherin, berichtet Brigitte Salentin, habe einmal gesagt: „Das sind zwei Stunden, in denen ich einfach glücklich sein durfte. Ich brauchte kein Formular ausfüllen und konnte mit Menschen ins Gespräch kommen.“ Eine willkommene Auszeit.

Warum die Menschen geflohen sind, was sie vielleicht erlebt haben oder erdulden mussten – darüber wird meist nicht gesprochen. „Ich habe ein Jahr im Camp gelebt. Ich hatte nie Angst, aber alles war Ungewiss“, berichtet Seef aus Syrien. Er ist 30 Jahre alt und aus Syrien geflüchtet. Nach dem Jahr in der Zentralunterkunft war klar, dass er in Deutschland bleiben darf, er sucht gerade eine Arbeitsstelle und lernt Deutsch. Eine Wohnung hat er in Düren gefunden. „Ich würde gerne als Maler arbeiten“, sagt er. Den Nachmittag nutzt er dazu, mit Gürzenichern zu sprechen. Doch erst einmal wird getanzt. Mittlerweile wirbeln Volkstanzgruppe und Gäste zu arabischer Popmusik durch den Saal.

(sj)