Düren: „Medizin hautnah”: Blick in die Dürener Radiologie

Düren: „Medizin hautnah”: Blick in die Dürener Radiologie

Düren. Ein Motorradfahrer wird nach einem schweren Unfall ins Krankenhaus Düren gebracht. Er ist nicht ansprechbar, kann den Ärzten keine Angaben über die Art und den Ort der Schmerzen machen. Um die weitere Behandlung sicher planen zu können, ist ein Blick in den Körper des Unfallopfers unerlässlich.

Der Mann muss in die Röhre, wie die „Computertomographie” (CT) im Volksmund gerne bezeichnet wird. Von „Röhre” aber kann keine Rede sein, versucht Prof. Dr. Andreas Kopp, Chefarzt der Radiologie, sofort mit einem weit verbreiteten Vorurteil und der damit bei Patienten nicht selten verbundenen Platzangst aufzuräumen.

Die „Röhre” des CT entpuppt sich bei näherer Betrachtung als Ring. „Viele Patienten sind überrascht, wie kurz er ist”, weiß Prof. Kopp aus der täglichen Praxis im Krankenhaus Düren. Und bei einer Öffnung von 70 Zentimetern brauchen selbst gewichtigere Männer und Frauen keine Angst vor Enge zu haben.

Zehn bis zwölf Sekunden später ist der Körper einmal komplett schichtweise durchleuchtet - der entscheidende Unterschied zum konventionellen, sprich „normalen” Röntgen. Nicht immer freilich ist ein Abbild des gesamten Körpers notwendig. Eine CT kann ganz gezielt vom Schädel bis zum Fußskelett eingesetzt werden. Selbst kleinste Strukturen wie Gehörknöchelchen lassen sich darstellen. Daher sind die Einsatzmöglichkeiten vielschichtig. Sie beschränken sich längst nicht nur auf Unfallopfer.

Die Klinik für Radiologie am Krankenhaus Düren arbeitet mit zahlreichen anderen Fachdisziplinen zusammen, ist wichtiger Bestandteil des Brustzentrums, des Darmzentrums, aber auch des Gefäßzentrums. „Das ist das spannende an unserer Arbeit. Sie ist absolut fächerübergreifend”, betont Prof. Kopp. „Wir erhalten Zuweisungen von nahezu allen Fachgebieten.”

Und die Arbeit der Radiologen beschränkt sich längst nicht mehr nur auf die bildgebende Diagnostik. Sie umfasst nur noch rund zwei Drittel des Aufwands. Mehr und mehr widmet sich die Radiologie auch selbst der Therapie, oder genauer gesagt kleinen, so genannten minimal-invasiven Eingriffen, die direkt über die Bildgebung kontrolliert werden und immer öfter größere Operationen vermeiden.

Beispiele sind die Gewinnung einer Gewebeprobe („Biopsie”), die Behandlung von Tumoren, die Entfernung von Fremdkörpern und das Legen von Abszessdrainagen. „Das alles geschieht millimetergenau und ohne dass im Inneren des Körpers Schmerzen entstehen”, versichert der Professor.

Daher können 99 Prozent aller minimal-invasiven Eingriffe mit lokaler Betäubung an der Eintrittsstelle erfolgen. „Das vermindert das Risiko der Vollnarkose und ist vor allem bei älteren Patienten, denen eine Vollnarkose nicht mehr zugemutet werden kann, eine echte Alternative.”

Der Blick des Radiologen in den menschlichen Körper und alle Fragen, die sich rund um das Thema drehen, stehen am Donnerstag, 23. August, 18 bis 20 Uhr, im Mittelpunkt des Forums „Medizin hautnah”, zu dem die DZ und das Krankenhaus Düren einladen.

Im Foyer der Klinik an der Roonstraße werden Professor Andreas Kopp und seine Kollegen die Arbeit der Radiologie vorstellen und anschließend Fragen aus dem Publikum beantworten; beispielsweise zur Strahlenbelastung einer Computertomographie. „Bei einer Ganzkörper-CT nimmt der Körper in etwa eine Dosis auf, die so groß ist wie die natürliche Strahlung an einem Tag”, erklärt der Mediziner. „Sie ist eigentlich zu vernachlässigen.”

Und eine CT ist natürlich nicht die einzige Möglichkeit des Radiologen, ins Innere eines Körpers zu blicken. „Die CT kommt erst zum Einsatz, wenn andere Methoden wie Ultraschall oder Kernspintomographie ausgeschöpft sind”, betont Kopp. „Schnell und schonend”, lautet seine Devise.

Bei der Kernspin - oder auch Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) genannten Methode werden im Gegensatz zur CT keine Röntgenstrahlen, sondern ein starkes Magnetfeld eingesetzt. Aus diesem Grund aber ist eine MRT auch nicht bei jedem Patienten möglich. Insbesondere muss vorher abgeklärt werden, ob der Patient metallische Implantate (Künstliche Gelenke oder Metallplatten nach Knochenbrüchen) im Körper hat.

Ob CT oder MRT - in beiden Fällen verfügt das Krankenhaus Düren über modernste Technik - zum Einsatz kommen, entscheidet der Radiologe abhängig vom Patienten ganz individuell. Bei komplexen Erkrankungen können auch schon mal beide Methoden nebeneinander angewandt werden, erklärt der Chefarzt und nennt ein Beispiel: „Wenn man beispielsweise vergleicht, wie ein Tumor im CT und im MRT aussieht, kann man Rückschlüsse auf die Art und den Umfang ziehen.”

Wer mehr über den „Blick in den menschlichen Körper” erfahren möchte, oder aber auch noch Fragen rund um das recht komplexe Aufgabengebiet des Radiologen hat, ist beim DZ-Medizin-Forum am Donnerstag, 23. August, 18 Uhr, im Foyer des Krankenhauses Düren herzlich willkommen. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Im Anschluss an die etwa anderthalbstündige Vortrags- und Fragerunde besteht zudem die Möglichkeit, einen Blick in die Radiologie des Krankenhauses zu werfen, insbesondere auf den Computertomographen und den erst im Mai installierten neuen Magnetresonanztomographen der Abteilung. Fachärzte der Radiologie werden die Hightechgeräte erklären.

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