Nideggen: Max Raabe und das Palast-Orchester bei den Festspielen in Nideggen

Nideggen: Max Raabe und das Palast-Orchester bei den Festspielen in Nideggen

Eine Reise durch die Zeit wartet auf die Zuschauer, wenn Max Raabe und das Palast-Orchester am Samstag, 29. August, im Rahmen der Festspiele auf Burg Nideggen Station machen. „Heute Nacht oder nie” lautet der Titel des Programms.

Im Grunde beginnt die Zeitreise im Jahr 1919, als Günther Gürsch geboren wird. Gürsch ist der Mitarbeiter des Palast-Orchesters mit der größten Lebens- und Berufserfahrung.

Sobald alte Noten oder Schellackaufnahmen auftauchen - er arrangiert die Stücke. Er weiß, wie ein Saxophonsatz in welcher Tonart auch immer klingen muss.

1930 komponiert Walter Jurmann das Lied „Veronika, der Lenz ist da”. Zwei Jahre zuvor gründeten sich in Berlin die „Comedian Harmonists”. Sie machen das Stück populär. Dann passiert mit dem Ohrwurm ganz lange nichts.

Verschlungene Wege

In der Firma Conn wird 1936 ein Tenorsaxophon hergestellt. Es wird auf verschlungenen Wegen in die Hände von Bernd Frank gelangen. 70 Jahre später wird er es im Palastorchester spielen und sagen, so ein altes Instrument klinge doch viel wärmer als ein neues.

1962 wird dann Max Raabe geboren. 1972 stöbert Raabe im Plattenschrank seiner Eltern und entdeckt seine erste Schellackplatte. Er erinnert sich, dass es ein lustiger, schneller Foxtrott gewesen sei, der zugleich etwas Trauriges gehabt habe. Er hieß: „Ich bin verrückt nach Hilde”.

1986 kommen einige Kommilitonen der Hochschule der Künste auf die Idee, mit einem Orchester den strengen, schlichten Klang der Zwanziger wiederzubeleben. Schon ein Jahr später folgt der erste Auftritt im Berliner Theaterball. 1988 nimmt Raabe mit dem Palast-Orchester die erste Platte auf. Sie heißt „Die Männer sind schon die Liebe wert”. 1990 erscheint das zweite Album „Kleines Fräulein, einen Augenblick”, 1991 kommt die Langspielplatte „Ich hör so gern Musik” auf den Markt. 17 weitere Veröffentlichungen folgen. 1992 schreibt und komponiert er das Lied „Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich.” Es wird ein Hit.

1995 schließt Max Raabe sein Studium ab. Zum Diplom kommt im gleichen Jahr noch ein musikalischer Ritterschlag: Hildegard Knef nimmt mit Max Raabe und dem Palast-Orchester das Stück „Jene irritierte Auster” auf. Für die Arrangements und die musikalische Leitung ist wieder Günther Gürsch zuständig.

Zahlreiche Preise

Nach zahlreichen Preisen und Tourneen folgen 2005 zwei Auszeichnungen in kurzer Folge: Max Raabe erhält den Paul-Lincke-Ring der Stadt Goslar und das Orchester spielt in der New Yorker Carnegie Hall. Die New York Times schwärmt „A Bygone Era Evoked” und Max Raabe bilanziert: „Dass wir so euphorisch aufgenommen werden würden, hätte ich nie gedacht. Es gab Standing Ovations und wir spielten drei Zugaben. Das ist dort eigentlich total unüblich. Wir sind uns nach dem Konzert hinter Bühne wie Fußballer nach dem Gewinn der WM um den Hals gefallen.”

Im Mai 2006 wagen sich Max Raabe und das Palast-Orchester richtig weit weg: auf eine dreiwöchige Tournee durch Japan und China. Die Carnegie Hall lädt Max Raabe und das Palast-Orchester für ein weiteres Konzert im November 2007 ein. Das neue Konzertprogramm „Heute Nacht oder nie” feiert seine Welturaufführung am 30. Oktober in Los Angeles.

Am 10. April 2008 findet im Berliner Admiralspalast die Deutschland-Premiere des neuen Konzertprogramms. Walter Jurmanns Lied „Veronika der Lenz ist da” ist immer noch eines der beliebtesten Stücke im Programm. Bernd Frank erfreut sich am Klang seines alten Tenorsaxophons. Und auch Günter Gürsch schreibt weiter seine Arrangements fürs Palast Orchester. Es bleibt also alles beim Alten.

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