Golzheim: Martin Seraphin erschafft Traumwelten

Golzheim: Martin Seraphin erschafft Traumwelten

Vielen Fotografen geht es darum, in ihren Bildern die Wirklichkeit abzubilden. Das Leben so zu zeigen, wie es ist. Für Martin Seraphin, Hobbyfotograf aus der Gemeinde Merzenich, ist die Fotografie jedoch nur die Basis für ein Bild, in dem er sich die Welt nach seinen Vorstellungen schafft.

Störende Elemente werden mit einigen Mausklicks entfernt, Kontraste verstärkt, das Bild gestaltet und komponiert. „Ich möchte Bilder mit Wow-Effekt erzielen. Bilder, die sonst keiner hat, weil sie aus der Realität, meinen Gedanken und am Computer entstehen“, beschreibt Martin Seraphin. Er kreiert Bilder, die in seinen Augen „besser als die Wirklichkeit“ sind und schafft Fantasiewelten mit besonderem Licht.

Wohl wissend, dass es in der Fotografen-Szene sehr gegensätzliche Meinungen gibt, fasziniert es ihn, wie man aus einer mittelmäßigen Fotografie am Rechner ein gutes Bild machen kann. Bildbearbeitung ist für ihn eine Kunstform. Es nimmt kaum Wunder, dass der gelernte IT-Systemkaufmann auch gerne malt.

Für den 49-Jährigen sind die Fotografie und die digitale Gestaltung seiner Bilder aber noch mehr als eine Kunstform. Sie sind für ihn auch eine Art Therapie. Martin Seraphin war alkoholabhängig. Seine Sucht hat er überwunden. „Und die Fotografie war meine begleitende Therapie.“

Das Spiel mit Licht und Schatten, mit Farben und Kontrasten hat ihn in denn Bann gezogen. Martin Seraphin spricht offen über seine Vergangenheit. „Vielleicht macht das anderen Menschen Mut“, sagt er. „Der Weg aus der Sucht ist kein leichter. Aber es lohnt sich, diesen Weg zu gehen.“

Das Bild, mit dem Martin Seraphin bei der Rheinischen Landesmeisterschaft unter 158 Teilnehmern den 13. Platz holte, ist für ihn von besonderer Bedeutung: Es zeigt eine Gasse zwischen Häusern, die für den Fotografen den Weg aus der Sucht symbolisiert (kleines Foto rechts). Bei Facebook ist jedes „Gefällt mir“ ein wichtiges „Schulterklopfen“. Seine Bilder vom Pfingstunwetter wurden unzählige Male geteilt.

Stundenlanges Gestalten

Für seine „Composings“, also seine Bildkollagen wie sie im großen Foto zu sehen sind, benötigt Martin Seraphin viel Zeit: Zwölf bis 15 Stunden verbringt er für ein wettbewerbsfähiges Composing am Rechner.

„Es ist faszinierend, wie man Motive aus Bildern herausnehmen und sie dann in anderen Kontexten wieder einsetzen kann“, beschreibt der Hobbyfotograf, der bei schlechtem Wetter in der Wohnung kleine „Wunschwelten“ als Fotomotive baut. Neuerdings hat er aber auch die Streetfotografie entdeckt. „Mich faszinieren so viele Bereiche der Fotografie, dass ich mich nicht auf einen festlegen möchte“, sagt der gebürtige Düsseldorfer.

Sein großes Ziel ist ein europäischer Titel. Darauf arbeitet er mit Wettbewerbsteilnahmen hin. Beigebracht hat sich Martin Seraphin die Fotografie und die Bearbeitung der Bilder selbst. Er hat an Kursen teilgenommen und ein bisschen Fotografie wurde ihm sogar in die Wiege gelegt: „Mein Großvater mütterlicherseits war Fotograf“, erinnert sich Martin Seraphin. An Photoshop und digitale Bildbearbeitung war in dieser Generation aber nicht zu denken.

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