Kreis Düren: Manche ehemalige Schlecker-Filialen werden zu Ladenhütern

Kreis Düren: Manche ehemalige Schlecker-Filialen werden zu Ladenhütern

Die Zeit der Drogerie-Kette Schlecker ist vorbei — und doch sind die Filialen noch immer sehr präsent. Nur für etwas mehr als die Hälfte der Geschäfte in Düren und dem Südkreis haben die Eigentümer nach dem Rückzug des einstigen Mieters neue Nutzer gefunden.

An anderen Orten bestimmen heruntergelassene Jalousien und „Zu vermieten“-Schilder das Bild. Die Ladenlokale stehen leer. Noch immer.

Für das Ladenlokal an der Hauptstraße in Kreuzau ist zum Beispiel noch kein Nachfolger gefunden. 27 Jahre war Schlecker dort ansässig. „Die 350 Quadratmeter sind für manche Geschäfte oder Ketten zu klein und für die anderen zu groß“, beschreibt Klaus Windelschmidt die Herausforderung, das Ladenlokal wieder mit Leben zu füllen.

Ein ähnliches Bild bietet sich in Heimbach. Die Stadt hat sich als Vermittler um eine Nachfolgenutzung bemüht — bisher vergeblich. Andere Drogerien hätten sich aufgrund der Einwohnerzahl und der Ausstattung der Nachbarkommunen nicht für Heimbach entschieden, sagt Hans-Peter Boje. Gleichwohl bleibt die Verwaltung zuversichtlich. Sie rechnet vor allem damit, dass Heimbach attraktiver wird, wenn das Feriendorf in vollem Betrieb ist und damit mehr Menschen die Stadt besuchen.

„Auch wir tun uns schwer“, sagt Peter Harzheim, der Bürgermeister von Merzenich. Im Zentralort liegt das Schlecker-Gebäude brach. „Die Fläche ist eigentlich optimal, aber der Anlieferverkehr ist wegen der Durchfahrt ein Problem“, beschreibt Harzheim. Die Verfasser eines Einzelhandelskonzeptes für Merzenich sprechen sogar davon, dass der Leerstand im Zentrum eine „Abwärtsspirale“ in Gang setzen könnte.

Nach Angaben des Bürgermeisters führt die Gemeinde weiterhin Gespräche mit Drogerien. Auch das „Gürzenicher-Modell“ findet Harzheim interessant. In Gürzenich hat Petra Eisfeld, einer der „Schlecker-Frauen“ in der ehemaligen Filiale ihre eigene Drogerie eröffnet.

Kunst statt Kosmetik

Heruntergelassene Jalousien bestimmen in Arnoldsweiler das Bild über den blauen Fliesen. Auch das Ladenlokal an vermeintlich guter Lage, dem Markt in der Dürener Stadtmitte, hat noch keinen neuen Mieter. Ebenso stehen die Filialen an der Rölsdorfer Straße in Lendersdorf und an der Schulstraße im Dürener Norden noch leer. In Vettweiß schloss die Schlecker-Filiale bereits im November 2011 und noch immer gibt es keinen Nutzer.

Es gibt aber auch Ladenlokale, die wieder mit Leben gefüllt sind — und die neuen Mieter haben in den alten Räumen sehr unterschiedliche Ideen verwirklicht: In Nideggen gibt es statt Shampoo-Flaschen und Duftwässerchen seit April Kunsthandwerk zu sehen. Hanna Küpper hat dort eine Galerie für angewandte Kunst eröffnet. Aber Schlecker ist noch allgegenwärtig. Der Fußboden, die Neonröhren und das Mobiliar sind geblieben. „Die variablen weißen Regale sind für mich bestens geeignet und an den Haken, an denen früher Werbetafeln hingen, hängen heute Mobiles“, sagt Hanna Küpper. Auch Büromöbel waren stehengeblieben und werden jetzt wieder genutzt. Und wenn Nideggener vorbeikommen, ist der Schlecker-Markt, den es jetzt nicht mehr gibt, häufig Gesprächsthema.

In Kleinhau hat ein Zahnartz die ehemalige Schlecker-Filiale zu einer Praxis umgebaut, in Langerwehe nutzt ein Physiotherapeut die Räume, in Merken ist ein Fahrradgeschäft expandiert. In Nörvenich hat ein Ofen- und Heizungshaus sein Ladenlokal gefunden und in Schmidt hat die Caritas die Räume bezogen. An der Nordstraße in Birkesdorf hat sich ein Euro-Discount angesiedelt, an der Tivolistraße nutzt ein Druck-Service die Räume. An der Gneisenaustraße im Dürener Osten hat sich ein Supermarkt angesiedelt und An Gut Nazareth in Mariaweiler ist aus der Drogerie ein Geschäft für Dekorationsartikel geworden.

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