Düren: „Lotta Wundertüte“: Leben mit einem behinderten Kind

Düren: „Lotta Wundertüte“: Leben mit einem behinderten Kind

„Passt Lotta in mein Leben? Habe ich noch ein Leben? Hat sie eins? Alle paar Monate liegt Lotta in Vollnarkose auf dem OP-Tisch, und in der Zeit dazwischen sitzen wir in Therapie.“ Das Leben von Sandra Roth ist voller Fragen, seit ihr Kind Lotta mit einer Gefäßfehlbildung geboren wurde.

In ihrem Buch „Lotta Wundertüte“ hat die Kölner Journalistin die ersten drei Lebens-jahre mit Lotta beschrieben und dabei viel in Frage gestellt. Jetzt liest Sandra Roth aus diesem Buch im Rahmen des 6. Lila Salongesprächs in Düren.

„Es ist ein bewegendes Buch“, sagt Frauenbeauftragte Gilla Knorr, „in dem die Autorin immer wieder hinterfragt, wie sie selber mit der Situation umgeht, aber auch wie die Umwelt darauf reagiert.“

„Es gibt die Rätsel-Löser, immer noch: Ist dieses Kind jetzt...? Oder ist es nicht...?“, beschreibt Sandra Roth eine der typischen Reaktionen auf ihre Tochter Lotta in der Öffentlichkeit. „Sie starren. Sie schauen. Sie rätseln... Was hat das Kind denn? Ganz normal ist das aber nicht, oder? ... Je älter Lotta wird, desto leichter wird es, das Rätsel zu lösen. Irgendwann ist auf den ersten Blick alles klar. Menschen beginnen, über sie hinwegzuschauen. Ihre Augen gleiten über mein schönes, kleines Mädchen, als gäbe es sie gar nicht. Als Lotta zwei wird, ist sie für viele bereits unsichtbar.“ „Im Grunde ist es ein gesellschaftspolitisches Buch“, betont Gilla Knorr. „Der Spruch ‚Das Private ist politisch‘ trifft hier voll und ganz zu.“

Sandra Roth ist es gelungen, unsentimental aber bewegend, die Erfahrungen und Ängste, aber auch die Freuden und Hoffnungen einer Familie mit einem behinderten Kind, zu schildern und aufrüttelnde Fragen zu stellen, ohne anzuklagen. „Lotta Wundertüte“ macht Mut, sich mit dem aktuellen Thema Inklusion auseinanderzusetzen.

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