"Listening Projekt" in Düren: In einem Wohnwagen zuhören

Einfach mal Zuhören : Im Wohnwagen über Konfliktthemen diskutieren

Ein Wohnwagen, von innen hell ausgeleuchtet und ganz in weiß, steht auf dem Platz vor der Christuskirche. Eine Seitenwand besteht nur aus einer Scheibe, man kann hereinblicken. Dort auf locker arrangierten Stühlen sitzen Menschen und reden. Hören kann man sie von außen nicht. Neben dem Wohnwagen das erklärende Schild: „Düren redet“ und „Listening Projekt“ heißt es da.

Das außergewöhnliche Fahrzeug gehört dem Hamburger Künstler Rudolf Giesselmann, der ihn zunächst als reines Kunstwerk präsentiert hat. Als sich der Konflikt um den Hambacher Forst zuspitzte, nutzte er ihn dann auch erstmals in einem politischen Kontext. Das „Listening Projekt“ stellt die Frage: Was passiert, wenn man über etwas spricht und dabei dem Zuhören einen großen Raum gibt? Nach festgelegten Spielregeln treffen sich im inneren verschiedene Personen und sprechen über beliebige Themen, die ihnen am Herzen liegen. In Buir trafen sich schon Braunkohlegegner und Arbeiter aus dem Sektor auf den weißen Stühlen und hörten einander zu.

Wichtig dabei: Jeder schreibt am Anfang verdeckt ein Thema oder eine Frage auf. Diese liest er dann vor, darf aber noch nicht dazu Stellung nehmen. Und auch bevor die anderen Gäste im Wohnwagen ihre Assoziationen oder Ansichten zu dem ausgewählten Themen mitteilen, muss zunächst 30 Sekunden lang inne gehalten werden. Danach ist jeder in einem zeitlich begrenzten Rahmen an der Reihe, der Themengeber aber immer als letztes. Das soll das Zuhören fördern und Übereinander- und Kleinreden verhindern.

Martin Gaevert, Pfarrer bei der Evangelischen Gemeinde zu Düren, ist durch Zufall auf das Projekt aufmerksam geworden. Als der Wohnwagen in Buir stand, entdeckte er ihn und war von der Idee sofort begeistert. „Als wir in Bezug auf den Hambacher Forst Stellung bezogen haben und auch an einer Sitzblockade teilgenommen haben, ist uns aufgefallen, dass wir plötzlich mit Vertretern der ‚Gegenseite‘ gar nicht mehr ins Gespräch kommen konnten“, erinnert sich Martin Gaevert. „Bei diesem Projekt können Menschen verschiedenster Ansichten über die Themen sprechen, die sie bewegen, aber ohne bereits im Vorfeld stigmatisiert oder übergangen zu werden, da man den eigenen Standpunkt ja erst ganz am Ende verrät.“

Bei der Evangelischen Gemeinde hat man schon einmal probegesessen und positive Erfahrungen zu berichten: „Wir kennen uns ja alle gut und sprechen tagtäglich miteinander“, erzählt Pfarrerin Simone Stolte-Lehnert. „Aber durch diese spielerische Herangehensweise mit den festen Regeln, haben wir selbst in unserem Kreis neue Facetten entdeckt.“ In erster Linie sollen sich aber Fremde, vielleicht aus ganz anderen politischen Richtungen oder privaten Umständen, gegenseitig Zuhören.

Auch Bürgermeister Paul Larue ließ sich von dem Projekt überzeugen und übernahm die Schirmherrschaft für „Düren redet“. Er selbst, sowie Kollegen aus dem Rathaus, haben sich bereits für einen Platz im Wohnwagen angemeldet. Wer auch Interesse hat auf diese Weise einmal gezielt zuzuhören und vielleicht seinen eigenen Horizont ein wenig zu erweitern kann Online einen Termin buchen. Die Aktion wird vom 4. bis zum 10. Februar laufen, aber auch danach soll sie in anderen Räumen weitergeführt werden.

Mehr Informationen und Buchung unter 0176/81140127, sowie unter 0177/7526990 und über dueren-redet@artinprogress.info. Mehr: www.artinprogress.info.

(kim)