Düren: Lesermeinung: Das lange Warten auf die Ostumgehung

Düren: Lesermeinung: Das lange Warten auf die Ostumgehung

Niemand möchte für einen Narren gehalten werden. Narren genießen schlicht nicht mehr das Ansehen, das sie noch am mittelalterlichen Hof genossen haben. Der Narr war es, der den Herrschenden den Spiegel vorhalten konnte. Weil er ein Narr war, durfte er ungestraft sagen, was Sache war.

Wie ich auf dieses Thema komme, fragen Sie sich? Ganz einfach: Es geht um den Bau der Dürener Ostumgehung und die Verkehrsprobleme der Kreisstadt.

Es verwundert kaum, dass es die anarchistische Kabarett-Truppe der Dürener „Skunk KG” war, die in einer Karnevalsrevue das strittige Thema aufgegriffen hat. Die Kabarettisten rissen demonstrativ die überall in der Stadt hängenden
„B 56n sofort!”-Schilder ab, beendeten den Protest, entzogen den Politikern die Möglichkeit, sich in weiteren Statements für den Bau der Umgehung einzusetzen - und griffen selbst zu schwerem Gerät. Dass sie es trotz ihres unkonventionellen Engagements nur geschafft haben, einen Feldweg als Ostumgehung zu deklarieren, ist Narretei vom Feinsten: Vielleicht wird es nie eine Ostumgehung geben, wollen uns die Skunks sagen. Was, wenn sie Recht haben?

Zusagen, sich des Themas Verkehrssituation in Düren anzunehmen, gibt es mittlerweile von allen Politikern, die auf Landes- und Bundesebene etwas zu sagen haben. Doch wie weit reicht der Arm der Beteiligten? Der Bund hat schließlich jüngst die ohnehin nicht üppigen Mittel für den Straßenbau umgeschichtet. „Erhalt statt Neubau” lautet die Devise. Mit Blick auf die Substanz vieler Straßen ist dies dringend notwendig. Nicht nur die vergangenen zwei härteren Winter haben auch in unserer Region Spuren hinterlassen. Geld für Straßenbau und Sanierung fehlt ganz offensichtlich nicht nur dem Bund: Auch die Länder und Kommunen können ein Lied davon singen. Egal, ob Ostumgehung oder drittes Gleis: Die Notwendigkeit dieser Projekte stellt kaum jemand in Frage. Nur weiß niemand genau, wer im Fall einer Baugenehmigung die Rechnung bezahlen soll. Führen wir also eine Scheindiskussion? Was denken Sie, liebe Leser?

Den gelben Plakaten im Stadtgebiet zeigt unser Leser Karl-Heinz Jansen die Rote Karte: „Für die Aktion ?Ortsumgehung jetzt fehlt mir jedes Verständnis”, schreibt er unter www.duerener-meinung.de. „Sicherlich braucht Düren seit 40 Jahren eine Ortsumgehung. Da wurde in der Politik und Verwaltung viel verschlafen. Jetzt mit Plakaten, die keiner vom Bund je lesen wird, Druck ausüben zu wollen, ist a) zu spät und b) nutzlos. Sowas muss auf politischem Weg geregelt werden.” In diese Kerbe schlägt Karl-Heinz Bardenheuer: „Es ist ein Witz, dass unsere Politiker 40 Jahre brauchen, um eine Umgehung für die geplagten Anlieger von Euskirchener Straße und Schoellerstraße auf den Weg zu bringen. Und wahrscheinlich wird es nochmal 40 Jahre dauern”, wagt er eine nicht ganz so optimistische Prognose. Peter Viehöver schlägt vor, auf die B 56n zu verzichten. Mit Ortsumgehungen in Frauwüllesheim und Kelz könne der Verkehr von der A 44 bei Mersch bis Euskirchen fließen, ohne Düren zu durchqueren. Wer weiß, ob damit nicht auch die Feinstaubproblematik gelöst wäre? Auf offizieller Seite hüllen sich die Planer dazu eher in Schweigen.

Was glauben Sie? Fehlt es an Alternativen zur Verkehrsführung mitten durch die Stadt? Würde eine Umweltzone Entlastung bringen? Wagen wir kurz noch einen Blick auf den geplanten Abriss der Brücke an der Schoellerstraße im Jahr 2014. „Wenn ich lese, dass die Bauzeit etwa zwei Jahre dauert, sträuben sich mir die Haare”, schreibt Horst Bergheim im Leser-Forum. „Das muss und kann schneller gehen. Die Öresundbrücke ist 16 Kilometer lang und hat vier Fahrspuren, zwei Zuggleise, eine neue Insel und einen Tunnel bekommen. Und das in nur fünf Jahren Bauzeit! Warum muss ein 100 Meter langer Brückenbau in Düren zwei Jahre dauern?”, fragt er. Welche Frage beschäftigt Sie?

Sagen Sie uns Ihre Meinung:
www.duerener-meinung.de

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