Düren: Leichtverpackungsmüll: Das Plastik-Problem, das alle betrifft

Düren: Leichtverpackungsmüll: Das Plastik-Problem, das alle betrifft

Ganz egal, in welchen Supermarkt in Düren man schaut, der Großteil der Lebensmittel ist in Plastik verpackt, auch Lebensmittel wie Nudeln oder Brot, die auch mit einem Pappkarton auskommen würden.

Sogar Obst und Gemüse, das keine Verpackung benötigt, ist oft von viel Folie umhüllt. Wenn die Ware den Supermarkt verlassen hat, dauert es meist nicht lange, bis die Verpackung im Müll landet. Im Gelben Sack und in der Gelben Tonne wird jeglicher Leichtverpackungsmüll gesammelt.

Dazu zählen neben dem am stärksten vertretenen Plastik auch Aluminium, Weißblech und Verbund-Verpackungen, wie zum Beispiel Tetra Packs. Betrachtet man die vergangenen vier Jahre, ist der Leichtverpackungsmüll im Kreis Düren um fast sieben Kilogramm pro Einwohner gestiegen. Das macht einen Unterschied von rund 1500 Tonnen — ein beachtliches Gewicht bei so leichten Materialien.

Im Südkreis ist der Leichtverpackungsabfall am stärksten in der Stadt Düren angestiegen: Von 2013 bis 2016 sind acht Kilogramm pro Einwohner hinzugekommen. Mit 42 Kilo pro Einwohner aber liegt die Stadt Düren weiterhin im unteren Drittel. Weit über dem Durchschnitt liegt dagegen Nörvenich. Hier wurde 2016 pro Kopf am meisten Leichtverpackungsmüll weggeworfen. Insgesamt sind das für die 10.552 Einwohner große Kommune 594 Tonnen und damit rund 50 Tonnen mehr als in der größeren Gemeinde Langerwehe (13.791 Einwohner).

Der Leichtverpackungsmüll in Langerwehe wurde in den vergangen vier Jahren um zehn Kilogramm pro Einwohner reduziert. 2016 war diese Kommune die einzige, die die 40-Kilogramm-Marke unterbot. Auch beim Blick auf die Restmüllbilanz schnitt Langerwehe 2015 besser als die meisten anderen Kommunen ab.

Doch hilft das fleißige Trennen von Abfällen auch? Was den Plastikmüll betrifft, sollten mindestens 36 Prozent der Verpackungen recycelt werden — so schreibt es die bundesweite Verpackungsverordnung vor. Es wird also nur ein geringer Teil wiederverwertet und selbst das gestaltet sich in der Realität schwierig, sagt Michael Uhr, Pressesprecher der AWA-Entsorgung: „Der Großteil des Plastikmülls wird nicht recycelt, da es günstiger ist, ihn zu verbrennen als ihn zu sortieren.“

Denn das Recycling ist oftmals mit hohem Aufwand verbunden. Das liegt vor allem an der Gestaltung der Verpackungen. Zum Beispiel müssen bedruckte Plastikteile zunächst gereinigt werden. Deutlich recyclingfreundlicher ist die Etikettierung mit Papierbanderolen, die sich vom unbedruckten Produkt trennen lassen.

Michael Uhr fordert von Unternehmen mehr Verantwortung bei der Wahl der Verpackung. „Wir brauchen langlebigere Produkte.“ Zum Beispiel Mehrwegflaschen aus Glas können bis zu 50 Mal wiederverwendet werden. Ist der Transportweg aber lang: „Dann ist das geringere Gewicht von Kunststoff und zum Beispiel bei Tetrapaks auch die ökonomische Ausnutzung der Lkw-Ladefläche umweltfreundlicher als Glas“, sagt Nicole Jäger vom Dürener Service Betrieb (DSB). Kommt das Getränk aber aus der Region Dürens, ist nur noch Leitungswasser ökologischer.

Doch Verbraucher können noch mehr tun. „Grundsätzlich gilt immer der Vermeidungsgedanke. Also je weniger Verpackung desto besser“, sagt Jäger. Die Abfallberaterin rät, Obst und Gemüse lose einzukaufen. Außerdem sei es immer besser, mehrfach verwendbare Einkaufstaschen zu benutzen.

Die sind langfristig auch günstiger als Plastiktüten, für die viele Supermärkte mittlerweile 20 Cent verlangen. Ralf Kreischer vom Umweltamt des Kreises Düren befürwortet Ansätze wie diese, aber: „Das sind freiwillige Selbstverpflichtungen der Unternehmen. Wir brauchen eine gesetzliche Regelung.“ Denn auf lange Sicht bleibt nicht recycelbares Plastik umweltunfreundlich: Für die Herstellung wird nämlich Erdöl benötigt, eine begrenzt verfügbare Ressource.

Gefährlich wird Plastik, wenn es in die Umwelt gerät. „Es verschandelt nicht nur die Natur, sondern ist auch eine Gefahr für Tiere, die es fressen“, sagt Kreischer. Auch im Kreis Düren gibt es kritische Stellen.

Um das Bewusstsein der Bürger zu schärfen, werden jährlich Wildmüll-Sammelaktionen wie der „Dürener Frühjahrsputz“ veranstaltet: Rund 1000 Teilnehmer, auch aus Schulen und Vereinen, sammeln dabei bis zu vier Tonnen wilden Müll ein. Auch Aktionen, wie der Taschen-Tüten-Tausch-Tag oder die Brotdosenaktion, sind im vergangenen Jahr gut im Kreis Düren angekommen.

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