Fast fünf Jahre Haft für 50-fachen Missbrauch in Langerwehe

Urteil am Landgericht Aachen : Fast fünf Jahre Haft für 50-fachen Missbrauch der Stieftochter

Mit einer Haftstrafe in der Tasche verließ der Angeklagte Achim K. (47) am Freitag den Saal der 5. Großen Strafkammer am Landgericht. Er hatte die Tochter seiner Freundin rund 50 Mal sexuell missbraucht.

Der Vorsitzende der Kammer, Richter Florian Handke, erklärte in der Urteilsbegründung, warum das Gericht für die rund 50 Taten von schwerem sexuellen Missbrauch an der jüngsten Tochter seiner Lebensgefährtin eine Haftstrafe von vier Jahren und acht Monaten für angemessen gehalten hatte.

Richter Handke lobte ausdrücklich die konstante und von Belastungstendenzen gegenüber dem Angeklagten freie Zeugenaussage des Opfers. Das Mädchen war zu Beginn der Taten Ende 2013 erst acht Jahre alt. Die Taten im Haus der Familie in Langerwehe erfolgten über einen Zeitraum von mehr als vier Jahren bis September 2018. Nach einem Urlaub, in dem es zu Streitereien zwischen den Kindern und dem Stiefvater gekommen sein soll, offenbarte sich laut Aussage des Gerichts das Mädchen ihrer älteren Schwester.

Die schaltete wiederum die Mutter ein, die mit den Vorwürfen zur Polizei ging. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe der heute 14-Jährigen zurückgewiesen. Es sei höchstens, zitierte das Gericht die Einlassung des Angeklagten, zu „zufälligen Berührungen“ gekommen. Aus diesem Grund lag für die Kammer kein Geständnis vor, das die Richter womöglich strafmildernd hätten berücksichtigen können.

Keine „zufälligen Berührungen“

Zufällige Berührungen, das sei keineswegs der Vorwurf, wies die Kammer die Einlassung zurück. Im Gegenteil sei man sicher, dass der Angeklagte die jüngste Tochter seiner Lebensgefährtin – im Haushalt leben noch zwei weitere Töchter und ein Sohn – mindestens 50 Mal am Körper in sexueller Absicht angefasst hatte. In der Anklage war noch von 99 Taten über vier Jahre lang die Rede, einige Anschuldigungen wurden jedoch fallengelassen. Am schwerwiegendsten bewertete das Gericht zweifellos „den Fall 99“ der Anklage, in dem es um den Vorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs und dem der Vergewaltigung des Opfers ging. Als das Mädchen sich gewehrt habe, habe Achim K. mit Gewalt dafür gesorgt, dass das Opfer stillhält. Deshalb verurteilte die Kammer den Angeklagten nicht nur wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen, sondern strafverschärfend ebenso wegen Vergewaltigung.

Nichtöffentliche Verhandlung

Die Staatsanwaltschaft hatte für diese Taten fünf Jahre Haft gefordert, der Nebenklagevertreter Anwalt Georg Jacquemain hatte sogar sechs Jahre beantragt. Große Teile des Prozesses waren wegen der Details in nichtöffentlicher Sitzung verhandelt worden. Das dient dem Schutz des noch nicht volljährigen Opfers.

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