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Gut Merberich: Ein Haus, das wie eine Umarmung ist

Gut Merberich : Ein Haus, das wie eine Umarmung ist

Es sind vielleicht diese drei Sätze, die am besten verdeutlichen, warum Dr. Peter Wüllenweber und Gut Merberich einfach zusammengehören „Ich habe schon mit zwölf Jahren in kindlichem Überschwang gesagt, dass ich einmal dort wohnen möchte. Dieses Haus ist für mich wie eine Umarmung. Ich komme hin und fühle mich geborgen.“

Dass Wüllenweber das historische Gutshaus vor 17 Jahren wirklich erwerben konnte, war ein Zufall, ein sehr glücklicher Zufall, möchte man sagen. „Ich bin in Weisweiler groß geworden und mit meiner Mutter häufig zum Enten füttern nach Merberich gekommen. Und wir sind mit unseren Hunden dort hin zum Tierarzt gegangen. Für mich war das immer ein wunderschönes, verwunschenes altes Haus mit einer ganz besonderen Aura. Und das ist es noch heute.“

 Dr. Peter Wüllenweber ist Vater zweier Töchter. Er hat Gut Merberich im Jahr 2003 gekauft und seitdem liebevoll saniert und restauriert. Der Kieferorthopäde ist seit seinem 12. Lebensjahr Vegetarier. Im vergangenen Jahr hat er den gemeinnützigen Verein „Natur und Kultur Langerwehe“ gegründet. Die Gründung einer Stiftung, die helfen soll, Gut Merberich auch in Zukunft zu erhalten, ist in Planung.
Dr. Peter Wüllenweber ist Vater zweier Töchter. Er hat Gut Merberich im Jahr 2003 gekauft und seitdem liebevoll saniert und restauriert. Der Kieferorthopäde ist seit seinem 12. Lebensjahr Vegetarier. Im vergangenen Jahr hat er den gemeinnützigen Verein „Natur und Kultur Langerwehe“ gegründet. Die Gründung einer Stiftung, die helfen soll, Gut Merberich auch in Zukunft zu erhalten, ist in Planung. Foto: MHA/Sandra Kinkel

Als Peter Wüllenweber den historischen Gutshof gekauft hat, war Merberich nicht mehr als eine total heruntergekommene Ruine. Heute, 17 Jahre später, ist es ein echtes Schmuckstück. Aber nicht nur, weil der neue Gutsherr das Anwesen im Stil des frühen 20. Jahrhunderts wieder hergerichtet hat, sondern auch, weil er die 33 Hektar Land, die zu dem Anwesen gehören, zu einer echten Wohlfühl-Oase gestaltet hat, die größtenteils jederzeit für die Öffentlichkeit zugänglich ist – mit Feuchtbiotopen, Streuobst- und Kräuterwiesen sowie wunderschönen Alleen. Nur, um einmal die Dimension zu verdeutlichen: In den vergangenen 15 Jahren hat Peter Wüllenweber rund um Gut Merberich mehr als 1000 Obstbäume gepflanzt. Der 52-Jährige verzichtet auf seinem Anwesen komplett auf Düngemittel. Er gibt Eseln, Pferden, Gänsen, Ponys, Hunden und Katzen ein Zuhause. 50 Hühner aus Legebatterien genießen auf Gut Merberich in einem Hühnerhaus ihren Lebensabend, ganz ohne Quälerei, im Gegenteil mit allerbesten Bedingungen.

 Zu Gut Merberich gehört auch eine Kapelle, die im 17. Jahrhundert von Dietrich von Leers, einem direkten Vorfahr von Peter Wüllenweber, auf dem Fundament einer römischen Kultstätte erbaut wurde. 1890 gelangte die katholische Kapelle in den Besitz der protestantischen Familie Hasenclever/Prym. 1960 verließ die verwitwete Irma Prym Merberich und verkaufte das Gut an Rheinbraun. Sie schenkte die Kapelle der katholischen Kirchengemeinde Langerwehe.
Zu Gut Merberich gehört auch eine Kapelle, die im 17. Jahrhundert von Dietrich von Leers, einem direkten Vorfahr von Peter Wüllenweber, auf dem Fundament einer römischen Kultstätte erbaut wurde. 1890 gelangte die katholische Kapelle in den Besitz der protestantischen Familie Hasenclever/Prym. 1960 verließ die verwitwete Irma Prym Merberich und verkaufte das Gut an Rheinbraun. Sie schenkte die Kapelle der katholischen Kirchengemeinde Langerwehe. Foto: MHA/Sandra Kinkel

„Ich bin schon von Kindesbeinen an ein großer Tier- und Naturfreund“, sagt Wüllenweber. „Das ist einfach in mir drin.“ Kein Wunder also, dass es überall auf dem Gelände Totholzhaufen gibt, in denen Tiere sich im Winter verstecken können. Dass Bäche renaturiert wurden. Und dass die Wiesen nur einmal im Jahr gemäht werden, und zwar dann, wenn die Bodenbrüter mit ihrer Nachwuchspflege fertig ist. „Es geht mir nicht nur um domestizierte Tiere“, sagt Peter Wüllenweber. „Sondern auch um die, die hier wild leben. In unseren Biotopen gibt es beispielsweise Schlangen und Kröten.“ Gut Merberich sei ein Schatz für die Natur, seine Aufgabe sei es, diesen Schatz zu erhalten. „Ich betrachte Gut Merberich und seine Ländereien nicht als einen Besitz, auf den ich stolz sein muss“, sagt Wüllenweber. „Ich bin einer in einer Reihe von vielen, die die Verantwortung hatten beziehungsweise gerade haben, das Gut zu erhalten und weiterzuführen.“

 Dieser Eiskeller gehört ebenfalls zum Anwesen. Dort wurden früher große Eisblöcke gelagert, die fast ein Jahr gefroren blieben. Die Herrschaften des Gutes hatten mit Marmor auskleidete Schränke. Das Eis kühlte den Marmor, so blieben Lebensmittel länger frisch.
Dieser Eiskeller gehört ebenfalls zum Anwesen. Dort wurden früher große Eisblöcke gelagert, die fast ein Jahr gefroren blieben. Die Herrschaften des Gutes hatten mit Marmor auskleidete Schränke. Das Eis kühlte den Marmor, so blieben Lebensmittel länger frisch. Foto: MHA/Sandra Kinkel

Gut Merberich blickt auf eine lange und bewegte Geschichte. Bereits im siebten Jahrhundert nach Christus war das Anwesen eine römische Villa, im Mittelalter diente es als Rittersitz und im 16. Jahrhundert hat Dietrich Freiherr von Leers, Oberbürgermeister von Düren und kaiserlicher Notar, mit seiner Gemahlin, der Prinzessin von Bergheim, dort gewohnt. Schließlich war Gut Merberich Zehnthof von Kloster Wenau, bevor im Jahr 1890 der Aachener Kaufmann Edwin Hasenclever mit seiner Frau Irma Prym das Anwesen gekauft hat. Die Anlage wurde von 1911 bis 1912 von dem bekannten Münchner Architekten Emanuel von Seidl zu einem schlossartigen Landsitz umgestaltet und erweitert. Seidl errichtete für seine betuchten Kunden überwiegend großzügige Anlagen, aber auch ganze Schlösser. Merberich wurde im Stil englischer Landhäuser gebaut und auch der mehrere Hektar große parkartige Landschaftsgarten weist typische englische Merkmale auf. „Damals fand hier gesellschaftliches Leben statt“, erklärt Peter Wüllenweber. „Es gab mehrere solcher Landsitze auf dem Gebiet der Gemeinde Langerwehe.“ Damals, ergänzt der Gutsherr, der ein großer Kenner der Geschichte ist, sei es üblich gewesen, dass das gehobene Bürgertum Landvillen erworben habe. „Die Adelsfamilien waren damals sehr häufig in ihren alten Ritualen gefangen. „Und das Bürgertum wollte dem Adel zeigen, dass sie auch wer sind.“

Darüber hinaus sei Gut Merberich zu Beginn des 20. Jahrhunderts einer der größten Arbeitgeber im Ort gewesen. Peter Wüllenweber: „Ein Viertel aller Langerwehe haben auf diesem großen landwirtschaftlichen Betrieb gearbeitet.“ Bei der Restaurierung von Gut Merberich hat Peter Wüllenweber alte Fotos aus der Blütezeit des Gutes als Vorbild genommen. „Es gibt Fotos, die zeigen, dass alle Zufahrtswege zu Merberich damals Alleen waren. Das habe ich auch wieder so gemacht.“ Gut Merberich ist für Peter Wüllenweber eine echte Herzensangelegenheit. Eben so wie eine Umarmung, die er nicht nur empfängt, sondern auch gerne wieder zurückgibt.

 Das Gewächshaus ist erst vor kurzem fertig geworden. Wie bei allen anderen Restaurierungen hat Peter Wüllenweber auch hier darauf geachtet, es mit möglichst alten Materialien und nach historischem Vorbild wieder aufzubauen. Heute wie damals wird in dort Gemüse angebaut.
Das Gewächshaus ist erst vor kurzem fertig geworden. Wie bei allen anderen Restaurierungen hat Peter Wüllenweber auch hier darauf geachtet, es mit möglichst alten Materialien und nach historischem Vorbild wieder aufzubauen. Heute wie damals wird in dort Gemüse angebaut. Foto: MHA/Sandra Kinkel