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An der Europaschule Langerwehe fand das erste Lehrer-Digi-Camp statt

Workshop rund ums Thema Digitalisierung : Wenn die Lehrer wieder zu Schülern werden

Beim „Digi-Camp“ an der Europaschule Langerwehe bekamen circa 95 Lehrer ein Training rund um die Themen Sicherheit im Internet und Cybermobbing. Unter anderem lernten sie Apps kennen, die sie noch nicht kannten.

In einem Klassenzimmer der Europaschule Langerwehe sitzen ausnahmsweise nicht die Schüler auf den Plätzen, sondern die Lehrer. Vorne steht Tanja Ney und zeigt ihnen auf der Leinwand einen Zeitungsartikel mit der Überschrift: „Cybermobbing: 15-Jähriger bietet Mitschüler bei Ebay zum Verkauf an.“ Die Mental-Trainerin wartet zunächst die Reaktionen ab, sieht die ersten Schmunzler und stellt fest: „Mindestens ein Schmunzeln ruft dieser Artikel immer hervor – was zeigt, wie schnell wir solche Dinge verharmlosen.“

Der Kurs „Cybermobbing und digitale Dynamiken“ ist einer der Workshops, an dem rund 95 Lehrer der Gesamtschule in Langerwehe beim ersten „Lehrer-Digi-Camp“, bei dem es zu einem Rollentausch kam und die Lehrer zu Schülern wurden, teilnehmen. Aufgeteilt in sechs parallel laufenden Kursen widmeten sich die Pädagogen mit den Trainern den Themen digitales Lehren und Lernen, Sicherheit im Netz, Prävention vor digitalem Stress wegen sozialer Medien sowie dem Cybermobbing. In dem Kurs fragte Trainerin Ney die Teilnehmer nach ihrer Meinung zu dem Fall, bei dem ein Jugendlicher seinen Mitschüler zum Verkauf angeboten hatte. Die Antwort einer Lehrerin lautete: „Ich kann mir vorstellen, dass es als Witz gemeint war, um mit sowas vielleicht Likes auf Youtube zu bekommen.“ Sie ergänzte aber, dass der Schüler sich natürlich nichtsdestotrotz über strafrechtliche Konsequenzen im Klaren sein müsse.

Handlungsempfehlungen

Vor allem um mehr Achtsamkeit und Sensibilisierung ging es Ney in dem Workshop. Eine ihrer Handlungsempfehlungen an die Pädagogen lautete, mehr auf die Wortwahl und die Kommunikation der Schüler untereinander zu achten: „Wir verharmlosen Worte zu oft, beispielsweise wenn ein Schüler spaßeshalber zu seinem Freund ‚Du Opfer‘ sagt“, kritisierte die Mental-Trainerin. Sie gab den Lehrern außerdem den Rat, immer auf dem aktuellen Stand in Sachen Medien zu bleiben und sich über Trends in den sozialen Medien zu informieren, um diese anschließend in der Klasse zu thematisieren und mit den Schülern zu besprechen.

Darüber hinaus zeigte sie den Workshop-Teilnehmern die Erste-Hilfe-App bei Cyber-Mobbing, die zwei Schüler im Jahr 2015 entwickelt haben. In der App können sich von Mobbing Betroffene kostenfrei, schulunabhängig und anonym informieren. Es gibt Aufklär-Videos von jungen Menschen über das Thema, Hinweise auf rechtliche Hilfequellen und Tipps, was Betroffene gegen Mobbing tun und wie sie zum Beispiel Personen in sozialen Medien blockieren können. Auf Neys Frage hin, wer diese App kennt, meldete sich nur eine Lehrerin im Klassenraum.

Auch Stefan Hauck, Lehrer für Biologie und Chemie, kannte die App noch nicht: „Die Entwicklung ist so schnell, dass es schwierig ist, hinterherzukommen“, stellte der 48-Jährige fest und merkte an, dass jüngere Lehrer im digitalen Bereich diese Probleme aber eventuell schon nicht mehr haben. Die Lehrer seien sich zwar bewusst, was im Großen und Ganzen passiere, aber kein Mensch könne alles wissen. Und auch wenn ihm kein Fall von Cybermobbing an der Gesamtschule bekannt ist, findet er das Training sinnvoll: „Mit Cybermobbing beschäftige ich mich privat eher weniger – aber Schüler sind davon betroffen.“ Und auch er selbst könne schon morgen damit konfrontiert sein.