28. Frühjahrskonzert der Bläservereinigung Merode

Konzert : Meroder Variante der Sesamstraße

Verschiedenste Blasinstrumente vereinigten sich am Samstagabend unter dem Dach der Indener Bürgerhalle zu einer wunderbaren Harmonie.

Mit Stücken wie „Blue Ridge Saga“ von James Swearingen und „Bugler’s Holiday“ von Leroy Anderson begann das Hauptorchester der Blasvereinigung Merode den ersten Teil des Konzerts mit altbewährten Blasmusikstücken aus den 1950er Jahren. Mit dem bei Jung und Alt bekannten Sesamstraßenlied erreichte die musikalische Zeitreise bereits einen kleinen Höhepunkt. Die „Meroder Variante“ des 1973 zum ersten Mal aus deutschen Fernsehern vernommenen Ohrwurms brachte das Auditiorium zum Mitwippen und so mancher Zuhörer sprach womöglich die berühmten Worte „Wer, wie, was. Wieso, weshalb, warum“ leise zur Musik mit.

Eine Notwendigkeit, sich geräuscharm zu verhalten, bestand indes nicht. So kraftvoll kamen die Klänge von der Bühne, dass sich nur die taktgebenden Trommelschläge des Schlagzeugs dagegen behaupten konnten. Zuvor gab es leise Zweifel ob der genügenden Akustik in der Halle. Üblicherweise richtet der Verein sein Frühjahrskonzert in der Langerwehe Kulturhalle aus, welche jedoch seit Juli vergangenen Jahres geschlossen ist und abgerissen werden soll. Unter der Leitung des Dirigenten Benedikt Kölsch stellte dieser Ortswechsel für das rund 40-köpfige Hauptorchester allerdings keine Herausforderung dar.

Nachdem das Hauptorchester das Publikum atmosphärisch eingestimmt hatte, betraten der von der Dirigentin Simone König geleitete Instrumentalkreis und das Jugendorchester nacheinander die Bühne. Stücke aus der jüngeren Filmgeschichte mit hohem Wiedererkennungswert erklangen in der Halle. Eine Instrumentalversion von „My Heart Will Go On“ des 90er-Jahre-Kassenschlagers „Titanic" überzeugte ebenso wie ein Medley der bekanntesten Hits aus dem im Jahr 2014 erschienenen Science-Fiction-Films „Guardians of the Galaxy“.

Fans des Films „La La Land“ oder des ABBA-Musicals „Mamma Mia!“ kamen dank der gekonnten Darbietungen ebenfalls voll auf ihre Kosten. Zum Abschluss des ersten Konzertteils spielten Haupt- und Jugendorchester gemeinsam das epochale „Conquest of Paradise“ des Komponisten Vangelis, welches dieser 1992 für den gleichnamigen Film geschrieben hatte. Nach dem wohlverdienten Applaus und einer 20-minütigen Pause ging es mit dem Hauptorchester eher traditionell weiter. Mit Blasmärschen, Walzern und weiteren moderneren Stücken bewiesen die Musiker der Blasvereinigung an diesem Abend ihr breites Repertoire. Zum Abschluss der musikalischen Zeitreise gab es zur Erheiterung der in die Welt der Blasmusik weniger eingeweihten Gäste einen Querschnitt durch die Popmusik der 80er Jahre.

Für das Frühjahrskonzert proben die Mitglieder des Orchesters ab September, dem Beginn der neuen Saison. Die heiße Phase startet für den Musikverein allerdings ab Anfang Mai. „Im April können wir uns noch ein wenig ausruhen, aber bald ist Mai und da geht es richtig los“, erklärt Ursula Schober, die beim Verein für die Pressearbeit zuständig ist. Verschiedene Maifeste, Gemeindeveranstaltungen und kirchliche Ereignisse stehen dann im prallgefüllten Kalender. Die Auftritte gehen über den ganzen Sommer und führen das Orchester bis in die Eifel hinein. „Wir spielen auch im Jülicher Raum, beispielsweise beim Schützenfest in Lich-Steinstraß oder in Schophoven“, so Schober.

Die Bläservereinigung aus dem lauschigen Dorf Merode bei Langerwehe am Fuße der Eifel zeichne sich laut Schober durch einen hohen Zusammenhalt aus. „Viele Musiker, die das Orchester wegen Studium, Beruf oder Familiengründung verlassen, kommen später wieder. Der Verein bindet enorm“, erzählt Querflötistin Schober. „Unsere Musiker kommen aber nicht nur aus Merode. Besonders die Jugend kommt auch aus dem Umland wie Pier, Langerwehe und auch Weisweiler, ergänzt sie. Das mag am attraktiven Angebot des Vereins für Neueinsteiger liegen. Der von der Musikschule Langerwehe veranstaltete Instrumentalunterricht befähigt dank qualifizierter Lehrkräfte junge und erwachsene Schüler, bei entsprechender Motivation bereits nach einem Jahr im Instrumentalkreis und im Jugendorchester erste Erfahrungen auf der Bühne zu sammeln.

„Das geht schnell, denn man hat Anleitung von links und rechts. So lernt man das Zusammenspielen im gleichen Tempo“, sagt Schober. Für die anstehenden Aufgaben im Frühling und Sommer ist die Bläservereinigung 1974 Merode e.V. personell gut gerüstet.

(jad)
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