Langerwehe/Düren: Langerwehe setzt beim Gewerbegebiet auf neue Partner

Langerwehe/Düren: Langerwehe setzt beim Gewerbegebiet auf neue Partner

Der Rat der Gemeinde Langerwehe hat in nicht-öffentlicher Sitzung erwartungsgemäß den Plan begraben, zwischen A 4 und B 264 ein interkommunales Gewerbegebiet mit einer Fläche von bis zu 110 Hektar mit der Stadt Düren zu entwickeln.

Die Töpfergemeinde will jetzt mit ihrer eigenen Entwicklungsgesellschaft neue Partner finden, unter anderem mit RWE kooperieren. Die Entscheidung fiel einstimmig.

Langerwehe hätte über 90 Prozent der Fläche in das interkommunale Projekt eingebracht, die Stadt mit ihrer Wirtschaftsförderungsgesellschaft WIN.DN das Know-How der Vermarktung. Ein entsprechender Vertrag lag seit Monaten unterschriftsreif vor. Dürens CDU-Fraktionschef Stefan Weschke spricht mit Blick auf den Strukturwandel im Rheinischen Revier und die notwendige Schaffung von neuen Arbeitsplätzen von einer verpassten Chance, seien doch gerade erst positive Signale aus der Düsseldorfer Staatskanzlei gekommen, statt den ursprünglich von der Bezirkregierung zugestandenen 55 Hektar vom Ortsrand Langerwehe aus, jetzt doch bis zu 75 Hektar von der für ansiedlungswillige Unternehmen attraktiveren A4-Anschlussstelle Luchem aus zu genehmigen.

Dass der ursprüngliche Antrag, sich von Düren als Partner zu trennen, von Langerwehes SPD-Fraktionschef Peter Münstermann (MdL) just an dem Tag gestellt wurde, als die Absage der Dürener „Ampel“-Koalition an einen Beitritt Indeland GmbH publik wurde, wirft Fragen auf. Langerwehe ist Mitglied der Entwicklungsgesellschaft, Düren will das Heft beim Strukturwandel mit der WIN.DN nun selbst in die Hand nehmen.

Noch vor wenigen Wochen hatte sich Münstermann in einem Schreiben beider Kommunen an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft für das interkommunale Projekt mit Düren ausgesprochen. Entsprechend sauer war Münstermanns SPD-Kollegin im Landtag, Dürens stellvertretende Bürgermeisterin Liesel Koschorreck, und deutete an, ihn auch zur Rede gestellt zu haben.

Zu den Langerweher Beweggründen äußerte sich am Freitag nach einer Absprache der Fraktionsspitzen aber lediglich Bürgermeister Heinrich Göbbels (CDU). Er nannte drei Gründe für die Kehrtwende: unterschiedliche Ansichten beim Thema Windkraft, bei den benötigten Ausgleichsflächen und bei der Frage der Vermarktung des Gewerbegebietes.

Langerwehe will auf Teilen des geplanten Gewerbegebietes eine sogenannte Windkraftkonzentrationszone ausweisen, um den Bau von Windrädern an anderen Orten in der Gemeinde zu verhindern. „Eine andere Möglichkeit haben wir nicht,“ betonte Göbbels.

Zwar hatte Düren den Vorschlag unterbreitet, die Konzentrationszone auf städtischem Gebiet auszuweisen und die entsprechende Fläche der Gemeinde Langerwehe anzurechnen. „Das ist uns aber zu ungewiss“, sagte Göbbels. Bei Gesprächen mit der Bezirksregierung Köln sei zwar deutlich geworden, dass ein solches Verfahren grundsätzlich möglich, aber sehr langwierig sei. Göbbels: „Es war von einer Dauer von zwei Jahren die Rede, ohne dass wir den Ausgang wirklich kennen würden.“ Und so lange hätte Langerwehe keine Windkraftkonzentrationsfläche. Das heißt: Überall könnten in dieser Zeit Windräder gebaut werden. Auf der anderen Seite sei es aber möglich, auch das habe die Bezirksregierung bestätigt, Windkraftzonen mit einem Gewerbegebiet zu kombinieren. „Das will die Stadt Düren unter keinen Umständen, ist aber für uns die beste Lösung.“

Zweitens zweifelt Göbbels an, dass die Stadt Düren die nötigen Ersatzflächen für das Gewerbegebiet vorhalten kann. „Jedenfalls sind uns bisher keine ausreichenden Flächen präsentiert worden.“

Und schließlich kritisiert der CDU-Bürgermeister, dass die WIN.DN das Gewerbegebiet alleine vermarkten sollte. „Bleibt uns als Gemeinde da überhaupt noch Einflussmöglichkeit?“, fragte Göbbels. „Diesen Einfluss wollen wir aber nehmen.“ Auch die Konditionen, die sich die Stadt Düren vorgestellt habe, würden ihm nicht gefallen, sagte Göbbels weiter. In einigen Bereichen sei 50:50 vorgesehen gewesen. „Bei der Grundsteuer B sollten die Gewinne aber 60:40 zu unseren Ungunsten geteilt werden. Das sehen wir nicht ein.“

Fakt ist: Langerwehe braucht zusätzliche braucht. „Man spricht bei Gemeinden unserer Größenordnung immer von einem Bedarf von rund 100 Hektar“, sagt Göbbels. „Langerwehe hat derzeit 35. Das ist viel zu wenig.“ Deswegen macht sich die Töpfergemeinde für das Gebiet an der A4 jetzt mit Hochdruck auf die Suche nach neuen Partnern. RWE Power sei sowieso schon mit im Boot, weil neun Hektar des geplanten Gebietes dem Energiekonzern schon heute gehören, erklärte Göbbels. Zu weiteren Partnern wollte er sich nicht äußern. Gemutmaßt wird, dass die Entwicklungsgesellschaft Indeland, die sich längst auf den Weg zu einer kreisweiten Wirtschaftsförderungsgesellschaft gemacht hat, als Vermarkter einspringen könnte. Um den für die Ausweisung eines neuen Gewerbegebiets erforderlichen Flächenausgleich darzustellen zu können, müsste die Gemeinde Langerwehe aber auch noch andere Kommunen mit ins Boot holen, zum Beispiel aus Reihen der Indeland-Mitglieder. Grundsätzlich ist der Bürgermeister zuversichtlich, dass das Gewerbegebiet an der Autobahn innerhalb der nächsten drei Jahre realisiert werden kann.

(ja/kin)