Obermaubach: Landgewinnung am See auf Kosten der Allgemeinheit?

Obermaubach: Landgewinnung am See auf Kosten der Allgemeinheit?

Dirk Brüning spricht von „Landgewinnung am Staubecken Obermaubach“. Die Gemeinde Kreuzau habe „tagelang Mitarbeiter und das Gerät“ gestellt, um das private Grundstück eines Anrainers zu vergrößern, erhebt er einen Vorwurf in Richtung Gemeindeverwaltung.

Die Gemeinde habe widerrechtlich Eisenbahnschwellen und Betonelemente als Uferbefestigung in den Dresbach eingebracht und damit den Bach, der in den Stausee Obermaubach mündet, umgelenkt. Dadurch seien etwa 300 Quadratmeter von der Böschung des Staubeckens und von benachbarten Grundstücken abgetrennt worden, sagt Brüning, der selbst Anrainer ist. Das Grundstück eines anderen Anwohners, seines Nachbarn, sei auf diese Weise „faktisch vergrößert worden“ — auf Kosten der Allgemeinheit.

Die Kreuzauer Gemeindeverwaltung weist diese Vorwürfe zurück und stellt klar, dass zwei Ereignisse vermengt würden und die Gemeinde mit der „wundersamen Landgewinnung“ nichts zu tun habe. „Fakt ist: Bei einem Hochwasserereignis sind im Jahr 2011 Teile einer Uferbefestigung am Dresbach weggeschwemmt worden“, sagt Siegfried Schmühl, Allgemeiner Vertreter des Kreuzauer Bürgermeisters, auf Anfrage unserer Zeitung.

Diese Befestigung habe es nur an einer Seite des Baches gegeben — auf der gegenüberliegenden Seite des Grundstücks von Dirk Brüning. Der Eigentümer habe versichert, dass diese Uferbefestigung von der Gemeinde Kreuzau errichtet worden sei. Damit wäre die Gemeinde im Zuge der sogenannten Gewässerunterhaltungspflicht auch für die Reparatur zuständig gewesen. „In unseren Akten haben sich keine Unterlagen gefunden“, sagt Schmühl, allerdings soll der Bau schon 30 bis 40 Jahre zurückliegen, vermutlich bereits vor der kommunalen Neugliederung erfolgt sein.

„Damals gehörte Obermaubach noch nicht zur Gemeinde Kreuzau“, sagt Schmühl. Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass die Gemeinde zuständig ist, habe der Sachbearbeiter eine Reparatur in Auftrag gegeben. „Die Arbeiten wurden nicht von der Gemeinde, sondern von einem Unternehmen ausgeführt“, stellt Schmühl klar. Die Kosten beziffert er auf 2424,92 Euro.

„Damals haben wir keine Veranlassung gesehen, uns mit der Unteren Wasserbehörde abzustimmen. Mit dem heutigen Wissen hätten wir das womöglich tun sollen“, räumt Schmühl ein. Denn die zwischenzeitlich eingeschaltete Untere Wasserbehörde ordnete im Jahr 2014 an, dass Teile der Uferbefestigung wieder demontiert werden müssen, um den naturnahen Zustand des Dresbaches nicht zu gefährden.

Im unteren Teil des Baches blieb die Befestigung allerdings unangetastet. Die Kosten für diesen Rückbau, ebenfalls ausgeführt von einem von der Gemeinde beauftragten Unternehmen, beziffert Schmühl mit 1876,04 Euro. Unter dem Strich habe die Gemeinde 4300,96 Euro ausgegeben, die sie sich nach heutigen Stand hätte sparen können. Soviel zum Thema Dresbach.

Zum Vorwurf, die Gemeinde habe einem Bürger bei der „Landgewinnung“ geholfen, könne sich die Gemeindeverwaltung nicht äußern. „Da sind wir völlig außen vor, dieser Vorwurf hat nichts mit den vorherigen Arbeiten am Dresbach zu tun“, betont Siegfried Schmühl. „Wenn ein Bürger eine Böschung eingesät hat, liegt das nicht in unserer Verantwortung“, stellt er klar und verweist auf den Eigentümer des Stausees Obermaubach, den Wasserverband Eifel-Rur (WVER).

Herbert Polczyk, beim WVER zuständig für den Talsperrenbetrieb, bestätigte unserer Zeitung, dass der Verband aktuell das Gespräch mit einem Anrainer des Stausees suche. Auch wenn optisch nicht zwischen Privatgrundstück und Böschungsbereich des Stausees, der dem WVER gehört, unterschieden werden könne, sehe dies selbstverständlich beim Blick ins Grundbuch anders aus.

„Die betroffene Parzelle ist nach wie vor unser Grundstück“, betont Herbert Polczyk. „Ein kompletter Rückbau an dieser Stelle wäre aus unserer Sicht nicht sinnvoll“, sagt er unserer Zeitung. Möglich sei aber eine Abtrennung der Parzellen mit einem Zaun — oder aber ein Verkauf der Fläche. Diesbezüglich sei aber noch keine Entscheidung gefallen. „Der Vorgang befindet sich noch in der Klärung“, sagt Polczyk.

Für den See, die Wasserqualität und die Allgemeinheit seien aber aus Sicht und im Zuständigkeitsbereich des Wasserverbandes Eifel-Rur keine Nachteile entstanden. Auch das verbliebene Stück Uferbefestigung im Böschungsbereich des Stausees stelle keine Beeinträchtigung dar.

(sj)
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