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Nörvenich: Ladies Night bei der Feuerwehr: Was tun, wenn die Hütte brennt?

Nörvenich : Ladies Night bei der Feuerwehr: Was tun, wenn die Hütte brennt?

Die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Nörvenich hat zur ersten Ladies Night in ihrer Geschichte eingeladen — und es verspricht, ein gemütlicher Abend zu werden. Rund 30 Frauen sind zu der Veranstaltung ins Feuerwehrgerätehaus gekommen, es gibt Sekt — mit und ohne Alkohol —, eben so, wie es sich für eine stilechte Ladies Night gehört, und jede Menge Informationen, die im Notfall unter Umständen lebensrettend sein können.

Für Wehrleiter Oliver Hartlieb und Peter Berndgen, zuständig bei der Feuerwehr der Neffeltalgemeinde für Öffentlichkeitsarbeit, ist der Abend eine echte Premiere. „Wir gehen ein Risiko ein und wissen nicht, ob das Angebot funktioniert“, sagt Berndgen. Gleichwohl, ergänzt er, sei er davon überzeugt, dass Frauen sich für das Thema Sicherheit im Haushalt interessieren würden. „Vielleicht sogar mehr als die Männer“, sagt er. „Deswegen hatten wir auch die Idee, diesen Informationsabend nur für Frauen anzubieten.“

Oliver Hartlieb nennt noch einen anderen Aspekt, der für eine Feuerwehr-Ladies-Night spricht. „Natürlich hätten wir so einen Abend auch für Frauen und Männer anbieten können. Ich denke aber, dass die Frauen einfach freier sind und sich mehr trauen, wenn keine Männer dabei sind. Außerdem werden Frauen auch immer selbstsicherer und kümmern sich selbst um die Technik in ihrem Haus oder ihrer Wohnung. Da müssen längst nicht mehr nur die Männer ran.“

Die Resonanz auf die erste Ladies Night scheint Berndgen und Hartlieb Recht zu geben. Das Feuerwehrgerätehaus füllt sich immer mehr, viele Frauen kommen in Grüppchen. Es wird gelacht und geplaudert. Drei, die an diesem Abend dabei sind, sind Sandra Damm, Simone Danhausen und Karen Schulz. „Mir gefällt es, dass hier heute keine Männer sind“, sagt Schulz. „Dann gibt es wenigstens nicht nur wichtiges Fachsimpeln.“ Sandra Schulz lacht.

„Aber mal im Ernst: Ich finde es wichtig, dass man im Ernstfall weiß, wie man sich verhalten muss — gerade dann, wenn der Mann vielleicht einmal nicht zu Hause ist.“ Ähnlich sieht das auch Sandra Damm. Deren Mann engagiert sich zwar bei der Freiwilligen Feuerwehr in Nörvenich, trotzdem hat sie noch nie einen Feuerlöscher in der Hand gehabt. „Ich weiß nicht, wie der funktioniert. Das werde ich aber sicherlich heute lernen.“

Vor dem praktischen Teil des Abends, in dem die Ladies-Night-Teilnehmerinnen in der Tat ausprobieren konnten, wie ein Brand mit einem Feuerlöscher gelöscht wird, gab es einen umfangreichen Theorieteil zu ganz unterschiedlichen Themen. Peter Berndgen: „Viele wissen überhaupt nicht, dass beispielsweise Wäschetrockner einer der Hauptbrandquellen im Haushalt sind. Oder dass alte Mehrfachsteckdosen hinter dem Computer nicht ohne Risiko sind.“

Darüber hinaus ging es aber auch um den richtigen Umgang mit Rauchmeldern und darum, was zu tun ist, wenn man bei großer Hitze Tiere oder gar ein Kind in einem abgestellten Auto entdeckt. „Immer die Polizei oder die Feuerwehr informieren“, erklärte Wehrleiter Hartlieb. „Und bei sehr großer Hitze versuchen, mit der Unterstützung anderer Passanten die Scheibe aufzubrechen.“

Die neue Katastrophen-Warn-App „Nina“ des Kreises wurde ebenfalls erklärt, genau wie die verschiedenen Arten von Feuerlöschern. Hartlieb: „Es gibt solche, die mit Pulver löschen. Danach muss man aber renovieren, weil das Pulver wirklich überall hingeht. Und solche, die mit Schaum löschen. Die kosten ein wenig mehr, sind aber viel effektiver.“ Vor dem Umgang mit dem Feuerlöscher hatten die Frauen dann schon Respekt, alle meisterten die Übung mit dem brennenden Eimer aber mit Bravour.

Ziel: Mehr Frauen in die Wehr

„Wir haben von vielen Teilnehmerinnen gehört, dass sie sich jetzt sicherer fühlen“, erklärte Hartlieb. „Und genau das wollten wir auch erreichen.“ Natürlich verhehlen Hartlieb und Berndgen nicht, dass die Ladies Night auch ein Baustein in der Öffentlichkeitsarbeit der Wehr ist — auch, um Nachwuchs für die Löschgruppe zu finden. „Wir haben derzeit 187 Feuerwehrleute, davon sind 14 Frauen, die fast alle aus unserer eigenen Jugendfeuerwehr gekommen sind. Aber natürlich würden wir uns über mehr weibliche Feuerwehrleute freuen.“

Zwar seien die Mitgliederzahlen bei der Nörvenicher Wehr seit einigen Jahren leicht steigend. „Laut Brandschutzbedarfsplan“, sagt Hartlieb, „brauchen wir aber 225 aktive Wehrleute. Da muss sich also noch etwas tun, auch wenn wir schon auf einem sehr guten Weg sind. Und es reicht eben längst nicht mehr, nur zum Tag der offenen Tür einzuladen.“

Die Ladies Night soll deshalb auf jeden Fall kein Einzelfall bleiben, sondern bald wiederholt werden. Und vielleicht gibt es etwas Ähnliches demnächst auch in anderen Kommunen. „Wir haben schon eine Anfrage vom Landesfeuerwehrverband bekommen“, sagt Berndgen. „Die wollen sich unser Konzept ansehen. Mal schauen, was daraus noch wird.“