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Düren: Kutschalla-Kult als Heimspiel-Horror

Düren : Kutschalla-Kult als Heimspiel-Horror

Die zwei gut gewachsenen jungen Männer passten nicht nur langbeinig in die flotten Kittelschürzen ihrer Frittösen-Anmache, die auch kessen Frisösen gestanden hätten.

Sie zeigten sich rundum als Verwandlungskünstler, die ihr Comedy-Handwerk gekonnt servierten.

In „40 qm Heimat” auf der „KOMM”-Bühne fanden „Die Kutschallas” raumfüllende Zustimmung mit Hallo, herzlichen Lachern und viel Applaus für „Effet oder Schmackes”. Elfi und Gaby, alias Heinz L. Jülich-Fein und Olaf Müller, hatten ihr Publikum gefunden, unter alten Freunden fast zur Hälfte neue Fans.

Zahlenzauber mit erster Gesangseinlage

Nach zögerlich-ängstlichem Beginn in dem Budenchaos „wie bei Plutsch-Marie” zwangen die Hausordnungs-Durchsage und die strenge Überprüfung durch Frau Waltraud Wirtz im illuminierbaren Rollstuhl zum aufgeräumten Umkrempeln.

Die erste Gesangseinlage „So ist es nicht bei uns” führte zum Zahlenzauber der runden DM-Euro-Umrechnung, esoterischen Ratespielen und der Erkenntnis: „Heimat braucht Rituale”.

Selbst deftig-makabre Sachen klangen nett, wenn Elfi von Texten in Todesanzeigen auf Sprachwandel im Poesiealbum kam, wo aus „Du bist so rein, so schön, so hold” eher „sexy, geil” geworden sei.

Beweglichkeit beim Kofferpack-Stress

Ländlich züchtig zeigte sich der langsame Friedhelm, der das Geschenkpaket mit der aufblasbaren Super Shirley verabscheute und sich lieber die Trachtenpuppe zurechtrückte - als Sympathieträgerin für ein Tänzchen mit dem alten Schlager „Du hast mir heimlich die Liebe ins Haus gebracht”. Bei dieser Mimik-Etüde und Grimassen-Orgie mussten sich auch die lachenden Gesichter im Saal verziehen.

Alsdann bewies Gaby ihre Beweglichkeit beim Kofferpack-Stress und beim Entspannungs-Schnupperkurs.

Zwischen Elfis Beauty-Tag und ihrem Röcke schürzenden Fluchttrick, einen Triebtäter zu überlisten, hatte sie als Herr Schäfer „seinen” großen Abend: auf dem Teleshop-Kanal die Kampagne für das hochprozentige Energieprodukt „Pimpanelli”.

Das wurde zur umwerfenden Antiwerbung mit dem anschließenden Chanson-Duett „Morgen fängt ein neues Leben an”. Dabei hatte das Publikum sich für das „Lebenselixier der alten Golzheimer” zum kräftigen Mitmachen animieren lassen.

So wuchs der lokale Kutschalla-Kult, den Jülich-Fein bei seinen Dankeshymnen auf so viele Förderer der Spaß-Gesellschafts-Abende und seiner Laufbahn als „Heimspiel-Horror” bezeichnete. Denn die Intimkenntnisse über die „Heimsuchenden” im Saal reichten von Golzheimer Hausnummern bis zu Geburtsdaten, worauf eine alte Dame „ihrem Heinz” sogar Rosen schenkte.

Exotische Künste bot das Duo noch am Fuße seiner Matterhorn-Leiter mit einem vierfachen Hit-Versuch „In die Berge bin i gern” und den artistisch-professionellen Zugaben der Olympia-Kür des „synchronen Flossen-Stepptanzes”.