Kurzweiler Vortrag über den Umgang mit Behinderung

Kabarett : „Handwerker wird er wohl nicht“

„Handwerker wird er wohl nicht.“ So habe seine Großmutter reagiert, als er geboren wurde. Das vermutet Rainer Schmidt, der ohne Unterarme zur Welt kam. Dass er zudem einen verkürzten rechten Oberschenkel hatte, war der Oma im ersten Schreck gar nicht aufgefallen.

Wie ein Mensch mit solchen Handicaps sein Leben dennoch positiv angehen und gestalten kann, erklärte der evangelische Pfarrer und Kabarettist bei seinem Vortrag „Grenzen haben – erfüllt leben“, zu dem die Evangelische Erwachsenenbildung im Kreis Jülich in Zusammenarbeit mit dem Theologischen Forum der Evangelische Gemeinde Düren eingeladen hatte.

Mal humorvoll und witzig, mal nachdenklich und hintergründig erzählte Schmidt, wie seine Familie und er mit der Zeit lernten, „normal“ mit seinen Grenzen umzugehen. Dass manches bei ihm langsamer voranging, beschrieb er am Beispiel seiner sportlichen Entwicklung. Als es im Familienurlaub als einzige Ablenkung das Spielen an einer Tischtennisplatte gab, befestigte ein Helfer den Schläger mit einer Schaumstoffverlängerung an seinem Arm. Eine Lösung, die ihm so viel Spaß machte, dass er begann, den Sport zu trainieren. Inzwischen ist Rainer Schmidt einer der erfolgreichsten deutschen Tischtennisspieler im Behindertensport und gewann bei Welt- und Europameisterschaften sowie bei den Paralympics zahlreiche Medaillen.

Dabei verhehlt Schmidt nicht, dass sich ihm immer wieder Fragen stellten. Wie kann man trotz starker Einschränkung ein glückliches Leben führen? Wovon hängt es ab, ob wir an unseren Unzulänglichkeiten leiden oder mit ihnen ein erfülltes Leben führen? Was brauche ich, um mit einer Behinderung zu Recht zu kommen? Ihm persönlich hat der Glaube geholfen, an seinen Begrenzungen nicht zu zerbrechen. Den Zuhörern erläutert er den Unterschied von Heil und Heilung und erzählt biblische Geschichten, wie Gott Menschen mit Behinderungen verändert ohne ihre Behinderung zu verändern.

Das alles lockert Schmidt immer wieder mit teils sogar skurrilen Wortwitzen auf. So wenn ihn ein Landesbischof ihm sagt, dass es ja wohl eine tolle Fügung sei, als Pastor in Engelskirchen zu wohnen, und er ihm antwortet, dass dies hoffentlich für dessen Wohnort Hackbeil nicht zutreffe. Mit Bezug auf seine Professionen als Pfarrer und Kabarettist meint er, dass Kanzel und Kabarett die einzigen noch vertretbaren Formen des Frontalunterrichts seien. Und mit einem Augenzwinkern legt er sich auch mit seinen Zuhörern an: „Ich bin froh, dass ich nicht so langweilig aussehe wie mein Publikum.“

Wieder ernster plädiert er dafür, dass Beurteilungen auch in der Schule nicht abstrakt nach Leistungen gegeben werden, sondern nach Fortschritten. Als Beispiel für einen menschlichen Umgang mit gehandicapten Schülern lobte Schmidt den Direktor, der ihn einst gefragt hatte: „Was kann unsere Schule tun, damit Sie hier bei uns Ihr Abitur machen können?“ Eine Art Fazit von Schmidts Vortrag war seine Erkenntnis: „Du kannst so viel Spaß haben, Du musst Dich nur trauen.“

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