Kurden demonstrieren am Freitag in Düren

Verhältnis zu Türken „spannungsgeladen“ : Kurden demonstrieren am Freitag in Düren

Auch Kurden aus Düren haben am vergangenen Samstag in Köln an der Demonstration gegen die türkische Militär-Offensive in Nordsyrien teilgenommen. Am Freitag lädt der Verein „Kurdisches Demokratisches Gesellschaftszentrum“ in Düren zu einer Kundgebung in der Rurstadt ein.

Elisabeth Karrasch-Kirmizitas spricht von einer „deutlich spannungsgeladenen Stimmung“, wenn sie versucht, das Verhältnis zwischen den in Düren lebenden Kurden und Türken zu beschreiben. „Seit dem türkischen Einmarsch in Nord-Syrien hat sich die Situation noch einmal verschärft“, sagt sie. „Mir macht das jetzt gerade etwas Sorge. Ich halte eine Annäherung im Augenblick für unmöglich.“ Elisabeth Karrasch-Kirmizitas ist seit mehr als 20 Jahren mit einem Kurden verheiratet und engagiert sich im Verein „Kurdisches Demokratisches Gesellschaftszentrum“ in Düren. Für Freitag lädt die Initiative zu einer Demonstration ein, um gegen die türkische Militäroffensive in Nord-Syrien zu demonstrieren, die sich gegen die kurdische YPG-Miliz richtet, die auf syrischer Seite der Grenze ein großes Gebiet kontrolliert.

„Das Gebiet Rojava in Nord-Syrien war immer ein Landstrich, in dem Menschen verschiedener Religionen und Ethnien friedlich zusammengelebt haben. Dieser Geist wird mit der Militäroffensive zerstört“, sagt Elisabeth Karrasch-Kirmizitas.

Die Dürener Polizei hat für den Demonstrationszug Einsatzkräfte aus Hundertschaften als Verstärkung angefordert. Zuletzt war es nach kurdischen Demonstrationen in Bottrop und Hennef zu tätlichen Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Türken gekommen. „In Düren“, betont eine Polizeisprecherin auf Nachfrage, „hat es vor dem Hintergrund des Krieges in Syrien bisher keine Ausschreitungen zwischen Kurden und Türken gegeben. Trotzdem wollen wir auf die angemeldete Demonstration bestmöglich vorbereitet sein.“

Auch Kurden aus Düren haben am vergangenen Samstag in Köln an der Demonstration gegen die türkische Militär-Offensive in Nordsyrien teilgenommen. Foto: dpa/Fabian Strauch

In der Stadt Düren leben knapp 6000 Türken, im gesamten Kreis um die 500 Kurden. Es gibt mit der SG Türkischer SV Düren einen türkischen und mit dem SV Kurdistan einen kurdischen Fußballklub, die in einer Bezirksliga-Staffel spielen. Natürlich wird der Krieg in Syrien in beiden Vereinen thematisiert, vor allem auch vor dem Hintergrund, dass es auch auf Fußballplätzen immer wieder zu politischen Äußerungen und Gesten kommt. Zuletzt hatten mehrere Fotos der türkischen Fußball-Nationalmannschaft für Wirbel gesorgt, weil einige Spieler nach ihren Treffern salutiert hatten. Der Gruß galt den türkischen Soldaten, die in Nord-Syrien im Einsatz sind.

Bei der Hallen-Stadtmeisterschaft 2017 hatte das Team des Türkischen SV bei der Siegerehrung ebenfalls einen militärischen Gruß gezeigt. „Das ist richtig“, sagt Gürsel Polat, Vorsitzender des Türkischen SV. „An diesem Tag sind zwölf türkische Soldaten ums Leben gekommen. Für uns war das eine Geste der Ehrerbietung. Nicht mehr.“ Gleichwohl findet Polat es richtig, Sport und Politik zu trennen. „Das muss dann aber auch für alle gelten“, sagt er. „Für alle Nationen, aber auch für alle Klassen, auch für die Nationalmannschaften. Ich finde, dass in dem Zusammenhang auch die Frage erlaubt sein muss, ob Schweigeminuten dann noch möglich sind. Die sind zumindest manchmal auch ein politisches Statement.“

„Im Fußball herrscht politische Neutralität“, sagt auch Ayhan Gündogdu vom SV Kurdistan auf Nachfrage unserer Zeitung, möchte sich zu dem Thema aber nicht weiter äußern. Dem widerspricht, dass Spieler des SV Kurdistan beim Spiel gegen den TuS 08 Langerwehe vor anderthalb Wochen mit einem großen Plakat „Fascist Turkish State! Get out of Rojava!“ auf den Platz gekommen sind. „Ich möchte nicht unbedingt von einer Provokation sprechen“, sagt Polat (Türkischer SV). „Aber ich möchte schon sagen, dass uns dieses Plakat natürlich absolut nicht gefallen hat. Trotzdem denke ich, dass es in Düren bei der Demonstration am Freitag friedlich zugehen wird. Wir werden von türkischer Seite zumindest alles dafür tun.“

Einer, der bei der Debatte vor allem die Menschen in Syrien im Blick hat, ist Dr. Zuhair Halabi. Der 67-Jährige ist in Damaskus geboren und vor mehr als 40 Jahren nach Deutschland gekommen. „Ich sehe die Entwicklungen mit großer Sorge“, sagt er. „Der Einmarsch der Türkei, jetzt die Forderungen der deutschen Verteidigungsministerin nach einem internationalen Stabilisierungseinsatz in Nord-Syrien – all das gibt mir das Gefühl, dass die Politiker mittlerweile den Kern der Sache aus den Augen verloren haben.“

Seine Landsleute seien vor acht Jahren für Freiheit und Demokratie auf die Straße gegangen. „Davon sind sie heute weiter entfernt denn je. Das Land ist praktisch geteilt und wird von Russland, der Türkei und dem Iran benutzt. Der Verlierer ist das syrische Volk.“ Halabi wünscht sich für sein Land Frieden und Demokratie. „Syrien ist politisch und geographisch sehr wichtig. Alle wollen dort ihre Interessen durchsetzen, aber keiner will das syrische Volk unterstützen. Auch jetzt sprechen alle nur von von Kurden und Türken, nicht von den Syrern.“