Nideggen: Kunterbunte Kunst aus dem täglichen Müll

Nideggen: Kunterbunte Kunst aus dem täglichen Müll

Die Inhaberin des Ateliers EMU in Nideggen, Elke Maul-Undorf, kann sich rühmen, eine Woche lang Kunst aus täglichem Abfall in ihren Ausstellungsräumen zu beheimaten. Das ungewöhnliche Motto lautet: „Eingefallen, ausgefallen, auf- und abgefallen.“

Elke Maul-Undorf selbst hat zwei Mitstreiterinnen, Inge van Kann und Helga Putzu, für diese Idee begeistern können. Und offenbar lagen die drei Frauen mit diesem Thema ganz richtig, denn die Gäste der Vernissage auf der Erdmaar 6 in Nideggen zeigten sich begeistert.

Helga Putzus figurative Gemälde präsentieren sich als detailgetreue Kunstwerke mit Pastellkreide. Geheimnisvolle Objekte treten mit dem Betrachter in einen Dialog, bis die Künstlerin selbst dem Rätselnden „auf die Sprünge“ hilft. Abgezogene Plakate von Litfaßsäulen in Paris, Venedig, Peking und anderen Metropolen dieser Erde wurden von Helga Putzu fotografiert, um dann im eigenen Atelier zu eindrucksvollen Bildern komponiert zu werden. Putzu erweckt mit einigen Werken aus der Distanz eine reliefartige Wirkung.

Die Plakat-Gemälde stellen die Frage, wie Menschen mit ihren Produkten umgehen. „Wir leben in einer Welt voller Veränderungen“, sinniert die Malerin, „und ich möchte dies mit meinen Mitteln dokumentieren.“ Doch auch noch andere Kunstwerke, wie ein gekreuzigter Frauenakt, regen zum Nachdenken an.

Inge van Kann ist die Künstlerin, die aus täglichem Abfall Mode macht, allgemein als „Trash-Art“ bekannt. Ein Modell führte auf dem „Laufsteg“ im Garten ein Brautkleid aus Briefumschlägen vor, der Schleier entpuppte sich als Weihnachtsbaum-Schlauch.

Ein niedlicher Löwe ist ganz aus Kartoffelsäcken gefertigt, eine „Fischfrau“ gibt sich durch Gräten im Rückenteil ihres Kleids zu erkennen. Das Kostüm besteht ansonsten aus Böden und Verschlüssen von Katzenfuttertüten, die auf Rosenkohlsäcke genäht sind.

Silberne Kaffeetüten, Teelichter und Pillenblister ergeben einen Silbernen Ritter. Inge van Kann selbst trat als Diana, die Göttin der Jagd, auf. Hier waren Kaffeetüten in Gold das Grundmaterial.

Die dritte Künstlerin im Bunde, Hausherrin Elke Maul-Undorf, die zur Vernissage eine launige und kenntnisreiche Laudatio hielt, hatte sich für diese Ausstellung neben einigen Gemälden für Skulpturen entschieden.

Einen weichen Teddy aus Kindheitstagen hatte sie gehärtet, bemalt und auf einen Sockel gesetzt. Eine Druse auf einem Sockel ist mit Kupfer und Flüssigbronze überzogen, Stahlring, Strasssteine und ein echter Brillant machen die Skulptur geheimnis- und wertvoll. Eine Tonkugel trägt eine „Oscar“-Imitation, Brillenträger sind zu kunstvollen Nutzgegenständen geworden, nicht zu vergessen unter den vielen Kunstwerken: ein Stuhl mit Nerz und Kaninchenfell überzogen.

Für fetzige Begleitmusik zur Eröffnung sorgten Dodo und Juppi der Gruppe „Viva“.

Geöffnet ist die Ausstellung, die am 16. November ihre Pforten schließt, bis Freitag täglich von 14 bis 18 Uhr sowie am Samstag und am Sonntag jeweils von 12 bis 18 Uhr.

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