Düren: Kunstwerke rund um das Thema Freiheit

Düren: Kunstwerke rund um das Thema Freiheit

„Wir sind so frei“ erzählt, flüstert, erinnert und provoziert. Dreizehn Kunstschaffende brachten mindestens dreizehn Geschichten über die Freiheit mit. Über die eigene und die fremde, über die sexuelle und die religiöse, über die des Kollektivs und die des Individuums aber auch über die Entscheidungsfreiheit.

Die Geschichten wurden durch die Malereien, Fotografien, Objekte, Druckgrafiken, Assemblagen und Mischtechniken erzählt. Hinter jedem Bild und hinter jedem Objekt steckt natürlich eine ganz persönliche Suche nach Freiheit.

Mit Hilfe künstlerischer Freiheit nahmen die Künstler des Dürener Künstlerstammtisches „Kunstrukt“ sich vor, die durch die Gesellschaft, die Religion oder die wirtschaftlichen Interessen beschnittene und in Dogmen gefesselte Freiheit auszudrücken und sie dadurch zu heilen. Auf Papier, auf Leinwand, in Stoff, mit Stein und Holz aber auch in verschiedenen symbolhaften Gegenständen haben sie das Thema umgesetzt.

Die perfekte Puppe

Der Blick fällt zunächst auf zwei ausdrucksstarke, großformatige Porträts. Den freischaffenden Künstler Armin Müller-Soldwedel faszinieren eben „überlebensstarke und kriegerische Gesichter, wie diese zwei“, die unter seinen Pinseln aus Acryl mit Pastell entstanden sind.

Bärbel Jülichs Kunst lebt von dem Wunsch, mit Techniken und Farben zu experimentieren. Zwei Druckgrafiken mit farblichen Durchgängen machen sich an der Treppenwand bemerkbar. Ihr „Carbi“ gibt einer berühmten, perfekten Puppe die Chance, sich von dem selbstauferlegten Schönheitsideal zu befreien.

Einmal im Monat treffen sich die Dürener Kunstinteressierten im „Komm“, um sich auszutauschen, mit den Blickrichtungen des Anderen auseinanderzusetzen, neue künstlerische Wege auszuprobieren.

Peter Sokol hat sich den Naturmaterialien verschrieben. Aus Fundstücken, Steinen, Ästen, Wurzeln und Schwemmholz aber auch Baumstämmen baut er seine großen Objekte namens „Gefangene Lava“, „Medusa“ und „Kreuzigungshügel“. Die gefundenen Stücke werden von ihm in einem neuen Kontext umgesetzt. Damit beschwört er die Macht der inneren Freiheit.

Das Objekt „fifty shades“ des Kunstschaffenden Reinhard Schulz-Hock behandelt die sexuelle Freiheit. Er stellt sie als beschnitten, manipuliert, gefesselt durch die Pharmaindustrie, durch die Kirche und durch die Gesellschaft dar.

Flohmarktbilder, die keiner schön findet, findet sie schön. Jutta Giglers smarte Botschaften an den Wänden des „Komm“-Zentrums werden ausgerahmt, durch neue, zeitgemäße Aussagen aufgewertet und in würdigerem Kontext überlebensfähig gemacht. Sie holt die Dinge aus ihrer Bedeutungslosigkeit und erweckt sie zum Leben. Zsu Lehnerts Bilder „Bedrängt“, „11. Sep.“ und „Flucht“ erinnern an die Ereignisse um den elften September. Die Grafikdesignerin Ingrid Federlin-Stein nähert sich an die Freiheit durch typografische Arbeiten.

Aus Fundstücken macht Gabriela Menzel Objekte. Ihre letzten fünf Arbeiten sind hängende Assemblagen. Joachim Poll stellt fest „Frei ist man niemals“. Eine ganze Wand besetzen die paradiesvögelbunten Bilder von Alhayali Sadeer.

Thomas Floßdorf eröffnete die Ausstellung. Der Vierhalsbass spendete unter den Fingern von Roland Kaschube angenehme Klänge.

Die Ausstellung ist während des Stadtfestes am 16 und 17. September von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Die Künstler sind anwesend.

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