Nideggen: „Kulturrucksack“: Den eigenen Weg zur Kreativität finden

Nideggen: „Kulturrucksack“: Den eigenen Weg zur Kreativität finden

Aus Stuttgart ins Nideggener Burgenmuseum angereist war zur Schlussveranstaltung vom diesjährigen „Kulturrucksack“ der Schriftsteller Thomas Thiemeyer. Er wollte mit Erzählungen aus seinem Schriftstellerleben und Lesungen aus seinem Buch „Die Stadt der Regenfresser“ den Teilnehmern die Idee des Schreibens vermitteln, ein kreatives, spannendes Leben durch Erfinden von Geschichten.

Thiemeyer, ein Viel- und Schnellschreiber, hat in 13 Jahren 20 Bücher geschrieben und veröffentlicht. Zwischen den Buchdeckeln finden meist über 400 Seiten Platz. Thiemeyers Ziel ist es, so verriet er den Zuhörern, etwa 1000 Wörter pro Tag zu schreiben. So kamen in 13 Jahren 20 Bücher zusammen. Stephen King, so schreiben die Gazetten, soll an die 2000 Wörter am Tag schreiben, dieser Text hat knapp 500.

Im Burgenmuseum nahm der Schriftsteller seine Hörer mit auf eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert, in eine Zeit, wo Dampflokomotive und Pferdefuhrwerk Transportmittel waren, in der bei Dunkelheit Gaslaternen und Kerzen zum Einsatz kamen. Und vor allen Dingen, gab es keine Handys und kein Internet. Die Menschen hatten Zeit. Viele aber mussten 14 und mehr Stunden arbeiten.

Protagonist der Einstiegsgeschichte war Oskar, ein Berliner Junge, der auf der Straße lebte und sich dort durch Diebstahl und sonstige „Geschäfte“ das notwendige Geld zum Überleben zusammenstahl. Er wurde von Karl-Friedrich von Humboldt, einer fiktiven Figur, mit einer nicht alltäglichen Aktion auf die Probe gestellt. Mit diesem „unehelichen Sohn“ des Forschers Alexander von Humboldt, mit Humboldts Nichte Charlotte, der dunkelhäutigen Elisa von der Insel Hawaii und „Kiwi Wilna“ ging es nach Peru, unglaublich spannenden Abenteuern entgegen.

Nach dem eindrucksvollen Beispiel, dass man durch Schreiben seine Zeit sinnvoll verbringen kann, hatten die jungen Menschen am Nachmittag Gelegenheit, ihre eigene Kreativität zu testen. Die Frage lautete: Wie kann ich meinen eigenen Weg zur Kreativität finden, um meine Zeit sinnvoll zu verbringen?

Im Gerichtssaal fanden Parallel-Workshops zum Thema „Zeiträume“ statt. Mit tänzerischem Ausdruck — Bewegungen unter Anleitung des Choreografen Eckard Paesler aus München — „malten“ junge Leute mit ihren Körpern Figuren in den Raum. Mit Gusta Fack und Hilde Amrein, Museumspädagoginnen des Burgenmuseums, wurden Plastiken aus Wegwerfprodukten kreiert. Die Werke konnten später von den Familien jungen Künstler bewundert werden.

Aktionen für ideenreiche Nachwuchskünstler

Der „Kulturrucksack“ NRW wird seit 2012 durchgeführt. Gemeinsam mit den Kommunen und ihren Kultur- und Jugendeinrichtungen möchte die Landesregierung junge Menschen zwischen zehn und 14 Jahren dazu animieren, kreativ und künstlerisch tätig zu werden.

Gefördert wird das Projekt vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen.

Seit 2013 gestalten die Internationale Kunstakademie Heimbach und das Burgenmuseum Nideggen jährlich ein vielseitiges Programm im Rahmen des „Kulturrucksacks“. Das Kulturereignis läuft von März/April bis zum Spätherbst, meiste Ende November. Im nächsten Jahr wird das Burgenmuseum Nideggen mit dem Projekt starten, in der Kunstakademie Heimbach wird einige Monate später dann die Abschlussveranstaltung sein.

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