Nideggen: Kulinarisch garnierte Erzählungen beim „Winter auf der Burg“

Nideggen: Kulinarisch garnierte Erzählungen beim „Winter auf der Burg“

Im Lesesaal des Burgenmuseums von Burg Nideggen dufteten Glühweinaromen, Köstlichkeiten des 21. Jahrhunderts warteten auf Verkostung. Separat davon lagen viele kleine Häppchen. Gebraten und gekocht hatte sie einer der drei Vorleser an diesem Abend, Historiker und Chef des Ammianus-Verlags aus Aachen, Michael Kuhn.

Kuhn hatte köstliche römische Frühstückshappen aus Oliven, Olivenöl und Knoblauch „nachgemacht“. Ein hundertjähriger Greis hatte, so steht es zu lesen, Kaiser Augustus seinerzeit die „Unsterblichkeitsformel verraten: „Außen Olivenöl — innen Aperitif Mulsum (römischer Wein).“

Michael Kuhn stellt in vielen seiner Romane die römische Küche vor, um seinen Romanen, die in der Zeit des Imperium Romanum spielen, auch die nötige Würze zu geben. Mit seinen nachgekochten Rezepten aus dem Kochbuch des Apicius begeisterte Kuhn die Hörer, zumal er sie hier und da mit eigenen kleinen Geschichten garniert hatte.

Eine in der Eifelregion schon bekannte Autorin, Martina Kempff, las aus ihrem Buch „Die Schattenjägerin“ vor. Protagonistin ist Jacoba von Bayern, die zu Beginn des 15. Jahrhunderts wohl jüngste Fürstin in Europa, Herrscherin über einen großen Teil der damaligen Niederlande, zu denen auch Flandern gehörte. Ihr erster Gemahl, Jean de Valois“, Thronerbe des Königs von Frankreich, wurde vergiftet. Fatal ist, dass Frauen in der damaligen Zeit des auslaufenden Mittelalters verheiratet sein mussten, um ihren Besitz behaupten zu können.

Das hieß konkret, dass Jacoba einen Mann finden musste. Intrigen in ihrer Familie, Feinde von außen, Jacoba von Bayern muss nach vielen Seiten kämpfen, um sich und ihren Besitz zu retten. Martina Kempff berichtet in ihrem Werk über historisch belegbare Fakten, lässt Persönlichkeiten der Geschichte auftreten.

Hier und da baut sie eigene Geschichten ein. So lässt sie die kleine Jacoba ein verwirrendes Saufgelage im Rittersaal ihrer Burg beobachten. Jacoba wird von Erscheinungen heimgesucht, läuft nächtens davon, weil sie glaubt, ihr Vater wolle sie verkaufen. „Ein Mädchen ist nichts wert!“ Dieser Satz verfolgt Jacoba ihr Leben lang.

Die Dritte im Bunde der Autoren bei der letzten Lesung aus der Reihe „Winter auf der Burg“ war Isabella Benz. Sie hatte — aus der Nähe von Stuttgart kommend — die weiteste Anfahrt. Isabelle Benz, die zurzeit an der Universität Tübingen promoviert, las aus ihrem Roman „Tod einer Hofdame“. Es ist ein historischer Krimi, der im 12. Jahrhundert spielt. Einer der Hauptdarsteller ist der legendäre Richard „Löwenherz“, König von England, der von Jerusalem Richtung Heimat unterwegs ist. Der dritte Kreuzzug ist verloren, Saladin herrscht über Jerusalem, auch vor mehr als 800 Jahren schon Streitobjekt zwischen den monotheistischen Religionen.

Detailgenau und leidenschaftlich lässt die Autorin ihre Hörer und Leser Geschichte erfahren. Die Kleidung heißt Gewand, anstelle von Schränken gibt es Truhen. Entlang der Biografie Richard Löwenherz´ erlebten die Gäste auf Burg Nideggen das Leben im Mittelalter mit vielen Facetten. Es gibt noch keine Nationen, sondern die Ritter schwören ihren Herrschern persönliche Treue, auf die heutige Zeit nur bedingt übertragbar.

Begrüßt hatte die Besucher die Leiterin des Burgenmuseums, Luzia Schlösser, die mit einigen Mitarbeiterinnen den Abend auch kulinarisch arrangierte.

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