Düren: Künstler Jean Schmitz: Ein Mann, der seine Heimatstadt liebte

Düren: Künstler Jean Schmitz: Ein Mann, der seine Heimatstadt liebte

In diesen Tagen hätte der Dürener Maler Jean Schmitz seinen 100. Geburtstag gefeiert. Er war Künstler und Handwerker, ein Meister von Pinsel und Tusche, von Grafitto-Technik und Fresko, von Kalligraphie und Gebrauchsgrafik - und er war ein Mann, der seine Heimatstadt und die Eifel liebte.

Als er nach dem Krieg in das zerbombte Düren zurückkehrte, packte er beim Wiederaufbau kräftig mit an: Das Wandgemälde in der Anna-Notkirche in Düren, die Altarmalereien in der Klosterkapelle St. Michael in Heimbach, die Ausmalung der Kapelle der Dürener Blindenschule, die Gestaltung des großen Sitzungssaals im Amtsgericht - noch heute erinnern Skizzen, Zeichnungen und Fotos in seinem Atelier an diese Zeit, wo er an vielen Orten wortwörtlich Farbe in den grauen Alltag brachte, so auch an eine Hausfassade in Düren, die das historische Holztor schmückt.

Wo er nicht Hand anlegen konnte, um Zerstörtes neu zu beleben, da griff er zum Zeichenstift und weckte die Erinnerung an verschwundene Stadtwinkel, an Gassen, Plätze und Häuser. Zeit seines Lebens blieb Jean Schmitz, den die Malerinnung zum Obermeister und später zum Ehrenobermeister wählte, heimatverbunden. Er wurde 86 Jahre alt.

Er war ein ewig Lernender. Er hatte von 1934 bis 1938 die Werkkunstschule in Köln besucht, doch als Mitte 1980 der damalige Kulturreferent der Handwerkskammer, Perseke, bei ihm anrief und fragte „Machst du mit bei der neuen Akademie für Gestaltendes Handwerk in Aachen?” - da stimmte er sofort zu. Aber er kam nicht als Lehrender. Schmitz wurde wieder zum Studenten, der mit 77 Jahren mit Bravour sein Examen bestand. Im alten Kadett „düste” er, wie er sagte, von Düren nach Aachen, wo sich der alte Herr königlich amüsierte, wenn besorgte Eltern ihn fragten, wie sich denn ihre Tochter oder ihr Sohn an der Akademie so machten.

Jean Schmitz lachte gerne - und er malte gerne Menschen, für die Lachen die beste Medizin war: Vor Clowns wie Grock und Charlie Rivel zog er die Künstlerkappe. Und in die Dürener Narrenzunft brachte er gute Laune mit rein, indem er auf Bühne und Plakat dem jecken Treiben Gestalt gab. Diese Bühne stand im Kolpinghaus (heute Hotel zur Post) - und getreu dem Handwerksvater Kolping machte er sich in jungen Jahren auf die Wanderschaft, die ihn in die Schweiz, nach Italien und später - als Meister - ans Bauhaus führte.

Von den Landschaften entstanden Dutzende von Bildern als Aquarelle oder Tuschezeichnungen. „Impressionistischen Realismus” nannte er seinen Stil, dem er treu blieb. Das Goethe-Zitat „Das einfach Schöne soll der Kenner schätzen” war sein Leitgedanke. Auch in seinen gegenstandslosen Kompositionen liebte er die Kontraste, die Farbenpaare. Das warme Gelb setze er gegen das kalte Blau, Grün bewusst gegen Rot. Gelb und Orange drückten Nähe aus, Blau und Violett rückten in die Ferne.

Wie in seiner Malerei setzte er 1998 Kontrapunkte in der Ausstellung „Ein Leben mit Farbe” im Dürener Leopold-Hoesch-Museum, wo er - temporär - eine selbst entworfene „Bauhaus-Tapete” an die Wand bringen ließ. Hier stellte er dem Spätwerk die frühen Arbeiten gegenüber, die vor oder während des Zweiten Weltkriegs entstanden waren. Erkennbar blieb: Über allen Bildmotiven lag die gleiche Heiterkeit der Farben. Diese Stimmung spiegelt sich auch in seinen letzten Aquarell-Arbeiten, den „Bretonischen Skizzen”, wider.

Jean Schmitz hat an vielen Orten ausgestellt: in Aachen, Berlin, Brüssel, Düsseldorf, Köln, Lüttich, Paris, Nörvenich und Viersen. In Bonn dankte ihm die damalige Bundestagspräsidentin Rita Süßmuth, weil er Worte aus dem Grundgesetz, das 40 Jahre alt geworden war, kalligraphisch meisterhaft umgesetzt hatte. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.” „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei”. Von solchen Werten ließ sich Jean Schmitz leiten.

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