Kritische Masse auf zwei Rädern bei Dürener Radtour „Critical Mass“

„Critical-Mass“-Radtour durch Düren : Eine kritische Masse auf zwei Rädern

Eine Gruppe Fahrradfahrer, die gemeinsam durch Düren fährt, manche mit Neonwesten, gelben Fähnchen oder auf ungewöhnlichen Vehikeln – dieses Bild bietet sich an jedem zweiten Freitagabend im Monat.

Die Bewegung nennt sich „Critical Mass“ (Englisch für kritische Masse), will auf Radfahrer und ihre Rechte aufmerksam machen und feiert am Freitag ihr fünfjähriges Bestehen in Düren.

Erste Tour 1992 in San Fransisco

Weltweit gibt es „Critical Mass“ allerdings schon seit September 1992. Damals startete die erste demonstrative Radtour in San Francisco, längst ist sie auch in Deutschland sehr verbreitet – in weit mehr als 100 Städten. Die nächst größte findet in Aachen statt. Dort nahmen neulich auch Radler aus Düren teil. „Da waren bestimmt insgesamt 80 bis 100 Teilnehmer“, erzählt Jens Veith. Er und seine Mitstreiter kommen in der Rurstadt durchschnittlich auf 25.

Das sah bei der ersten „Critical Mass“ vor fünf Jahren anders aus: Angefangen hatte es mit sieben Radfahrern. „Seitdem sind wir stetig gewachsen“, sagt Veith. Er selbst ist aber nicht etwa der Kopf der Bewegung. Die „Critical Mass“ hat keinen Verantwortlichen und keine zentrale Organisation. Sie ist ein schlichtes Treffen von Radfahrern. Veith selbst beschreibt die „Critical Mass“ weder als Demo noch als Versammlung, sondern als Radtour durch die Stadt, die das Ziel hat, auf Radfahrer aufmerksam zu machen. „Sonst sind wir ja eher alleine in der Stadt unterwegs, deshalb fehlt einigen anderen Verkehrsteilnehmern ein geschulter Blick. Wir wollen in der Gruppe auffallen, uns bemerkbar machen und die Bedingungen für Radfahrer verbessern.“

In den vergangenen fünf Jahren habe sich bei der Infrastruktur für Fahrradfahrer schon einiges getan, sagt Veith. Es gebe mehr Abstellmöglichkeiten, und die Schutzstreifen seien erneuert worden. Die Verbesserungen kämen aber sehr langsam und seien insgesamt auch nicht so gut, „dass man damit mehr Leute aufs Rad bekommt“, ist er überzeugt und stellt klar: „Zufrieden sind wir nicht.“

Deshalb wird es weiterhin monatlich eine „Critical Mass“ geben – am Freitag sogar eine besonders große: „Wir erwarten 50 Teilnehmer.“ Und was sagen die anderen Verkehrsteilnehmer dazu? Die Reaktionen sind unterschiedlich. „Andere Radfahrer winken uns oder klingeln freundlich, Busfahrer reagieren manchmal ungeduldig, manche Autofahrer überholen uns an Stellen, an denen es zu eng dafür ist oder trotz Gegenverkehr.“ Andersherum gebe es aber auch Unterstützer in den Reihen der Autofahrer: „Manche finden die Aktion cool – meist die, die uns entgegenkommen“, sagt Veith schmunzelnd.

Er und seine Mitstreiter wünschen sich ein schöneres und lebenswerteres Düren, „in dem weniger Blech herumsteht“ und entsprechend mehr Leute Rad fahren. Veith: „Die Stadt ist schließlich nicht für Autos gedacht, sondern für Menschen. Es wäre schön, wenn wir dem wieder näher kämen.“

Die „Critical Mass“ findet immer am zweiten Freitag im Monat statt und beginnt um 18 Uhr am Marktplatz. Die Routen sind immer unterschiedlich. Am Freitag, 8. März, feiert die Bewegung ihr fünfjähriges Bestehen in Düren.

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