Düren: Krischer zur Luftqualität: Ohne Nachrüstungen drohen Fahrverbote

Düren: Krischer zur Luftqualität: Ohne Nachrüstungen drohen Fahrverbote

Die Umrüstung von Linienbussen und Müllfahrzeugen mit einem millionenschweren Förderprogramm des Bundes sei sicher ein Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität in Düren, betont Oliver Krischer. Die drohenden Fahrverbote für Dieselfahrzeuge könnten damit aber nicht verhindert werden, ist der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag überzeugt — auch nicht in Düren.

Krischer ist zudem skeptisch, was die im Luftreinhalteplan für Düren seit Jahren als Königsausweg ausgewiesene Ostumgehung anbetrifft, die den Lkw-Durchgangsverkehr aus der Stadt raushalten soll. „Denn 70 Prozent der Stickstoff-Belastung stammt von privaten Pkw“, erklärt der Energieexperte der Grünen.

„Die Kommunen können relativ wenig machen und müssen nun ausbaden, was von der Automobilindustrie in den vergangenen Jahren versaut worden ist.“ Das sei der falsche Weg. Krischer fordert die Bundesregierung deshalb explizit auf, die Hersteller zu effektiven Fahrzeugnachrüstungen zu verpflichten. Allein die Software zu aktualisieren reiche schlichtweg nicht aus.

Dass dies Milliarden kosten werde, spielt aus seiner Sicht keine Rolle. Die Automobilhersteller hätten ihre Zusagen nicht eingehalten und jahrelang mit falschen Versprechungen gut an den Bürgern verdient. Krischer befürchtet, dass unabhängig von den Klageandrohungen der Deutschen Umwelthilfe schon bald Fahrverbote kommen werden, wenn die Gerichte nicht erkennen, dass die Politik effektive Gegenmaßnahmen von der Automobilindustrie einfordert.

Dann sei Stuttgart nur der Anfang, schließlich würden die Grenzwerte allein in Nordrhein-Westfalen an 60 von 127 Messstellen überschritten. „Ich würde mir auch vom Dürener Bürgermeister wünschen, wenn er das Problem klar benennt und die Bundesregierung in die Pflicht nimmt, statt sich über Fördergelder zu freuen“, betont Krischer.

Die Dürener Grünen wollen sich zudem Gewissheit darüber verschaffen, ob sich das Problem der überschrittenen Stickoxid-Grenzwerte auf den bekannten Messpunkt des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) an der Euskirchener Straße beschränkt oder ob die Messlatte auch noch an weiteren Stellen gerissen wird.

In einem ersten Schritt werden sie mit eigenen Messgeräten, die mit denen der Landesbehörde vergleichbar sind, wie Krischer sagt, die Stickoxid-Belastung in Düren an der Kreuzung Kölnstraße/Schützenstraße/Hohenzollernstraße und am Platz der Deutschen Einheit (Musikschule) sowie in Kreuzau an der Dürener Straße messen.

Da die Handhabung recht einfach sei, könnten noch weitere Messstellen folgen, kündigen die Grünen an. Vergleichbare Aktionen haben die Grünen im Zuge des Bundestagswahlkampfes auch in Eschweiler, Würselen und Aachen gestartet.

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