Vortrag von Thomas Hax-Schoppenhorst: Kriegsgeneration in ständiger Angst

Vortrag von Thomas Hax-Schoppenhorst : Kriegsgeneration in ständiger Angst

Dass die Erlebnisse der Kriegsgeneration auch Jahre später noch psychische Nachwirkungen bei den Betroffenen haben, ist nicht verwunderlich. Wie tief solche Traumata sitzen und dass sie sogar spätere Generationen noch beeinflussen, legte Thomas Hax-Schoppenhorst in seinem Vortrag „In ständiger Angst“ im Haus der Stadt offen.

Hax-Schoppenhorst ist seit 1987 pädagogischer Mitarbeiter der LVR-Klinik Düren, Autor und Herausgeber. Er begann seinen Vortrag mit dem Beispiel seiner Mutter, die während ihr Mann an der Front war, ihre Tochter verlor. Dem Kind war wegen Kriegswirren in einem Krankenhaus ein falsches Medikament verabreicht worden. Das habe die Mutter so getroffen, dass sie bis zu ihrem Tod lange nach Ende des Krieges immer wieder auf diesen Verlust zu sprechen kam.

Am Beispiel seines Vaters erläuterte er, dass dessen Furcht vor einem Wiederausbruch des Krieges selbst zur Zeit des Wirtschaftswunders noch so tief saß, dass er kein Eigenheim bauen wollte, weil er Angst hatte, dieses Eigentum plötzlich wieder zu verlieren. Und hier schlug Hax-Schoppenhorst aus eigenem Erleben den Bogen zu seiner Generation. Auch er wollte lange kein eigenes Haus besitzen, was wohl auf dem Erleben des Vaters beruhe.

Geräusche wecken Erinnerungen

Er zitierte die Aussage, dass „der Zweite Weltkrieg heute in deutschen Altersheimen tobe“. Die Gedanken der Kriegsgeneration kehren permanent zu den einschneidenden Erlebnissen während der Kriegszeit zurück. So löse jeder Alarm und jedes Geräusch tief fliegender Flugzeuge die Furcht vor neuen Bombardierungen aus. Dagegen seien Gespräche über die Zeit des Krieges in den Familien während der direkten Nachkriegszeit und später eher selten gewesen. „Da hätte das Erlebte durch den seelischen Apparat durchschlagen müssen“, sagte Hax-Schoppenhorst, und das sei wegen der massiven Verletzungen der Seelen nur selten gelungen. Deshalb seien die wenigen angesprochenen Themen auch nur immer wiederholt worden.

Diese Traumata haben sich teilweise auf die Kinder und sogar Enkel ausgewirkt, die aufgrund des Verhaltens und der Reaktionen der Eltern und Großeltern ähnliche Symptome übernommen haben. Zum Schluss seines Vortrages mahnte Hax-Schoppenhorst, man möge auch heute die furchtbare seelische Wirkung von Kriegen nicht vergessen, denn es gebe schließlich an vielen Plätzen der Welt immer noch Kriege.

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