Mahnes-Theater führt zwei Stücke auf

Laientheater : Echte Mundart, starke Schauspielerei, viel Humor

Drei Wochenenden, neun Aufführungen: Wenn die Laienschauspieler des Boicher Mahnes-Theaters zu ihren Mundart-Vorstellungen in die Bürgerhalle bitten, wird es in der Regel eng. So auch jetzt, als rund 160 Gäste einen kurzweiligen Wochenausklang mit bester Unterhaltung genossen.

Mit viel Witz und plattdeutschem Charme präsentierte die Theatergruppe um Gründungsmitglied Addy Waider zwei lustige Stücke, bei denen kein Auge trocken blieb.

„Ne unverjessliche Besuch“ – der Titel der ersten Aufführung beschrieb das Erlebnis für die Gäste wohl recht gut. Die Geschichte rund um eine schräge Familie, die Besuch von einem befreundeten Ehepaar bekommt, forderte Lacher im Sekundentakt. Eigentlich hatte man sich nur zu Kaffee und „Prummetaat“ (Pflaumenkuchen) verabredet, doch es kommt zu mehreren skurrilen Verwechslungen und Missverständnissen. Erika und ihr Mann Hugo werden von den verschiedenen Familienmitgliedern fälschlicherweise für die Putzfrau, den Handwerker oder gar für einen Hund gehalten. Mit ihren Pointen, die nicht selten auf Wortneuschöpfungen, Mundart und diversen absichtlich eingebauten Grammatik- und Aussprachefehlern beruhen, ernteten die Darsteller viele Lacher und ebenso viel Applaus.

Auch das zweite Stück, das nach einer 30-minütigen Pause auf dem Programm stand, konnte die Besucher überzeugen. In „Neurosige Zeiten“ ging es um Cora, die aus einer adligen Familie stammt und in einer Psychiatrie landet. Im „Irrenhaus“ muss sie sich mit ihren ulkigen Mitbewohnern arrangieren. Hart auf hart kommt es, als ein Besuch ihrer nichtsahnenden Eltern ansteht und Cora und die Insassen vorspielen, in einem ganz normalen Zuhause zu sein.

Die gekonnte Mimik und Gestik sowie die insgesamt authentische schauspielerische Leistung lässt einen kaum glauben, dass es sich beim Mahnes-Theater um Amateure handelt. „Wir kommen alle aus Boich oder aus benachbarten Orten wie Drove und Stockheim“, erklärte Britta Salentin, Leiterin der etwa 25-köpfigen Gruppe. „Eine Ausbildung im Theaterbereich hat keiner von uns, wir sind einfach mit viel Herz dabei.“ Bereits seit 2004 existiert das Projekt, das damals von Gründer Addy Waider und einigen Interessierten nach dem Bau des Boicher Bürgerhauses initiiert worden war.

Eigeninitiative und regelmäßige Proben sind dabei ein Muss. In den Wochen vor den Auftritten wird etwa jeden dritten Tag geprobt. Die Stücke werden von Britta Salentin und ihrer Kollegin Maria Rühe schon im Frühjahr ausgesucht, teilweise umgestaltet und ins Plattdeutsche übersetzt.

Auch von den Boicher Bürgern kommt viel Unterstützung. Salentin: „Der Bürgerverein stellt uns die Räumlichkeiten sowie ein Thekenteam zur Verfügung. Auch die Bühnenbauer sind sehr bemüht und arbeiten ehrenamtlich.“

Echte Mundart, starke Schauspielerei, viel Humor und ein engagiertes Team – so lautet also das Erfolgsrezept des Mahnes-Theater. Wer die Gruppe live erleben will, hat dazu noch am kommenden Wochenende die Gelegenheit: Freitag, 11. Oktober um 19.30 Uhr, Samstag, 12. Oktober um 19 Uhr und Sonntag, 13. Oktober um 17 Uhr, jeweils in der Bürgerhalle in Boich.

(nie)
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