Kreuzau: Highland-Games locken rund 5000 Menschen

Highland-Games : Ein Stück Schottland in der Rureifel

Schotten sind ausgemachte Geizkragen, die gerne einen über den Durst trinken und alles frittieren, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Soweit die Vorurteile. Eines ist aber belegt: Wenn es um Jahrhunderte alte Traditionen und sportliches Kräftemessen geht, sind die Schotten robuste Gesellen. Wer also bei den Highland-Games etwas reißen möchte, muss einiges aushalten können. Das gilt für Wettkämpfe im schottischen Hochland ebenso wie in der Rureifel.

Erschwerend kommt hinzu, dass die „Highland Shadows Kreuzau“, die am Samstag zu den fünften Highland-Games an der Rur eingeladen hatten, gerne klassische Disziplinen neu interpretieren und die Messlatte extra hoch legen. Das macht die Wettkämpfe schwerer für die Sportler, aber umso spannender für die Zuschauer.

16 Clans aus ganz NRW

Rund 5000 Menschen verfolgten an der Sportanlage am „Monte Mare“ die Wettkämpfe, die sich die 16 Clans (Teams) in 13 Disziplinen lieferten. Mehr 100 Sportler waren aus ganz Nordrhein-Westfalen angereist, um in Kreuzau mitzumachen. Unter Dudelsack- und Trommelklängen der „Castle Pipers“ zogen alle Clans in die „Arena“, wo Björn Heck, Vorsitzender der „Highland Shadows“ aus Kreuzau, die Spiele feierlich eröffnete. Ganz schottisch, per Schwertschlag auf den Schild.

Mit dem Baumstammwerfen („Tossing the Carber“), dem Gewichtweitwurf und der Prüfung „Stone of Manhood“, bei der bis zu 100 Kilogramm schwere Steinbrocken auf ein Podest gehoben werden müssen, bedienten sich die „Highland Shadows“ aus dem klassischen schottischen Repertoire. Eigene Interpretationen beziehungsweise Neuerfindungen waren Disziplinen wie „Skiing the Lawn“ (Rasen-Ski), bei der die fünfköpfigen Teams ihr Koordinationsvermögen unter Beweis stellen mussten, sowie eine abgewandelte Version des Baumstamm-Slaloms.

Es reichte nicht, den Stamm durch den Parcours zu schlängeln, jedes Team musste noch einen Kämpfer stellen, der sich am Stamm festklammerte. Höhepunkt der Überraschungen war der Wassergraben, den die Teilnehmer hangelnd überwinden mussten. An diesem Punkt wurde übrigens auch die alte Frage beantwortet, was der Schotte eigentlich unter dem Rock trägt. Die Reihenfolge, in denen jedes Team die Disziplinen angeht, konnte von den Sportlern selbst bestimmt werden. Die Moderatoren Marijan Katrusa und Ay Jay führten die Zuschauer durch den Parcours, erklärten die Aufgaben und vermittelten viel Hintergrundwissen.

Wichtig war für alle Sportler, dass die Kraft gut eingeteilt wurde, denn spätestens beim Tauziehen, wurden die letzten Reserven verbrannt. Der stärkste Clan des Tages waren die „Dragon Fighters“ aus Hamm, die die vierfachen Deutschen Meister „Paradise Punks“ (Kempen) auf den zweiten Platz verbannten. Bronze holten sich die „Mad Dogs“ (Coesfeld). Konkurrenzlos gut waren das Frauenteam „Crazy Bumble Bees“ und die Juniorenmannschaft „Mc Glory Knights“.

Einen wahren Achtungserfolg erzielten die Jung-Schotten der KG „Frohsinn“ Oberzier, die zwar schon viele Jahre als Zuschauer dabei sind, sich aber spontan am Samstag mit einem Team anmeldeten. „Mäc Frohsinn“ belegte den 13. Platz und hatte damit nicht die rote Laterne in der Hand. Im kommenden Jahr wissen die frischgebackenen Highland-Games-Veteranen, was auf sie zukommt. Zumindest größtenteils, denn vor Überraschungen ist in Kreuzau niemand gefeit.

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