Kita St. Martin Drove: Als Ernährungs-Kita zertifiziert

Kreuzauer als Ernährungs-Kita zertifiziert : Gesundes Essen statt Süßes von zu Hause

„Wir gehen ins Restaurant. Wir möchten jetzt frühstücken.“ Die beiden kleinen Mädchen, die offensichtlich Hunger haben, sind fünf Jahre alt und besuchen die Katholische Kindertagesstätte in Drove. 64 Jungen und Mädchen spielen, lernen und toben dort jeden Tag, betreut werden sie von zehn Erziehern. Und in der Tat: In der Kita St. Martin gibt es ein Restaurant. Dort ist gerade ein kleines, kindgerechtes Frühstücksbuffet aufgebaut. Mit Brot, Butter, Wurst, Käse, klein geschnittenem Obst und Gemüse.

Der Grund für das „Kita-Restaurant“ ist schnell erklärt. Der Kindergarten in Drove, der in Trägerschaft der katholischen Gesellschaft „Profinos“ ist, ist seit einiger Zeit ein von mehreren Kranken- und Gesundheitskassen zertifizierter Ernährungskindergarten.

Aber was ist das überhaupt? Und wie sinnvoll sind immer neue Zertifizierungen für Kitas wirklich? Haus der kleinen Forscher, Sprach-Kita, Schwerpunkt-Kita für Integration und Bewegungskindergarten, ein spezielles Qualitätssiegel, das die Kirche für ihre Einrichtungen vergibt – die Möglichkeiten für Kitas sich für ein bestimmtes Gebiet zertifizieren zu lassen, sind groß. „Das ist richtig“, sagt Christoph Acker, Leiter der Kita in Drove. „Aber es auch nicht darum, immer mehr Programme anzubieten. Ich finde es wichtig, dass auch in einer Kita kein Stillstand herrscht, was das Bildungsangebot betrifft.“

Seine Einrichtung sei schon länger vom Kreissportbund zertifizierte Bewegungs-Kita. „Das Programm Ernährungs-Kita ist eine Erweiterung dieses Konzepts. Beides passt also zusammen. Und wenn man bedenkt, dass nicht wenige Jungen und Mädchen 45 Stunden pro Woche im Kindergarten sind, ist es sehr sinnvoll, dass sie sich dort mit den Themen Bewegung und gesunde Ernährung auseinandersetzen.“ 34 der 64 Kita-Kinder aus Drove essen in der Einrichtung zu Mittag, alle frühstücken in der Kita. Das Mittagessen kostet 2,60 Euro pro Tag, für das Frühstück zahlen die Eltern acht Euro im Monat. „Dass alle hier frühstücken“, erklärt Acker, „hat den großen Vorteil, dass keiner von zu Hause Essen mitbringt. Und so kommen wir gar nicht in die Situation, beispielsweise das Mitbringen von Süßigkeiten verbieten zu müssen.“

Das ist Teil des Ernährungskonzeptes, das Acker und seine Kollegen, die an einer zweitägigen Fortbildung teilgenommen haben, erarbeitet haben. In der Kita in Drove soll es keine Süßigkeiten und gesüßten Getränke geben, jedenfalls nicht an einem normalen Tag. „Natürlich ist eine Runde Eis an einem besonders heißen Tag erlaubt“, sagt Acker. „Und wenn ein Kind Geburtstag hat, darf es auch für seine Freunde Muffins mitbringen. Grundsätzlich sollen die Kinder aber ihre Ration Süßigkeiten zu Hause essen.“

Kita-Leiter Christoph Acker. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Und das funktioniert auch, betont der Kita-Leiter. „Die Kinder wissen, dass es keine Süßigkeiten gibt und sie fragen auch nicht danach.“ Überhaupt sei deutlich spürbar, dass die Jungen und Mädchen Lebensmittel völlig anders wahrnähmen. Acker: „In unserer Einrichtung hängt eine große Ernährungspyramide, und die Kinder lernen, welche Lebensmittel ihnen gut tun und welche nicht.“ Acker nennt noch ein Beispiel: Zum Nachmittags-Snack bekommen die Kleinen Obst und Gemüse oder Knäckebrot mit Kräuterquark. „Und die Kinder mögen und essen das auch.“

Neben der Einrichtung eines „Kita-Restaurants“, dem gemeinsamen Frühstück und dem gesunden Nachmittags-Snack gehören zum Konzept der Ernährungs-Kita auch eine jährliche Themenwoche zu einem bestimmten Nahrungsmittel wie beispielsweise Erdbeeren, in der dann ein Erdbeergarten angelegt, Erdbeerdeko gebastelt und Rezepte mit Erdbeeren zubereitetet werden sowie regelmäßige Elternabende, die sich ebenfalls mit dem Thema Ernährung beschäftigen.

Christoph Acker: „Uns berichten Eltern, dass ihre Kinder mittlerweile zu Hause vermehrt nach gesunden Lebensmitteln fragen.“ Darüber hinaus spielten in der Ernährungskita natürlich auch das Kennenlernen von Esskulturen und Tischsitten eine Rolle. „Wir haben im Kollegenkreis, aber auch mit den Kindern spezielle Regeln für die Mahlzeiten aufgestellt. Dabei lernen die Kinder, wie schön es ist, gemeinsam zu essen und sich dabei mit anderen zu unterhalten.“ Zu guter letzt gehören zum Alltag in der Ernährungs-Kita auch Besuche auf dem Wochenmarkt und in der Bäckerei. „Außerdem machen wir Bewegungs- und Entspannungsangebote, damit die auch ein Bewusstsein für ihren Körper und ihre Gesundheit entwickeln.“

Die beiden Mädchen im Drover „Kita-Restaurant“ haben sich mittlerweile ihr Frühstück ausgesucht und sich an den Tisch gesetzt. Jetzt stehen zwei Jungs am Buffet, das von 8 bis 10 Uhr geöffnet ist. Und auch das gehört zum Konzept der Ernährungs-Kita: Man muss nur dann essen, wenn man auch wirklich Hunger hat.

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