Ingo Cremer gewinnt bei den „World Police & Fire Games“ zweimal Silber

„World Police & Fire Games“ : Ingo Cremer kommt mit zweimal Silber zurück aus China

Die Voraussetzungen waren alles andere als ideal: Kurz vor Beginn der „World Police & Fire Games“ im chinesischen Chengdu zog sich Kraftsportler Ingo Cremer eine schmerzhafte Entzündung im Schulterbereich zu, die bis in die Oberarm-Muskulatur ausstrahlte.

Dann musste einen Tag vor dem Abflug ins Reich der Mitte auch noch sein Trainer passen und ein Ersatzmann konnte so kurzfristig aufgrund der Visabestimmungen nicht mehr nominiert werden. Der 44-Jährige aber ließ sich nicht irritieren, wagte das zehntägige Abenteuer und belohnte sich mit zwei Silbermedaillen für seinen Trophäenschrank.

Die „World Police & Fire Games“ finden alle zwei Jahre statt und sind mit bis zu 10.000 Teilnehmern in den verschiedenen Sportarten und Disziplinen so etwas wie die Olympischen Spiele für Polizisten, Feuerwehrleute, Zoll- und Justizbeamte. Für Ingo Cremer, der in der Justizvollzugsanstalt Euskirchen als Sportbeamter arbeitet, waren die Spiele in der 14-Millionen-Metropole Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan im Südwesten Chinas, bereits die vierten. 2013 gewann er bei seinem Debüt Bronze, 2015 und 2017 jeweils Gold im Kraftzweikampf, zudem vor zwei Jahren auch noch Gold im Bankdrücken mit Weltrekord (150 Kilogramm). Und die Bestleistung in der Klasse bis 83 Kilogramm der 40- bis 44-Jährigen ist immer noch aktuell.

Cremer ist mittlerweile „aufgestiegen“, startete in China erstmals in der sehr stark besetzten Klasse bis 93 Kilogramm, in der Gegner aus Amerika, Asien und Europa auf ihn warteten. Wie beim olympischen Gewichtheben hat jeder Teilnehmer auch beim Bankdrücken drei Versuche, „mit reiner Muskelkraft, ohne stützende Kleidung“, wie Cremer betont. Und weil sein Trainer diesmal fehlte, konnte sich der 44-Jährige nicht nur aufs Heben konzentrieren, sondern musste immer auch im Auge behalten, welche Gewichte die Konkurrenz, allen voran der spätere Sieger aus den USA und ein Athlet aus Island, auflegen ließ.

Ingo Cremer zeigt stolz seine beiden Silbermedaillen. Foto: ZVA/Jörg Abels

Cremer meisterte im ersten Versuch 145 Kilogramm, steigerte sich dann auf 155 und ließ im dritten 160 Kilo folgen. Vor seiner Verletzung hatte er im Training auch bereits 170 Kilogramm zur Strecke gebracht. Das hätte vermutlich für Gold gereicht, denn der US-Amerikaner bezwang „nur“ 167,5 kg. „Doch das Risiko eines Muskelrisses war einfach zu hoch“, räumt Cremer ein. Dafür gewann er am letzten Wettkampftag noch eine zweite „Silberne“, diesmal im Kraftzweikampf, der Kombination aus Bankdrücken und Kreuzheben, bei dem die Athleten das Gewicht vom Boden so hoch anheben müssen, dass die Beine und der Rücken gestreckt sind.

2021 geht’s nach Rotterdam

2021 will Ingo Cremer wieder an den „World Police & Fire Games“ teilnehmen und in der nächsten Altersklasse noch einmal Gold ins Visier nehmen. Dann ist Rottderdam Austragungsort der Spiele, die 2023 im kanadischen Winnipeg stattfinden werden und immer auch eine gute Gelegenheit sind, mit den Kollegen über ihre Arbeitsverhältnisse zu sprechen, betont Cremer. Jetzt aber will der Kraftsportler erst einmal ein wenig kürzer treten und seine Verletzung hundertprozentig auskurieren, um 2021 wieder angreifen zu können. In der heißen Vorbereitungsphase auf den Wettkampf trainiert der 44-Jährige vier- bis fünfmal die Woche, bis zu drei Stunden je Einheit.