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Highland Games in Kreuzau: Am Stausee fliegen Steine und Stämme

Highland Games in Kreuzau : Am Stausee fliegen Steine und Stämme

Am Stausee in Obermaubach fliegen am 13. August Steine und Baumstämme. Dann finden die „Highland Games“ statt.

Man fühlt sich etwas in den Film „Highlander“ versetzt, der Mitte der 1980er Jahre in die Kinos kam, wenn man den Clubraum von Björn Heck betritt. An der Wand hängen Schilde mit der schottischen Flagge und Schwerter, in den Regalen stehen verschiedene Whisky-Flaschen. Ganz so, wie man sich einen Raum im schottischen Hochland zur Zeit des Mittelalters vorstellt. Heck ist jedoch kein Schotte, vielmehr ein Kreuzauer, der in seiner Wahlheimat vor Jahren etwas Besonderes geschaffen hat.

Highland Shadows

Die Geschichte mit Christopher Lambert in der Hauptrolle von einem jungen Schotten, der von seinem eigenen Clan verstoßen wird, weil er unsterblich ist, hat den 52-Jährigen schon in jungen Jahren fasziniert. Und inspiriert, denn vor acht Jahren gründete er mit weiteren Interessierten die Highland Shadows in Kreuzau. Am Wochenende finden am Stausee in Obermaubach „Highland Games“ statt.

 Der Wahl-Kreuzauer Björn Heck steht als Vorsitzender einem der größten Clans in Deutschland vor.
Der Wahl-Kreuzauer Björn Heck steht als Vorsitzender einem der größten Clans in Deutschland vor. Foto: Willi Petric/Highland Shadows

Im Film lautet der Kernsatz: „Es darf nur einen geben.“ Nur einen Menschen, der scheinbar unsterblich bleibt, denn der Verlust des eigenen Kopfes führt in dem Film dazu, eben doch das Zeitliche zu segnen. Allerdings geht es bei den Spielen in Kreuzau weniger brutal zu. Im Gegenteil: „Die Clans in Deutschland pflegen ein freundschaftliches Miteinander, der Wettstreit ist rein sportlich“, betont Heck. Am Stausee werden daher Vereine oder besser: Clans aus ganz Deutschland erwartet.

15 Teams werden sich am Samstag, 13. August, ab 12 Uhr auf dem Sportplatz am Stausee in zwölf Disziplinen messen. Es müssen etwa 60 Kilogramm schwere Baumstämme so geworfen werden, dass sie sich einmal überschlagen und möglichst gerade vor dem Werfer liegen bleiben. „Tossing the caber“ nennen das die Schotten. Bei „Putting the Stone“ geht es – analog zum Kugelstoßen – darum, einen Stein möglichst weit zu werfen. Auch bei „Stone of Manhood“ steht ein Stein im Mittelpunkt – allerdings mit mindestens 60 Kilogramm deutlich schwerer als im Weitwurf. Ihn gilt es auf ein Podest zu hieven.

Auf dem ersten Blick steht vor allem die Muskelkraft im Vordergrund. Aber der Schein trügt, wie Heck verrät: „Vieles hat mit Technik zu tun.“ Darum wird regelmäßig trainiert. An drei Tagen üben die Highland Shadows und feilen an ihrem Können. Bei den Deutschen Meisterschaften ergatterten sie den fünften Platz im Zehnkampf. „Dabei waren wir im Durchschnitt das älteste Team“, sagt Heck, der als Vorsitzender des Kreuzauer Vereins den Namen „Shadow“ trägt. Übrigens: Sämtliche Disziplinen werden stilecht im Schottenrock ausgetragen.

 Seit der Gründung des Vereins in Kreuzau ist er ständig gewachsen. „Mit aktuell 148 Mitgliedern sind wir einer der größten Clans in Deutschland“, berichtet Heck. Neben den „Highland Games“ zeichnet der Club für das Maibaum-Weitwerfen und den Weihnachtszauber auf dem Dorfplatz verantwortlich. Der ursprüngliche Platz der schottischen Wettspiele kann jedoch nicht mehr genutzt werden: Bei der Premiere fanden die „Highland Games“ auf dem Areal hinter der Kreuzauer Festhalle statt. Dort steht nun die Skate-Anlage. Deswegen folgte der Umzug nach Obermaubach an den Stausee.

Ganz ohne Nebengeräusche blieb der Umzug allerdings nicht, wie Heck auch in der Vereinsschrift erläutert. Ursprünglich war der Verein nämlich davon ausgegangen, den Wettkampfort weiter nutzen zu können, wenn die Skate-Anlage gebaut ist, weil man davon ausgegangen war, dass dafür die Container weichen. Heck schreibt von einer „kleinen Fehlinformation“. Und da die „Highlander“ bei der Unterschriftensammlung den Skate-Park unterstützt haben, führte dies laut Heck dazu, dass man tatkräftig dabei geholfen habe, die eigene Veranstaltungsfläche zu begraben.

Zeltstadt auf Sportplatz

In Obermaubach folgt also nun der Neustart nach zweijähriger Corona-Pause vor hoffentlich vielen Zuschauern. Dazu wird sich der Sportplatz in eine kleine schottische Zeltstadt verwandeln mit Verkaufs- und Essensständen, aber eben auch mit der Wettkampffläche. Für die 6. „Highland Games“ wird auch das Heim des Eschweiler Kanu-Clubs nebenan genutzt. Für passende Dudelsack-Musik sorgen die „Pipes & Drums“ aus Wassenberg, und am Abend rocken „Basement Rock“ und „Roxy“ den See.

Zurück zum Filmmotto „Es kann nur einen geben“. Beim Höhepunkt des Tages, dem Tauziehen oder besser dem „Tug of War“, bleibt in der Tat nur ein Team übrig. Um 17.30 Uhr steht die Königsdisziplin an. „Danach werden wir alle ziemlich fertig sein“, gesteht Heck. Aber wer Schotten kennt, weiß, dass nach der Siegerehrung um 18.30 Uhr erst das richtige Fest beginnt.