Düren: Kreis Düren will Gebäude des Nordbahnhofs ankaufen

Düren: Kreis Düren will Gebäude des Nordbahnhofs ankaufen

Wenn Landrat Wolfgang Spelthahn von einem „Teilerfolg“ spricht, untertreibt er. 15 Jahre lang haben die Rurtalbahn und die Beteiligungsgesellschaft des Kreises Düren mit der Deutschen Bahn verhandelt, um den nördlichen Teil des Dürener Bahnhofsbereichs zu erwerben. „Nach 15 Jahren haben wir den Durchbruch erreicht.

Nächste Woche wird der Vertrag notariell bestätigt.“ Ganz zufrieden ist Spelthahn dennoch nicht: Er hätte gerne das Bahnhofsgebäude gleich mit erworben.

Mitverhandelt wurde stattdessen gleichzeitig der Ankauf der Bahnstrecke von Düren bis Euskirchen — das war die Grundvoraussetzung, um den geplanten Betrieb der Bördebahn auf dieser Strecke aufnehmen zu können. Auch diese Streckenübertragung ist „endverhandelt“, wie Spelthahn sagt. Ziel erreicht, und Spelthahn könnte eigentlich vor Freude in die Luft springen, schließlich löst er ganz nebenbei mit diesem umfangreichen Vertragswerk gleich mehrere Probleme: Mit der Übertragung des sogenannten Nordbahnhofs kann endlich auch die Planung für die Nordtangente — die B 399n — in Angriff genommen werden.

Die soll nämlich vierspurig ab der Josef-Schregel-Straße bis hoch zur Schoellerstraße über das Bahngelände führen. Die Abstimmung der Trasse ist bereits Mitte 2016 erfolgt, selbst das Offenlegungsverfahren ist umgesetzt worden. Was fehlt, ist das Baurecht. Gerhard Decker vom Landesbetrieb Straßen NRW: „Wenn der Vorentwurf der Planung bis Ende 2018 überarbeitet ist, könnte der Erörterungstermin mit der Bezirksregierung 2019 stattfinden.“ Das Baurecht, sagt Decker, könnte dann 2020 vorliegen. „Wenn alles reibungslos läuft, könnte man dann 2021 mit dem Bau beginnen“, hofft Decker.

Ein weiterer Teil des unterschriftsreifen Deals: Die Rurtalbahn tritt das Gleis 23 an die Deutsche Bahn ab. Die Bahn kann dieses Gleis dann als nördliche Umfahrung des Bahnhofs nutzen. Das war notwendig, um den geplanten Rhein-Ruhr-Express (RRX) zwischen Köln und Aachen pendeln zu lassen und erklärte zuletzt zumindest den Wunsch der Bahn, nach 15 Jahren Verhandlungen zu einem zügigen Abschluss zu kommen.

Dass Spelthahn trotz all dieser positiven Nachrichten nur von einem „Teilerfolg“ spricht, liegt an der Weigerung der Bahn, das Bahnhofsgebäude gleich mit zu verkaufen. „Das will ich nicht widerstandslos hinnehmen“, sagt er. Zumal es das entsprechende Angebot zum Kauf vor Jahren schon einmal gab — aber nur an die Stadt. „Mir ist nicht klar, warum sich die Bahn hier verweigert. Man kauft ja sonst auch kein Haus ohne Eingangstür“, argumentiert Spelthahn. Für ihn stellt das Bahnhofsgebäude „das Eingangstor in die Region“ dar.

Beschwerden der Bürger

Dass die Bahn selbst mit dem Gebäude nur wenig pfleglich umgeht, ist offensichtlich. Spelthahn: „Es gibt ständig intensive Beschwerden von den Bürgern.“ Die Fahrstühle funktionieren selten, die sanitären Anlagen sucht man nicht freiwillig auf. „Wenn der jetzige Zustand erhalten bleibt und die Bahn wie bisher nur nach massivem Druck nachbessert, werden wir auch künftig kein attraktives Zugangsportal erhalten“, sagt Spelthahn.

Ihm ist klar, dass man Geld in die Hand nehmen müsste, um den Bahnhof zu erwerben und vor allem zu modernisieren. Dennoch glaubt er, dass dies nahezu kostenneutral geschehen könne, weil beispielsweise die Rurtalbahn ebenfalls ein neues Verwaltungsgebäude benötige und stattdessen dann als Ankermieter in einen modernisierten Bahnhof einziehen könne.

„Ich sehe eine öffentliche Verpflichtung, hier tätig zu werden.“ Eine Position, die im Übrigen von der Stadt Düren geteilt wird, wie Spelthahn nach Gesprächen mit Bürgermeister Paul Larue und Baudezernent Paul Zündorf erklärt. Zündorf selbst hatte zuletzt Mitte 2017 mit der Bahn über den Ankauf des Gebäudes verhandelt und war ebenfalls gescheitert. Spelthahn: „Im Bahnhof befinden sich jeden Tag Tausende Menschen, die ein- und auspendeln. Da könnten sich auch Stadt und Kreis wunderbar präsentieren.“

Spelthahn ist jedenfalls gewillt, die Diskussion um den Erwerb des Bahnhofs neu anzustoßen. „Sollte die Bahn zum Verkauf nicht bereit sein, dann muss sie selbst in den Bahnhof investieren.“ Der entsprechende Brief an den Bahnvorstand ist bereits diktiert.

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