Kreis Düren: Wie Britta M. mit Hilfe der Job-com eine neue Bleibe fand

Nach Jahren ohne Wohnung : Wie Britta M. wieder ein Dach über dem Kopf bekam

Vier Jahre lang hatte Britta M. (Name von der Redaktion geändert) keine eigene Wohnung. Vier Jahre hat sie auf der Straße geschlafen, hin und wieder bei Bekannten und ganz oft im Vorraum ihrer Bank, dort, wo die Automaten stehen.

„Es war mir immer wichtig, mein Konto und meine Bankkarte zu behalten, damit ich dort rein konnte. In ein Mehrbettzimmer in einer Notschlafstelle wollte ich einfach nicht.“ Britta M. ist Ende vierzig, alleinstehend und Mutter eines erwachsenen Sohnes. Sie hat weder eine Schul- noch eine Berufsausbildung und nimmt Drogen.

„Jeder Antragsteller ist ein eigenes Schicksal“, sagt Karl-Josef Cranen, einer der beiden Amtsleiter der Dürener Job-com und zuständig für die Sicherstellung der Leistungen zum Lebensunterhalt von rund 22.000 Personen – so viele werden von der Job-com betreut. „Natürlich ist unser erstes Ziel, die Menschen wieder in Arbeit zu vermitteln“, erklärt Cranen. „Unsere Klienten sind alle erwerbsfähig, ansonsten wären wir auch nicht zuständig. Bei Britta M. gibt es viele Vermittlungshemmnisse. Dazu hat die Wohnungslosigkeit gehört, dazu gehört auch die Drogenabhängigkeit.“

Etwa 100 Menschen ohne Wohnung werden bei der Job-com derzeit betreut, zwei Mitarbeiter aus dem Team von Astrid Vornhagen haben sich auf diese Leute spezialisiert. „Die Betreuung von Menschen ohne Wohnung“, sagt Vornhagen, „ist viel engmaschiger. Und wir reagieren sehr schnell, zum Beispiel, wenn sich die Möglichkeit auftut, eine Wohnung zu finden.“

Selbst auf Wohnungssuche gehen

Grundsätzlich müssen die Klienten der Job-com selbst auf Wohnungssuche gehen. „Das können wir ihnen nicht abnehmen“, erklärt Vornhagen. „Weil es darum geht, dass die Leute selbstständig und eigenverantwortlich handeln.“ Auch Britta M. hat ihre neue Wohnung selbst gesucht – und nach vier Jahren auch bekommen. Aus ihrer alten Wohnung sei sie geflogen, weil sie die Miete zu spät gezahlt habe.

Der neue Vermieter sei endgültig überzeugt und bereit gewesen, mit ihr einen Mietvertrag abzuschließen, als er erfahren hat, dass Miete und Kaution von der Job-com gezahlt werden. „Es gibt gewisse Obergrenzen, die bei der Miete nicht überschritten werden dürfen. Werden die eingehalten, so wie bei Britta M., zahlen wir die Miete direkt an den Vermieter. Damit kommen die Zahlungen sicher und zuverlässig.“ Darüber hinaus zahlt die Job-com Einrichtungsbeihilfe.

Britta M. war von so viel Hilfe überwältigt. Sie hat sich mit einem Brief bei ihrem Fallbetreuer bedankt. „Ich glaube, dass ich es jetzt wirklich schaffen kann“, sagt sie. „Dass ich wieder ein Dach über dem Kopf habe, bedeutet mir unglaublich viel.“

Als nächstes will sie ihre Sucht bekämpfen, danach eine Arbeit suchen. „Ich will meinen Lebensunterhalt selbst bestreiten.“ Ob das wirklich gelingt, wird die Zukunft zeigen. Völlig unmöglich ist es nicht. Allein im vergangenen Jahr ist es den Mitarbeitern der Job-com gelungen, 3700 Menschen in Arbeit oder Ausbildung zu vermitteln.

Gute Arbeitsmarktsituation

Cranen: „Die Zahl unserer Klienten war vor September 2015 ungefähr genauso hoch wie heute. Die gut 2000 Flüchtlinge, die in den Kreis Düren gekommen und Leistungsbezieher der Job-com geworden sind, haben nicht dazu geführt, dass die Zahl unserer Klienten deutlich gestiegen ist. Das liegt daran, dass wir eine gute Vermittlungsrate haben. Dabei hat uns natürlich die gute Situation auf dem Arbeitsmarkt geholfen.“

Rund 7000, also etwa ein Drittel, der Job-com-Kunden sind Kinder, 3000 zwischen 15 und 25 Jahre alt. „Und mehr als die Hälfte“, ergänzt Cranen, haben ein Einkommen, das aber nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Was der Leiter der Job-com sagen möchte: Die, die im Augenblick noch von seinen Mitarbeitern betreut werden, sind durchaus schwierige Klienten, die hohen Betreuungsbedarf haben.

Mehr von Aachener Zeitung