Kreis Düren: Was wünschen sich Familien?

Familienumfrage : Wie lebt es sich als Familie im Kreis Düren?

Was wünschen sich Familien im Kreis Düren? Wie zufrieden sind sie mit den Angeboten vor Ort und ihrem unmittelbaren Lebensumfeld? Fragen, die der Kreis Düren im Rahmen einer groß angelegten Umfrage allen Familien mit mindestens einem Kind unter sieben Jahren gestellt hat.

Am Montag wurden im Kreishaus die Ergebnise vorgestellt. Seit sechs Jahren verfolgt der Kreis Düren einen vorbeugenden Ansatz zur Verbesserung der Chancengleichheit aller Kinder und Jugendlichen. Unter dem Motto „Gut aufwachsen im Kreis Düren“ werden in enger Zusammenarbeit mit den freien Trägern und den 15 Kommunen im Kreis die Angebote im Bereich Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, Gesundheit, Schule, Bildung, Sport und Ausbildung zu bündeln und auszubauen.

„Dabei“, betonte Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU), „ist es uns besonders wichtig, dass wir immer die Bedürfnisse unserer Zielgruppe im Blick haben und nicht an den Bedürfnissen der Menschen vorbei arbeiten.“ Deswegen hat der Kreis Düren das Bochumer Büro „Faktor Familie“ mit einer Umfrage beauftragt. 2957 Familien mit mindestens einem Kind unter sieben Jahren aus allen Städten und Gemeinden im Kreis Düren (außer der Stadt Düren) sind aufgefordert worden, an der Umfrage teilzunehmen. Immerhin 1348 Familien haben mitgemacht. Spelthahn: „Wir sprechen also von einer Beteiligung von 45,6 Prozent. Das ist eine hervorragende Quote, zumal der Rücklauf auch der Vereiteilung der Familien in den Kommunen entspricht, so dass wir von einem repräsentativen Ergebnis sprechen können.“ Befragt worden sind die Eltern unter anderem nach der Lebensqualität vor Ort, der Lebenssituation der Familie, ihrer Inanspruchnahme präventiver Angebote und der Kinderbetreuung im Kreis Düren.

96 Prozent der Befragten gaben en „sehr gerne“ oder „eher gerne“ im Kreis Düren zu wohnen. Als Gründe nannten sie eine gut funktionierende Nachbarschaft, familiäre Bindungen in der Nähe und ein gutes Angebot an Kinderbetreuung. Einzig in den Bereichen Freizeit und Kultur gab es negative Bewertungen. Annett Schultz vom Büro „Faktor Familie“: „Was die Fragen nach der Inanspruchnahme präventiver Angebote angeht, sind Angebote wie Geburtsvorbereitungskurse, Spielkreise, Babyschwimmen und auch der Babybegrüßungsdienst weit mehr als der Hälfte der Familien bekannt.“

Sprechstunden des Jugendamtes in den verschiedenen Kommunen oder das Angebot der frühen Hilfen seien dagegen weniger bekannt. Schultz: „Besonders bei Familien mit Migrationshintergrund sind die meisten Angebot völlig unbekannt. Aber es ist Grundsätzlich der Wunsch der Eltern nach einer gebündelten Übersicht aller Angebote deutlich geworden.“ Darüber hinaus, ergänzt die Diplom-Soziologin, die sich auf lokales Familienforschung und Familienpolitik spezialisiert hat, gabe es bei den Eltern drei weitere große Kritikpunkte: „Viele bemängeln, dass die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Kreis Düren nicht optimal ist und viele Angebote ohne Auto kaum oder gar nicht zu erreichen sind“, sagt Schultz.

Doris Peitz, Elke Ricken-Melchert , Wolfgang Spelthahn und Annett Schultz (von links) präsentieren die Umfrage-Ergebnisse. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Darüber hinaus seien viele Angebote, zum Beispiel Babyschwimmen, total überlaufen. „Ein weiterer Kritikpunkt der Eltern ist, dass viele Kurszeiten und auch die Randöffnungszeiten der Kindertagesstätten zu starr und unflexibel sind. Das zusätzliche beitragsfreie Kindergartenjahr ist dagegen den meisten bekannt und wird auch sehr positiv bewertet.“

Landrat Spelthahn bewertete die Ergebnisse der Umfrage als durchweg postitiv.“Trotzdem möchten und werden wir natürölich auf die Ergebnisse auch reagieren. Alles andere würde ja auch überhaupt keinen Sinn amchen.“

In Sachen öffentlicher Personaennahverkehr (ÖPNV) laufe derzeit die Ausschreibung zum Nahverkehrsplan. Spelthahn: „Wir hoffen, dass wir bald entscheiden und dann das Angebot im öÖPNV deutlich ausweiten können.“ Auch mit den Anbietern der Kurse sollen Gespräche geführt werden, um flexiblere Kurszeiten möglich zu machen. „Gleiches gilt für die KIta-Öffnungszeiten“, betont Spelthahn. „Die Lebenswirklichkeit der Eltern hat sich verändert. Dem müssen wir Rechnung tragen.“

Um noch familienfreundlicher zu werden, soll bereits im kommenden Jahr ein „Familien-Servicebüro“ im Haus C des Kreishauses eingerichtet werden. Elke Ricken-Melchert, Leiterin des Amtes für Demografie, Kinder, Jugend, Familie und Senioren: „Ein ergebnis der Umfrage war auch, dass viele Familien sich mit der Online-Anmeldung für Kita-Plätze schwer tun. Hilfe und Beratung in Sachen Kita-Navigator soll ein Angebot dieses Büros sein.“

Mehr von Aachener Zeitung