Kreis Düren: Neue Rettungsleitstelle mit modernster Computertechnik

Neue Rettungsleitstelle für den Kreis Düren : „Ein Quantensprung für die Sicherheit“

Ab sofort laufen alle Notrufe über die 112 aus dem gesamten Kreis Düren in der neuen, hochmodernen Leitstelle auf dem Gelände des Feuerschutztechnischen Zentrums ein.

Mehr als sieben Millionen Euro hat der Kreis in das neue Gehirn des Rettungswesens investiert, mit dem alle Feuerwehr- und Rettungsdiensteinsätze zwischen Titz und Heimbach koordiniert und abgearbeitet werden, davon allein rund 4,1 Millionen Euro in die aktuellste Version der Leitstellentechnik, erklärt Amtsleiter Ralf Butz. „Cobra“, so heißt diese Technik,   unterstützt die Disponenten bei der Abwicklung der rund 200.000 im Jahr in Stockheim eingehenden Anrufe, die zu mehr als 50.000 Einsätzen führen.

Alles doppelt vorhanden

Butz und sein Stellvertreter Martin Thiedecke sprechen beim Blick in die neue Leitstelle von „einem Quantensprung für die Sicherheit der Bürger im Kreis Düren“. Denn mit der neuen Leitstelle ist der Kreis Düren für jeden nur erdenklichen Notfall gerüstet. Nicht nur dass alle Systeme – von der Telekommunikation über die Stromversorgung bis zur Servertechnik – doppelt vorhanden sind, auch für den eher unwahrscheinlichen Fall, dass in Stockheim zum Beispiel aufgrund eines Erdbebens nicht mehr gearbeitet werden könnte, wäre der Kreis gewappnet. Dann könnten die Einsätze problemlos von Euskirchen oder Heinsberg aus koordiniert werden, erklärt Butz. Kurzfristig könnten wir auch zur Polizei in Düren ausweichen“, ergänzt Tiedecke. „Damit erfüllen wir eine neue gesetzliche Vorgabe“, erklärt der Amtsleiter, die einen mehr als nachvollziehbaren Hintergrund hat: „Jede Minute kann jemand sterben, wenn wir hier keine Anrufe entgegennehmen können.“ betont Butz. Deshalb ist Redundanz, das Vorhalten von Ersatzsystemen, das A und O, intern wie extern. Aus diesem Grund ist die neue Rettungsleitstelle des Kreises Düren so dimensioniert, dass sie bei Bedarf auch Kollegen aus den beiden benachbarten Kreisen aufnehmen kann.

Blick in eine der beiden Server-Räume der neuen Leitstelle. Foto: ZVA/Jörg Abels

Gab es in der alten Leitstelle ganze vier Arbeitsplätze, so verfügt die neue über deren neun, ausgestattet mit jeweils sechs Monitoren: vier für die Leitstellentechnik, sprich die Abwicklung der Einsätze, einer ausschließlich für die Telefonie und ein weiterer für die Arbeit als Teil der Kreisverwaltung. Informationen, die allen Disponenten zur Verfügung stehen müssen, können zudem über eine große Multimediawand angezeigt werden: Wie sieht die aktuelle Belegung der Krankenhäuser aus, welche Fahrzeuge des Rettungsdienstes und der Feuerwehr sind aktuell im Einsatz, der Wetterradar bei Unwetterwarnungen, nennt Leitstellenleiter Stefan Nepomuck nur einige Beispiele. Auch Kartenauszüge zum Beispiel mit Überschwemmungsprognosen können an die Wand geworfen werden.

24 Mitarbeiter umfasst das Team der Leitstelle, fünf Disponenten bilden eine 24-Stunden-Schicht. Tagsüber koordinieren in der Regel immer drei parallel die Einsätze, in Spitzenzeiten sitzen aber auch schon mal vier am Platz, erklärt Nepomuck, am späten Vormittag und Mittag, weil dann auch die Entlassungen in den Krankenhäusern anstehen und zahlreiche Krankentransportfahrten abgewickelt werden müssen. Und selbst in der meist ruhigen Nacht stehen immer zwei Disponenten Gewehr bei Fuß, Redundanz ist auch hier das Stichwort.

Die neue Leitstelle besteht aber nicht nur aus der eigentlichen Zentrale mit ihren acht Arbeitsplätzen. Ein neunter dient dem Qualitätsmanagement – „alle eingehenden Anrufe werden aufgezeichnet und ausgewertet“, erklärt Butz –, er kann bei Großschadenslagen und zur Abwicklung der Einsätze benützt werden. In diesem Fällen wird auch der sogenannte „Triage“ (Einteilungs)-Raum mit vier geschulten Mitarbeitern der Kreisverwaltung besetzt, erklärt Tiedecke. Mitarbeiterm, die bei einem Orkan à la Kyrill und hunderten Anrufen, die in kürzester Zeit nur eins abklären müssen: Menschenleben in Gefahr oder nicht.  Um jedes gefährdete Menschenleben kümmert sich dann umgehend ein Disponent der Leitstelle, umgestürzte Bäume oder voll gelaufene Keller werden zur Abarbeitung an die Feuerwehren vor Ort weitergeleitet. Und auch ein separater Raum für einen kleinen Krisenstab steht künftig zur Verfügung. Dazu gibt es selbstverständlich auch Ruheräume für die Disponenten, die während ihrer 24-Stunden-Schicht gerade nicht im Einsatz sind, und Sozialräume für Männer und Frauen, auch wenn die Leitstelle derzeit noch eine reine Männerdomäne ist. Das aber soll sich ändern.

Die Kosten für die neue Leitstelle, die sich im Neubau des Rettungsdienstes Kreis Düren befindet, werden zu 63 Prozent von den Krankenkassen und zu 37 Prozent vom Kreis Düren als Träger des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes übernommen. Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) wird die neue Leitstelle am Donnertag offiziell im Betrieb nehmen.

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