Kreis Düren: Beste Auszubildende in NRW

Ehrung von Ministerpräsident Laschet : Alina Bell und Robine Küthen schließen Lehre als NRW-Innungsbeste ab

Die eine ist 21 Jahre alt und kann Blut abnehmen, die andere 26 und kennt sich mit Medikamenten aus. Die eine arbeitet in Nideggen, die andere in Nörvenich. Trotzdem haben Robine Küthen und Alina Bell etwas gemeinsam.

Beide haben nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung gemacht, beide haben ihre Lehre als Innungsbeste in ganz Nordrhein-Westfalen mit der Note „sehr gut“ abgeschlossen. In der kommenden Woche werden sie deswegen in Düsseldorf von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) ausgezeichnet.

Eigentlich möchte Robine Küthen (21) aus Nideggen Ärztin werden, sie wartet auf einen Studienplatz. „Die Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten ist für mich eine Übergangslösung“, sagt sie. „Die Abiturnote war nicht so gut, dass ich direkt einen Studienplatz bekommen habe. Aber ich habe als Azubi sehr viel gelernt und fühle mich in meinem Wunsch, Ärztin zu werden, noch bestärkt.“

Blut abnehmen, Infusionen anlegen, Lungenfunktionstests durchführen und Verbände wechseln – die Arbeit in der Arztpraxis macht Robine Küthen Spaß. „An meine erste Blutabnahme kann ich mich noch genau erinnern“; sagt sie und lacht. „Die war bei meinem Vater und wird mir immer im Gedächtnis bleiben.“ Die Ausbildung in der Praxis ihres Vaters zu machen, war Robine Küthen wichtig. „Ich wollte so viel wie möglich lernen und habe mich bei meinem Vater einfach getraut, viel mehr zu fragen. Und wir haben auch zu Hause viel über die Ausbildung gesprochen.“

Alina Bell hat ihre Ausbildungen als Innungsbeste in Nordrhein-Westfalen abgeschlossen. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Bei Alina Bell (26) ist es genau umgekehrt wie bei Robine Küthen. Sie hat nach dem Abitur zuerst mit einem Studium begonnen. „Uns ist am Gymnasium immer vermittelt worden, dass wir nach dem Abitur studieren sollen. Eine Ausbildung war damals für mich absolut keine Option.“ Schnell habe sie aber gemerkt, dass das Studium nicht das Richtige für sie war. „Mir haben die praktische Arbeit und der Kontakt mit den Menschen gefehlt.

Beides habe ich bei der Ausbildung gefunden.“ Bell hat pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte gelernt. „Das ist ein Beruf, bei dem man das, was man in der Ausbildung lernt, später fast alles auch anwenden kann. Das ist längst nicht bei allen Berufen so, das war mir aber besonders wichtig.“ Alina Bell hat in der Apotheke von Rudolf Mertens gelernt, der regelmäßig junge Leute ausbildet. „Es wird immer schwieriger, wirklich geeignete junge Leute zu finden“, sagt er.

Leute, ergänzt der Apotheker, die sich wirklich für den Beruf interessieren und viel dafür arbeiten würden, eine möglichst gute Prüfung abzulegen. „Alina Bell hatte immer ein klares Ziel vor Augen. Das hat sie sehr stringent verfolgt, was auch daran deutlich wird, dass sie die Ausbildung anstatt nach drei schon nach zweieinhalb Jahren abgeschlossen hat.“ Ob sie ähnlich wie Robine Küthen noch eine Zusatzqualifikation oder gar doch noch ein Studium anstrebt, kann Alina Bell noch nicht sagen. „Ich weiß es nicht. Ich bin aber sicher, dass ich auch ohne Studium gute Karrieremöglichkeiten habe.“

Das bestätigt auch Klaus K. Jeske von der Agentur für Arbeit Aachen-Düren. „Es ist zwar immer noch so, dass die Arbeitslosigkeit bei Akademikern geringer ist als die Gesamtarbeitslosigkeit. Trotzdem werden immer mehr junge Leute gesucht, die eine duale Ausbildung machen.“ Jeske kann das mit Zahlen untermauern: Im Kreis Düren gab es im Ausbildungsjahr 2017/18 1587 Ausbildungsstellen (23 mehr als im Vorjahr), 117 Stellen waren zum 30. September dieses Jahres immer noch unbesetzt. Dem gegenüber standen 2229 Bewerber (262 weniger als im Vorjahr). 108 junge Leute sind unversorgt geblieben, das heißt, sie haben weder eine Ausbildung begonnen noch entschieden, weiter zur Schule zu gehen.

Im gesamten Zuständigkeitsbereich der Arbeitsagentur Aachen-Düren, zu dem neben dem Kreis Düren die Städteregion Aachen und der Kreis Heinsberg gehören, habe es noch nie so viele unbesetzte Ausbildungsstellen gegeben wie in diesem Jahr. Jeske: „Es waren am 30. September 682 unbesetzte Stellen. Diese Zahl ist in den vergangenen Jahren stetig angestiegen.“ Eine wirkliche Begründung für diese Entwicklung kann der Experte nicht geben. „Ein Grund ist sicherlich der demografische Wandel“, so Jeske. „Zudem sind die Schulentlasszahlen nach wie vor rückläufig – auch im Kreis Düren.“

Die Zahl der jungen Flüchtlinge, die mittlerweile eine Ausbildung absolvieren würden, ergänzt Jeske, würden diesen Trend ein wenig aufhalten. „In Düren gibt es 159 geflüchtete Jugendliche, die eine Ausbildung machen. Bezogen auf die 2229 Bewerber insgesamt sind das immerhin 7,1 Prozent. Das hilft schon ein bisschen.“