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Ausstellung in der Annakirche: Kreative Abwechslung für ukrainische Kinder in Düren

Ausstellung in der Annakirche : Kreative Abwechslung für ukrainische Kinder in Düren

„Weihnachten ist wichtig für uns und euch gleichermaßen“, sagt Vasylyna Biesiedina und erklärt damit die Grundidee für die Ausstellung „Weihnachten“, die in der Annakirche eröffnet worden und bis zum vierten Advent zu sehen ist.

Biesiedinas Sohn ist einer der jungen Künstler, deren farbenfrohe Bilder mit Advents- und Weihnachtsmotiven die Wände der Kirche schmücken.

In einem vierstündigen Workshop hatten Kinder und Jugendliche aus der Ukraine unter der Leitung der Künstlerin und Lehrerin Olena Shehehlova gemalt. In ihrer Rede zur Eröffnung der Ausstellung erzählte sie, dass es wichtig sei, in die Zukunft zu schauen, obwohl sie und viele andere ihre Häuser, Männer und Arbeit in der Ukraine verlassen mussten. Sie wolle versuchen, in Düren zu leben und etwas aufzubauen. Die Weihnachtsausstellung widme sie ihrer Heimat.

Shehehlova leitete in der Ukraine ein Mal-Atelier für Kinder. Sie bietet nun über die Volkshochschule Rureifel Kurse im Malen und Zeichnen für Kinder und Jugendliche an. Im nächsten Jahr wird sie dort auch Erwachsene unterrichten.

Willkommen sind sowohl ukrainische Teilnehmer als auch solche aus Deutschland und aller Welt. Die Tanzchoreographin Olena Orol, die in ihrer Heimat mit ihren Tanzgruppen ukrainische Meisterschaften gewonnen und auch an Weltmeisterschaften teilgenommen hat, bedankte sich in ihrem Wortbeitrag „bei den Menschen, die uns helfen, uns an die neuen Bedingungen anzupassen und in Deutschland wohlzufühlen“.

 Die farbenfrohen Bilder, die Kinder aus der Ukraine zum Thema "Weihnachten" gemalt haben, können gegen eine Spende, die einem Hilfsfonds für Menschen in der Ukraine zugute kommt, erworben werden. Ab 19. Dezember können sie im Büro oder direkt in der Kirche abgeholt werden.
Die farbenfrohen Bilder, die Kinder aus der Ukraine zum Thema "Weihnachten" gemalt haben, können gegen eine Spende, die einem Hilfsfonds für Menschen in der Ukraine zugute kommt, erworben werden. Ab 19. Dezember können sie im Büro oder direkt in der Kirche abgeholt werden. Foto: MHA/Anke Holgersson

Pfarrer Hans-Otto von Danwitz dankte den Kindern für die schönen, farbenfrohen Bilder, die das Herz berührten und Hoffnung schenkten. Er erinnerte daran, dass Maria und Josef, deren Geschichte in den Bildern erzählt werde, auch Geflüchtete waren, die ihre Heimat verlassen hatten. „Wir denken seit dem 24. Februar ganz viel an euch und beten für euch“, erklärte Danwitz in seiner Rede zur Begrüßung der ukrainischen Familien, die zur Ausstellungseröffnung gekommen waren.

Rolf Peter Hohn begrüßte die jungen Künstler und ihre Familien in seiner Funktion als stellvertretender Bürgermeister. Er wünsche sich von Herzen, dass „dieser schlimme Krieg eines Diktators“ bald beendet sei. Er freue sich, dass in Düren 1300 Menschen aus der Ukraine ein neues Zuhause gefunden hätten, was vielleicht auch damit zu tun habe, dass die Stadt Düren im Zweiten Weltkrieg ebenfalls „bis auf wenige Häuser komplett zerstört“ gewesen sei und die Dürener wüssten, was es heißt, einem Krieg ausgesetzt zu sein.

Ukrainischer Abend als Dank?

Hohn berichtete, dass seitens der ukrainischen Familien in Düren der Wunsch an ihn herangetragen worden sei, einen „ukrainischen Abend“, zum Beispiel im Haus der Stadt, auszurichten als Dankeschön für die gastfreundlichen Dürener Bürger.

Das kulturelle Programm der Ausstellungseröffnung wurde von den Kindern und Jugendlichen selbst gestaltet. Maria Sandular sang mit schöner Stimme erst die ukrainische Nationalhymne, dann ein Volkslied. Choreograph Pavlo Orol hatte mit einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine ein Tanzstück eingeübt.

Die 13-jährige Sofia Filiptseva hatte nicht nur an dem Malworkshop teilgenommen, aus dem die Weihnachts-Ausstellung hervorgegangen ist, sondern sie hielt auch eine Eröffnungsrede und bedankte sich darin bei den Deutschen. Anschließend verschenkte sie Friedensengel aus Papier, die von den jungen Künstlern angefertigt worden waren, an die Gäste.

Sofia ist seit neun Monaten in Deutschland, und es gefällt ihr gut hier. Düren hat sie schon vor dem Krieg kennengelernt, denn im letzten Jahr hatte die Familie ihren Bruder besucht, der hier eine Lehre absolvierte. Jetzt sei er 18 Jahre alt, erzählt Sofia und studiere an der Universität in Leipzig. Vasylyna Biesiedina ist mit ihrem Sohn hergekommen, der auch im Workshop gemalt hat.

Bürokratische „Spezialitäten“

„Es ist wichtig, dass die Kinder nicht immer an den Krieg denken“, sagt die Lehrerin, die an der Grundschule Merken unterrichtet. Sie erklärt den ukrainischen Kindern, was es mit den Weihnachtsbräuchen in Deutschland auf sich hat und wie die Adventszeit mit Adventskalender und -kranz gefeiert wird. „Die ukrainische Gemeinde in Düren ist wie eine große Familie“, berichtet sie. Die Vernetzung, die oft online geschieht, sorge dafür, dass man einander nicht nur die Weihnachtsbräuche, sondern auch die bürokratischen Spezialitäten der Deutschen erklären könne.