Kreuzau/Düren: Kräutersegnung zu Mariä Himmelfahrt

Kreuzau/Düren: Kräutersegnung zu Mariä Himmelfahrt

Paracetamol, Antibiotika, Mittel gegen Bluthochdruck - an all das, was wir heute im Medizinschränkchen haben, war vor vielen Jahren noch nicht zu denken. Wer früher heilen oder Beschwerden lindern wollte, sammelte Kräuter.

Auf deren Wirkung war man angewiesen. Heute kennen sich nur noch wenige damit aus. Sabine Wollersheim zum Beispiel. Schon als Kind war sie fasziniert vom Geschmack der Kräuter, ihrem Geruch, ihrem Aussehen. „Brennnesselsamen schmecken zum Beispiel köstlich im Müsli, und selbst gemachts Kräutersalz schlägt das gekaufte um Längen”, erzählt die Kräuterkundige.

Als sie älter wurde erfuhr sie aber auch von der heilenden Wirkung, die viele Kräuter haben. Sie lernte, welche Pflanzen gegen welche Beschwerden helfen können. Hopfen zum Beispiel sei schlaffördernd, Beifuß fördere die Durchblutung, Johanniskraut könne bei Depressionen lindern und ein ätherisches Öl aus der Angelikawurzel könne Unentschlossenen helfen. Bei einigen Kräutern würden die Blätter, bei anderen die Blüten oder die Wurzeln heilende Wirkung haben, einiges sei auch in Apotheken zu haben. „Gerade bei kleineren Beschwerden muss man nicht immer zur Chemie greifen”, sagt Sabine Wollershein. Die Natur habe viel zu bieten.

Morgen, am 15. August, feiern die Katholiken Mariä Himmelfahrt. Und zu diesem Fest ist es Tradtion, ein Kräutersträußchen zu binden. „Es ist eine Art kleines Erntedankfest”, erklärt Monika Schall, Gemeindereferentin in Kreuzau. Zu Mariä Himmelfahrt dankten die Katholiken Gott für seine Schöpfung, zu der eben auch die Heilkräuter gehören. Die Kräutersegnung beruht auf einem heidnischen Brauch. Seit dem 9. Jahrhundert wird er in der Kirche zu Mariä Himmelfahrt gelebt, im August, wenn viele Kräuter reif sind.

Lange war der Brauch jedoch in den Hintergrund gerückt. „Vermutlich passte er nicht in eine technologisch moderne Welt”, sagt Monika Schall. Die Kräuterweihe wurde als altmodisch abgetan. Die Teilnehmerzahlen an Kräuterwanderungen und Segnungen heute, zeichneten jedoch ein anderes Bild. Monika Schall spricht von einer Rückbesinnung auf die Natur. Und in der Tradition der Kräutersegnung sieht sie auch eine Möglichkeit, die Kirche einmal anders zu erleben. „Die Kräutersegnung kann ein Anknüpfungspunkt für Menschen sein, die auf der Suche sind.”

Sieben Kräuter gehören mindestens in ein Sträußchen, als Anlehnung an die Schöpfungstage. In die Mitte kommt in unseren Breitengraden meist die Königskerze. Darum kann drapiert werden, was gefällt. Zum Beispiel Beifuß, Schafgabe, Kamille, Johanneskraut, Soldatenknöpfchen und die wilde Möhre. Bei ihren Spaziergängen, hat die Kräuterfrau Sabine Wollersheim ein solches Sträußchen schnell zusammen. Wenn sie erzählt, staunt man, wie viele Pflanzen, die man bislang vielleicht einfach nur schön fand, auch noch nützlich sein können.

Die „Wilde Möhre” zum Beispiel. Bevor die weißen Dolden mit dem schwarzen Punkt aufgehen und in ihrer Blüte erstrahlen, sind sie zusammengerollt. „Ein bisschen errinnert die Form an einen Magen”, schildert Sabine Wollersheim. Und aus der Signaturlehre folgend lasse sich daraus ableiten, für welche Beschwerden die kleine weiße Pfahlwurzel verwendet werden kann. „Aber bei den Dolden muss man aufpassen. Die sind sehr schwer auseinander zu halten”, sagt Wollersheim. Auch bei natürlichen Heilmitteln sei Vorsicht geboten. Der Gedanke „das kann nicht schaden” sei falsch. Vom Experimentieren ohne Hintergrundwissen rät sie daher ab.