Tag für die Geschichtsbücher: Konvent der Trappistenmönche in Mariawald aufgelöst

Tag für die Geschichtsbücher: Konvent der Trappistenmönche in Mariawald aufgelöst

„Das ist kein freudiger Anlass“, sagte der Aachener Weihbischof Karl Borsch am Samstagmorgen, kurz bevor der Konvent Mariawald mit einem feierlichen Gottesdienst aufgelöst wurde.

„Wir schließen heute ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte dieses Ortes“, ergänzte der Bischofsvikar für das Ordenswesen. „Wir schließen heute das letzte Trappistenkloster auf deutschem Boden.“

Bereits im Januar hatte die vatikanische Ordenskongregation, unter deren Obhut Mariawald seit vorigem Jahr stand, entschieden, dass das Kloster aufgelöst werden soll. Der Konvent war mit durchschnittlich 81 Jahren überaltert, die Versorgung der Mönche nicht mehr gewährleistet. Der Nachwuchs fehlte. Mittlerweile haben alle Brüder Mariawald verlassen. Der frühere Abt Dom Josef Vollberg ist in ein Kloster nach Tschechien gegangen, die anderen Brüder leben in Senioreneinrichtungen in der Region. Die meisten von ihnen waren am Samstag bei der Auflösung des Konvents dabei.

Abordnung aus Tillburg

In einem Gottesdienst mit dem Aachener Weihbischof Karl Borsch wurde am Samstag der Konvent nach mehr als 500 Jahren aufgelöst. Foto: kin

Ebenfalls gekommen war eine große Abordnung des niederländischen Trappistenkonvents Tillburg mit Abt Bernardus Peeters, der von der vatikanischen Kongregation mit der Abwicklung Mariawalds beauftragt war. Außerdem nahmen die beiden früheren Äbte Franziskus de Place und Bruno Gooskens, Trappisten aus dem Stift Engelszell in Österreich und der Abtei Oelenberg in Frankreich, an dem Gottesdienst teil.

Dass die Auflösung des Konvents auch für viele Gläubige der Region ein schmerzlicher Einschnitt ist, bewiesen die vielen Menschen, die aus der gesamten Region nach Heimbach gekommen waren. Schon eine Stunde vor Gottesdienstbeginn war der Parkplatz der Abtei voll besetzt — aus Euskirchen, Aachen, Bergheim, Heinsberg, Bonn und Köln waren die Menschen nach Heimbach gekommen.

Und auch in der Kirche gab es bald keine Sitzplätze mehr. „Ich bin begeistert, wie viele Menschen gekommen sind“, sagte Maria Butterweck aus Bonn. „Das zeigt, dass Mariawald für viele eben doch mehr bedeutet als Klosterlikör und Erbsensuppenessen. Das ist heute ein schwerer Tag.“

In einem Gottesdienst mit dem Aachener Weihbischof Karl Borsch wurde am Samstag der Konvent nach mehr als 500 Jahren aufgelöst. Foto: kin

Ein schwerer Tag war der Samstag vor allem aber für die zahlreichen Mönche, die Mariawald immer als spirituellen Ort verstanden haben. „Wir trauern heute, weil wir diesen Ort aufgeben müssen“, sagte Abt Bernardus Peeters in seiner Ansprache zu Beginn des Gottesdienstes. „Aber wir blicken auch mit einer großen Dankbarkeit auf die zurückliegenden Jahrhunderte.“

Der Aachener Weihbischof Borsch sagte in seiner Predigt: „Der 15. September 2018 wird in die Geschichte eingehen. Das ist eine äußerst bewegende Stunde, weil wir diesen Heiligen Ort aufgeben müssen.“ Unzählige Pilger hätten am Gnadenbild der Gottesmutter Trost gefunden. „Wir blicken dankbar auf das Leben und Wirken der Mönche, ihre Gastfreundschaft, ihren geistlichen Beistand sowie ihr Glaubens- und Lebenszeugnis, das sie hier abgelegt haben.“ Nichts von dem, was die Trappisten getan hätten, sei umsonst gewesen.

Borsch: „Tiefer als aller Schmerz sind die Zuversicht und Hoffnung. Wir legen die Zukunft von Mariawald in die Hand Gottes.“ Mit der Auflösung des Konvents hat der Verein „Kloster Mariawald“ weiterhin die Verantwortung für die Immobilien. Die Klosterbetriebe mit Buchhandlung und Gaststätte bleiben wie bisher geöffnet, alle rund 30 Mitarbeiter behalten ihren Arbeitsplatz. „Es wäre wünschenswert“, betonte Borsch, „dass eine andere geistliche Gemeinschaft hier eine neue Heimat findet.“ Konkrete Pläne gäbe es für die Abtei aber derzeit nicht. Borsch: „Wir hoffen, dass Mariawald auch weiterhin ein Ort mit spiritueller Strahlkraft und ein Anziehungspunkt für Pilger und Touristen bleiben wird.“

Regelmäßige Gottesdienste wird es vorläufig in der ehemaligen Klosterkirche nicht mehr geben. Der Bischof hat den Heimbacher Pfarrer Dr. Christian Blumenthal als sogenannten „Rector ecclesiae“ mit der Obhut der Kirche betraut. „Meine Aufgabe wird es sein“, so der Geistliche, „dass dieses Gotteshaus als spiritueller Ort erhalten bleibt.“ Darüber hinaus sei er auch Ansprechpartner für die Pilgergruppen, die nach Mariawald kommen würden. „Heute ist ein Kapitel dieses Ortes zu Ende gegangen, aber wir werden bald ein Neues aufschlagen. Das ist heute kein Abbruch, es wird vielmehr einen Neuanfang geben. Meine Aufgabe ist es, die Zeit dazwischen zu gestalten.“

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