Kompromissloser Comedian: Dieter Nuhr in der Arena Kreis Düren

Düren : Warum Dieter Nuhr selbstständig wurde

Von Dieter Nuhr war dieser Tage eine nette Geschichte zu lesen, sie handelte vom Geld. Nuhr hat sich als Kind seine ersten Groschen verdient, indem er für eine Apothekerin Medikamente ausfuhr. Mit dem Fahrrad, es gab 50 Pfennige in der Stunde. Dieses Beschäftigungsverhältnis, schrieb Nuhr, würde er heute als kriminell bezeichnen. Für ihn stand schon damals fest: Im Berufsleben würde es bei ihm auf Selbstständigkeit hinauslaufen.

So ist es ja dann auch gekommen. Seit 30 Jahren steht der 57-Jährige auf der Bühne, Freitagabend auch, als er mit seinem Gastspiel mehr als 2000 Besucher in die Arena Kreis Düren holte. Nuhr ist längst einer der Großen in der deutschen Kabarett- und Comedyszene. Er füllt die Hallen der Republik, schreibt Bestseller, hat mittlerweile eine erhebliche Fernsehpräsenz, moderiert. Im Radio ist er schon seit Jahren wöchentlich zu hören. Und er fotografiert, bestreitet Ausstellungen. Drei, viermal im Jahr verlässt er Mitteleuropa und lässt sich auf andere Kulturen ein. Das schärft den Blick, bringt ihm seine Fotografien und Input für sein Programm.

Von außen lässt sich bisweilen viel besser erkennen, wie es innen aussieht. Nuhr sagt, dass der Grad an Unzufriedenheit oft bei den Menschen besonders ausgeprägt ist, die materiell gut gestellt sind. Optimistisch und besser gelaunt seien die, die nicht so viel haben. Dieses Grundthema zieht sich durch sein aktuelles Bühnenprogramm „Nuhr hier, nur heute“, das vor allem wieder eines schafft: der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten.

Nuhr macht das wie immer intelligent und nicht belehrend, er macht das weder platt noch reißerisch, stattdessen bedient er sich einer Tonlage, die manchmal direkt, manchmal subtil klingt. Nuhr kommt regelmäßig mit seinen Programmen in die Arena Kreis Düren. Dieses Jahr ist er im Vergleich zu früher ein Stück politischer, unmittelbarer und kompromissloser. Er hat eine klare Haltung.

Zu Anfang seines Programms gibt es immer einen kleinen aktuellen Teil. Also sezierte er den wieder vieldiskutierten Satz von Horst Seehofer, wonach der Islam nicht zu Deutschland gehöre. Danach noch eine Bemerkung zu Angela Merkel, die ausgerechnet einen gelernten Anästhesisten als Kanzleramtschef geholt habe — und er hatte das Publikum gewonnen.

Gepudertes Hinterteil

Nuhr braucht nur eine Bühne und einen Ständer für sein Ipad. Kleine Gedankenstütze. Er spricht über Wutbürger, die sich im Internet nicht unter Kontrolle haben, über den Dieselskandal, Feinstaubbelastungen und vergleicht immer wieder Vergangenheit und Gegenwart. Motto: Früher war nicht alles besser, im Gegenteil. Und dennoch jammerten viele gerne und oft. „Man kann sicher sein“, sagt Nuhr, „man könnte einem Deutschen das Hinterteil pudern und nach wenigen Minuten würde er sagen, dass ihm die Farbe des Puders nicht gefällt.“

Stimmt, mag der Besucher denken, und auch das: Wir alle sind gemeint.

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