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Krieg in der Ukraine: Kommunen suchen Wohnungen für ukrainische Flüchtlinge

Krieg in der Ukraine : Kommunen suchen Wohnungen für ukrainische Flüchtlinge

Die ersten Flüchtlinge aus der Ukraine sind im Kreis Düren angekommen. Die Kommunen und der Kreis bereiten sich auf weitere vor. Die Kapazitäten sind erschöpft, aber die Hilfsbereitschaft ist groß.

Die ersten ukrainischen Flüchtlinge haben den Kreis Düren schon am Wochenende erreicht, sind bei Familien untergekommen. Noch ist unklar wann und wie viele Flüchtlinge aus der Ukraine den Kreis Düren erreichen werden und wie viele davon auf öffentliche Unterkünfte angewiesen sind.

Aber die Kommunen im Kreis Düren bereiten sich vor. Ein Problem aber ist, dass die Kapazitäten in vielen Kommunen erschöpft sind. Die Flüchtlingsunterkünfte sind voll, der Mangel an Unterbringungsmöglichkeiten für Geflüchtete eigentlich in jeder Kommune schon lange ein Thema. Oftmals leben anerkannte Flüchtlinge noch immer in den Gemeinschaftsunterkünften der Kommunen, weil sie auf dem freien Markt keine bezahlbare Wohnung finden können und ansonsten obdachlos würden.

Gleichwohl gibt es die Hoffnung, dass in dieser Ausnahmesituation eines Kriegs in Europa doch noch Wohnraum zur Verfügung gestellt werden kann, Einliegerwohnungen in Privathäusern etwa, die bislang nicht vermietet sind. Mehrere Gemeinden, darunter etwa Niederzier und Inden haben bereits öffentliche Aufrufe gestartet. Vielerorts, etwa in Hürtgenwald und Vettweiß, sind vergleichbare Appelle in der Vergangenheit aber ohne Ergebnis geblieben. In Aldenhoven haben sich hingegen bereits erste Personen gemeldet, die Wohnraum zur Verfügung stellen können, wie Fachbereichsleiter Marc Neumann sagt. Das sei schon deshalb wichtig, weil die Gemeinde aktuell auch Ortskräfte aus Afghanistan unterbringen muss.

In der Gemeinde Inden hat sich die Situation bei den Flüchtlingsunterkünften bereits mit dem Hochwasser verschärft: „Es sind noch nicht alle Objekte wieder bezugsfertig“, sagt Bürgermeister Stefan Pfennigs (UDB). Deshalb müsse im Notfall auf Hotels und Ferienwohnungen zurückgegriffen werden, kündigte er an, hofft aber auf Hilfe aus der Bevölkerung: „Wir sind für jede Möglichkeit dankbar.“

Auch die Gemeinde Niederzier sucht privaten Wohnraum, die kommunalen Kapazitäten sind ausgelastet. Bürgermeister Frank Rombey (parteilos) appelliert an alle Bürger, die kurzfristig Hilfesuchende aus der Ukraine aufnehmen wollen, sich zu melden. Sollten der Gemeinde Flüchtlinge zugeteilt werden und sich auf die Schnelle kein Wohnraum finden, müsste im Zweifelsfall Raum in Turnhallen und Bürgerhäusern geschaffen werden. Das aber will die Verwaltung nach Möglichkeit vermeiden, um den Schul- und Vereinssport nicht zu beeinträchtigen.

Turnhallen und Aulas hält Bürgermeister Andreas Claßen (parteilos) aus Hürtgenwald allenfalls für kurzfristige Übergangslösungen, da sie den Bedürfnissen der Menschen nicht gerecht werden könnten. Gleichwohl sieht er gerade in den kleinen Kommunen, die auch mit Blick auf den Familiennachzug vor Herausforderungen stehen, kaum Chancen, schnell adäquate Quartiere zu schaffen. Mittelfristig könnte die Aufstockung der ohnehin geplanten Containerbauten eine Option sein.

„Wir haben praktisch keinen Platz“, sagt auch der Nideggener Bürgermeister Marco Schmunkamp (parteilos) mit Blick auf völlig ausgebuchte Flüchtlingsunterkünfte. Und weiter: „Wenn es nicht anders geht, sind wir auch bereit, Hallen umzufunktionieren. Wir stehen mit allen Mitteln Flüchtlingen aus der Ukraine zur Seite und müssen dann halt auch gewisse Beeinträchtigungen hinnehmen.“ Die Verwaltung hofft aber, dass es auch private Kapazitäten gibt, die nun gemeldet werden.

Die Gemeinde Vettweiß hat dem Kreis Düren 15 freie Plätze in ihren Unterkünften gemeldet. „Es müssen dann alle etwas enger zusammenrücken“, sagt Bürgermeister Joachim Kunth (CDU). Derzeit versuche man, etwa Familien mehr Raum zu geben oder nur zwei Personen in einem Vierpersonenzimmer unterzubringen. „Wenn weitere Menschen kommen, dann geht das leider nicht mehr“, sagt Kunth. Allerdings werden damit auch neue organisatorische Herausforderungen kommen: Bislang waren oft alleinreisende Männer unterzubringen, nun rechnen die Kommunen mit deutlich mehr Frauen und Kindern.

(smb, wel, vpu, ja, bugi)